Eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin hat ein überraschend komplexes Nervensystem bei Seeigeln entdeckt. Die Tiere verfügen über eine Art „Ganzkörper-Gehirn“, dessen genetische Organisation der des Wirbeltiergehirns ähnelt. Zudem fanden die Forschenden lichtempfindliche Zellen im gesamten Körper der Seeigel – vergleichbar mit Strukturen der menschlichen Netzhaut. Die Studie, gefördert vom Human Frontiers Science Program, wurde in Zusammenarbeit mit der Stazione Zoologica Anton Dohrn (Neapel), dem Laboratoire de Biologie du Développement de Villefranche-sur-Mer und dem Institut de…
Thüringer Forscher entwickeln Chip für einfachen Bluttest. Das Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie (fzmb GmbH) aus Bad Langensalza entwickelt in einem neuen EU-Projekt einen Chip, der eine bessere Früherkennung von Krebserkrankungen der Blutzellen und des Knochenmarks ermöglichen soll. Gemeinsam mit elf Organisationen aus Europa und Israel soll in dem Projekt SANGUINE ein günstiger Bluttest entwickelt werden, der derartige „hämatologischen Malignome“ früh und zuverlässig detektiert. Die fzmb GmbH – Partner im InfectoGnostics Forschungscampus Jena – beteiligt sich seit Februar an dem…
In der Epilepsieforschung galt lange die Annahme, dass für die Entstehung von Entzündungen im Gehirn eine undichte Blut-Hirn-Schranke ursächlich ist. Mithilfe einer neuartigen Methode haben Forschende vom Universitätsklinikum Bonn (UKB) und der Universität Bonn nachgewiesen, dass die Barriere zwischen dem Blut und dem Zentralen Nervensystem jedoch weitgehend intakt bleibt. Ihr Untersuchungsverfahren liefert somit wichtige Erkenntnisse zur Entstehung der Epilepsie und könnte die Wirkstoffentwicklung in der Pharmazie signifikant optimieren. Die Studienergebnisse sind kürzlich im renommierten Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht worden. 500…
Prof. Dr. Stéphane Collaud von der Universität Witten/Herdecke kann neue Medikamente und Chemotherapie außerhalb des Körpers testen. Prof. Dr. Stéphane Collaud ist Chefarzt für Thoraxchirurgie an den Kliniken der Stadt Köln und gleichzeitig Lehrstuhlinhaber für dieses Fach an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Er operiert vorwiegend Tumore an der Lunge oder den Atemwegen – sowohl minimalinvasiv „durchs Schlüsselloch“ als auch offen. „Wenn wir Lungenkrebs operieren, müssen wir ausreichend Sicherheitsabstand einhalten. Den entnommenen Teil, den sogenannten ‚Lungenlappen‘, können wir – selbstverständlich nur…
Von 100.000 Menschen erkrankt lediglich eine Person an einem Phäochromozytom, einem Tumor der Nebenniere. Hat solch ein Tumor bereits Metastasen ausgebildet, kann ein radioaktives Präparat die im Körper gestreuten, bösartigen Zellen aufspüren und von innen bestrahlen. Nicht jeder Tumor präsentiert jedoch genügend Zielmoleküle für die Radionuklid-Therapie. Dann reicht die Strahlendosis oft nicht aus, um den Krebs einzudämmen. Mithilfe einer der Therapie vorgeschalteten Gabe von zwei Arzneimitteln gelang es einer Forschungsgruppe am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), im Mausmodell die Anzahl der Zielmoleküle…
Eine höhere Auflösung als das Vorgängermodell, dazu deutlich weniger Strahlen und ein Plus an Benutzerfreundlichkeit: Vor Kurzem sind die beiden hochmodernen Hybrid-Operationssäle im Herz-Gefäß-Zentrum (HGZ) des Klinikums Nürnberg mit zwei neuen ARTIS pheno-Robotersystemen ausgerüstet worden. Profitieren werden von der neuen Technik insbeson-dere die Patientinnen und Patienten der Gefäßchirurgie, aber auch der Kardiologie und der Herzchirurgie. „Ich freue mich sehr, dass wir jetzt den Rolls Royce unter den robotergestütz-ten Angiografie-Systemen nutzen können“, so Prof. Dr. Eric Verhoeven, Ärztlicher Leiter der Klinik…
Bauchspeicheldrüsenkrebszellen haben einen erhöhten Spiegel an Wasserstoffperoxid. Reaktive Sauerstoffspezies spielen mutmaßlich eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Krebserkrankungen. Ergebnisse einer Studie in der Zeitschrift Angewandte Chemie belegen nun, dass nur der Spiegel von Wasserstoffperoxid, aber nicht der von anderen reaktiven Sauerstoffspezies in Bauchspeicheldrüsenkrebszellen signifikant erhöht ist. Damit könnte Wasserstoffperoxid zum interessantes Ziel in der Krebsbekämpfung werden, schreibt das Team. Reaktive Sauerstoffspezies gehören zu normal funktionierenden Körperzellen. Sie entstehen in zellulären Prozessen und können Zellbausteine wie Lipide und andere Moleküle…
Polymere mit Metall-Rückgrat. Bisher war klar: Metall oder Kunststoff, beides in einem geht nicht. Das muss aber nicht so bleiben: In der Zeitschrift Angewandte Chemie berichtet ein chinesisches Forschungsteam jetzt über ein Polymer mit einem metallischen Rückgrat, das leitfähig sowie thermisch stabil ist und interessante opto-elektronische Eigenschaften zeigt. Aufgrund der verschiedenen elektronischen Strukturen von Metall- und Nichtmetallatomen ist es schwierig, die Eigenschaften von Metallen, wie hohe thermische und elektrische Leitfähigkeit, auf Polymere zu übertragen. Polymere mit Metall-Rückgrat könnten die Vorteile…
Fehlfunktion von zellulären Kondensaten könnte angeborenen Fehlbildungen, Volkskrankheiten und Krebs zugrunde liegen. Die meisten Proteine sammeln sich in proteinreichen Tröpfchen in der Zelle, den „zellulären Kondensaten“. Solche Proteine besitzen Abschnitte, die als Adressetikett dienen: Sie zeigen das Kondensat an, für das das Protein bestimmt ist. Wenn die Etiketten fehlerhaft sind, können die Proteine im falschen Kondensat landen. Dies könnte laut einem Team von Forschenden aus der klinischen Medizin und der biologischen Grundlagenforschung die Ursache zahlreicher unaufgeklärter Erkrankungen sein. Ihre Ergebnisse…
Heidelberger Wissenschaftler untersuchen die frühesten Schritte der Ribosomenentstehung. Ribosomen sind die Nano-Maschinen der Zelle, deren Aufgabe die fehlerfreie Synthese von Eiweißen ist. Mit der Entstehung dieser „Proteinfabriken“, den Ribosomen, beschäftigen sich Forscherinnen und Forscher am Biochemie-Zentrum der Universität Heidelberg. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ed Hurt konnten sie die besondere Rolle eines bisher unerforschten Biogenese-Faktors bei der Reifung von Vorläufer-Ribosomen entschlüsseln. Die Forschungsergebnisse, die in enger Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Ludwig-Maximilians-Universität München entstanden sind, wurden in der…
Saarbrücker Forschungsteam entwickelt eine neuartige Lungenzelllinie zur Testung von Arzneimitteln. Bevor neue Medikamente in Tierversuchen und später in klinischen Studien getestet werden können, müssen sie eine Vielzahl von Laboruntersuchungen durchlaufen. Hierbei kommen sogenannte Zelllinien zum Einsatz, also menschliche oder tierische Zellen eines bestimmten Gewebes, die im Labor kultiviert werden können. Ein Team um Prof. Claus-Michael Lehr vom Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) hat nun eine neuartige humane Lungenzelllinie entwickelt, welche deutlich genauere Vorhersagen über das Verhalten von Wirkstoffen bzw….
Hoch individualisierte Medikamente aus dem 3D-Drucker könnten den Behandlungserfolg erhöhen, Nebenwirkungen verringern und die Therapietreue verbessern. Um diese Technologie niedrigschwelliger zu gestalten und etwa für Apotheken oder Krankenhäuser attraktiv zu machen, hat das Konsortium PolyPrint einen neuartigen 3D-Drucker und optimierte Polymere entwickelt. Eine Ausgründung ist in Vorbereitung. Dem Konsortium gehören die TH Köln, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), die Merck KGaA und die Gen-Plus GmbH & Co. KG an. Die mit dem System verarbeiteten und neu entwickelten pharmazeutischen Polymere stammen von…
Dank Künstlicher Intelligenz: Das Design von neuartigen Molekülen und Materialien mit spezifischen Eigenschaften kann erhebliche Fortschritte für industrielle Prozesse, die Wirkstoffentwicklung oder die Optoelektronik bringen. Jedoch ist die Suche danach mit der nach einer Nadel im Heuhaufen vergleichbar, da die Zahl der Moleküle im chemischen Raum in der unvorstellbaren Größenordnung von 10 hoch 60 liegt. Das sind deutlich mehr Moleküle als es Sterne im uns bekannten Universum gibt. Wissenschaftler:innen der Universität Leipzig und der University of Warwick ist es nun…
Wissenschaftler der Gruppe „Micro, Nano and Molecular Systems“ am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung und des Institute for Molecular Systems Engineering and Advanced Materials der Universität Heidelberg haben eine neue Technologie entwickelt, um Materie in 3D zu drucken. Sie nutzen dabei Klänge, bzw. Schallwellen, um Druckfelder zu erzeugen. Innerhalb dieser Schallfelder können zum Beispiel Feststoffpartikel oder biologische Zellen zu ausgewählten Formen zusammengesetzt werden. Die Erkenntnisse ebnen den Weg für neuartige 3D-Zellkulturtechniken mit hoher Relevanz für biomedizinische Techniken. Die Ergebnisse der Studie…
Würzburger Krebsforschung gewinnt mit Kooperationspartnern hart umkämpftes TRANSCAN-3-Projekt. 1,3 Millionen Euro für die Erforschung neuer Schlüsselkomponenten im Tumormikromilieu beim Multiplen Myelom und kleinzelligem Lungenkarzinom sowie für die Entwicklung modifizierter CAR-T-Zelltherapien. Schwer behandelbare Krebserkrankungen zeichnen sich unter anderem durch ein spezielles Tumormikromilieu aus. Verschiedene physikalische und immunologischen Barrieren umgeben den Tumor und schirmen ihn ab, was die Wirksamkeit von Immuntherapien beeinflusst. Insbesondere Therapien mit genmodifizierten Immunzellen wie CAR-T-Zellen, die einen chimären Antigen-Rezeptoren (CAR) tragen, um die Tumorzellen zu attackieren, verlieren in…
Etwa 300 Millionen Menschen sind mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) chronisch infiziert, was zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen kann. Therapien zur Heilung von HBV werden daher dringend benötigt. Aufgrund der einzigartigen Replikationsstrategie von HBV ist jedoch die in präklinischen und klinischen Studien wichtige Quantifizierung der Virus-DNA in infizierten Leberzellen technisch schwierig und bisher nicht standardisiert. Ein von DZIF-Forschenden geleitetes internationales Forschungskonsortium hat nun Empfehlungen zur Optimierung, Kontrolle und Validierung von Messungen der viralen DNA entwickelt, die für die Bewertung therapeutischer Strategien…
Die Transplantation von Blutstammzellen bietet oft die einzige Chance, eine Leukämie langfristig erfolgreich zu behandeln. Dieser therapeutische Effekt wird von Immunzellen der Spender:innen vermittelt. Denn diese Zellen erkennen genetische Unterschiede zwischen Patient:in und Spender:in, die sogenannten HLA-Gewebemerkmale, und greifen deshalb Krebszellen an – unter Umständen aber auch gesunde Zellen. Dann tritt die gefürchtete Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion ein. „Bisher dachte man, dass es einzig auf die genetischen Unterschiede zwischen den HLA-Gewebemerkmalen selbst ankommt. Wir konnten nun zeigen, dass auch und vor allem das…