Eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin hat ein überraschend komplexes Nervensystem bei Seeigeln entdeckt. Die Tiere verfügen über eine Art „Ganzkörper-Gehirn“, dessen genetische Organisation der des Wirbeltiergehirns ähnelt. Zudem fanden die Forschenden lichtempfindliche Zellen im gesamten Körper der Seeigel – vergleichbar mit Strukturen der menschlichen Netzhaut. Die Studie, gefördert vom Human Frontiers Science Program, wurde in Zusammenarbeit mit der Stazione Zoologica Anton Dohrn (Neapel), dem Laboratoire de Biologie du Développement de Villefranche-sur-Mer und dem Institut de…
Eine kurze Behandlung mit Rapamycin hat die gleichen positiven Auswirkungen auf die Lebenszeit und die Gesundheit im Alter, wie eine lebenslange Behandlung, zeigen Forschende vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns an Fruchtfliegen und Mäusen. Rapamycin ist das derzeit vielversprechendste Anti-Aging-Mittel. Allerdings wird es, um die maximale Wirksamkeit des Medikaments zu erzielen, oft lebenslang verabreicht. Doch selbst bei niedrigen Dosierungen, die zur Vorbeugung von altersbedingtem Verfall verwendet werden, können Nebenwirkungen auftreten. Daher könnte die kürzere Behandlungsdauer die Anwendung im Menschen wahrscheinlicher…
Schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Erblindungen weltweit sind auf die seltene entzündliche Augenerkrankung Uveitis zurückzuführen. Bei der Uveitis posterior kommt es zu Entzündungsherden in der Netzhaut und in der sie versorgenden, darunterliegenden Aderhaut. Forschende der Universitäts-Augenklinik Bonn haben die farbkodierte Fundus-Autofluoreszenz als unterstützende neuartige Diagnose-Methode getestet. Aus der Fluoreszenz der Netzhaut lässt sich auf den Uveitis-Subtyp schließen. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für eine zielgenaue Diagnose und Behandlung der Erkrankung. Die Ergebnisse sind nun in Nature Scientific Reports erschienen….
Die „Spanische“ Wegschnecke (Arion vulgaris) breitet sich in Europa immer weiter aus. Für ihr enormes Ausbreitungs- und Schädlingspotential könnte eine besonders hohe Anzahl sogenannter „springender“ Genabschnitte die Grundlage sein, vermuten SNSB Zoolog:innen. Die Forscher:innen veröffentlichten kürzlich die vollständige Entschlüsselung des Gesamtgenoms der Landschnecke in der Fachzeitschrift Scientific Reports. Die „Spanische“ Wegschnecke, die eigentlich Gemeine oder Gewöhnliche Wegschnecke heißt (Arion vulgaris), gilt als einer der größten Schädlinge in Europa. Sie richtet nicht nur in Haus- und Nutzgärten, sondern auch in der…
Patienten mit einer Herzschwäche haben oft auch Vorhofflimmern. Ihr Herz schlägt dann unregelmäßig und oft zu schnell, wodurch sich die Herzschwäche weiter verschlechtert – Betroffene müssen häufig ins Krankenhaus. Eine vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) geförderte Studie untersucht, ob eine Katheterablation den Zustand der Patienten verbessert und damit Sterblichkeit, Schlaganfälle und Krankenhausaufenthalte verringern kann. „Nahezu die Hälfte unserer Patienten mit Herzschwäche hat auch Vorhofflimmern“, sagt Professor Burkert Pieske, Studienleiter und Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus…
Effizienter Titankatalysator für die Produktion von PEF, der regenerativen PET-Alternative. Für Getränkebehälter lässt sich der Kunststoff PET sehr gut durch Polyethylenfuranoat (PEF) aus regenerativen Quellen ersetzen. Die Herstellung des Rohstoffs für PEF aus Biomasse ist jedoch bislang wenig effizient. Ein neuer Photokatalysator auf Titanbasis könnte die Rohstoffproduktion effizienter und damit sparsamer machen, schreibt nun eine Forschungsgruppe in der Zeitschrift Angewandte Chemie. Soll Biomasse weiterverarbeitet werden, wird aus dem Mix aus natürlichen Stoffen zunächst ein chemischer Grundstoff gewonnen, das 5-Hydroxymethylfurfural (HMF)….
Ist die geografische Geschichte des Sundalandes eng mit der Evolution der Sumatra-Kaskadenfrösche verknüpft? Diese Frage untersuchte ein internationales Team um Herpetologin Umilaela Arifin des LIB in ihrer neusten Studie, die im Fachmagazin „Nature Scientific Report“ erschienen ist. Sie vermuten, dass sich diese Frösche bereits ausbreiteten, bevor sich die Formation der Wassereinzugsgebiete im Pleistozän – also der Erdgeschichte vor etwa 2,5 Millionen bis vor 11.650 Jahren – gebildet hat. Diese Erkenntnisse stellen vorherige Annahmen der Fachwelt in Frage. Flüsse gelten als…
Eine groß angelegte klinische Studie mit mehr als 35.000 durchgeführten Paralleltestungen am Universitätsklinikum Würzburg zeigt, dass Antigen-Schnelltests eine Schwäche bei der Erkennung von Omikron-Infektionen haben. Würzburg. Neben Impfen gehören Abstandhalten, Lüften, Maskentragen und Testen zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen die nächste, für den Herbst erwartete Corona-Welle. Große Hoffnung liegt wieder auf den unkomplizierten, weithin verfügbaren und kostengünstigen Antigen-Schnelltests, die vielen Aktivitäten Tür und Tor öffnen. Dass man sich bei einem negativen Schnelltest aber nicht immer in Sicherheit wiegen darf, zeigt…
Essentiell für ein gesundes Gehirn und Verursacher von Krebsmetastasen Eine internationale Forschungsgruppe, an der Wissenschaftler:innen der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik und des Instituts für Physiologische Chemie der Universitätsmedizin Mainz beteiligt waren, hat ein Protein identifiziert, das sowohl für die Bildung von gesunden Gehirnzellen als auch für die Entstehung von Krebsmetastasen von entscheidender Bedeutung ist. Das Forschungsteam fand heraus, dass das Protein ZNF827 bei diesen zwei zellulären Prozessen maßgeblich einen Mechanismus reguliert, der die Zellwanderung ermöglicht: die sogenannte epithelial-mesenchymale Transition…
Molekulare Motoren sind komplexe Mikromaschinen, die in biologischen Zellen zahlreiche mechanische Aktionen ausführen. Um die Arbeitsweise dieser Winzlinge zu verstehen, muss man ihre genaue Struktur erkunden. Ein Forschungsteam um Thomas C. Marlovits vom Zentrum für Strukturelle Systembiologie (CSSB) bei DESY hat nun die Architektur, den kompletten Funktionszyklus und den Wirkmechanismus eines solchen molekularen Motors aufgeklärt. Das Team berichtet im Fachblatt „Nature“, wie der sogenannte RuvAB Branch Migration Complex chemische Energie in mechanische Arbeit umwandelt, um die Rekombination und Reparatur des…
Ein Team um Prof. Dr. Jörg Kudla der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster hat herausgefunden, dass Salzstress in einer speziellen Zellgruppe in der Pflanzenwurzel, die eine „natriumempfindliche Nische“ bilden, Kalziumsignale auslöst. Die Wissenschaftler identifizierten darüber hinaus einen Schaltermechanismus zur Anpassung an unterschiedliche Stärken von Salzstress in dem ein bestimmtes kalziumbindendes Protein (CBL8), besonders zur Salztoleranz unter starken Salzstressbedingungen beiträgt. Die Studienergebnisse sind nun im Fachmagazin „Developmental Cell“ erschienen. Für Pflanzen sind ungünstige Umweltbedingungen ein erheblicher Stress. Ein hoher Salzgehalt (Natriumchlorid, NaCl)…
Die Ernährungsweise des Filtrierens von Schwebteilen aus dem Wasser war bei Wasserinsekten bereits früher entwickelt als bisher vermutet. Dies zeigen Untersuchungen an fossilen Insektenlarven aus dem „Voltziensandstein“ der Vogesen durch Dr. Arnold Staniczek, Wasserinsekten-Spezialist am Naturkundemuseum Stuttgart, und seines Kollegen Dr. Pavel Sroka von der tschechischen Akademie der Wissenschaften in Budweis. Bisher waren die Lebensweise und die systematische Einordnung dieser Tiere umstritten. Die Wissenschaftler konnten anhand einer Merkmalsanalyse nachweisen, dass es sich bei den Fossilien um aquatische Larven von Eintagsfliegen…
Viele Tumorzellen nebeln sich mit einem schützenden Parfum ein, das das Immunsystem außer Gefecht setzt. Doch ein bereits zu anderen Zwecken zugelassenes Medikament kann diese Waffe offensichtlich unschädlich machen. Das zeigt eine Studie der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, die jetzt im Journal for ImmunoTherapy of Cancer erschienen ist. Die Forschenden wollen die Verbindung nun weiter optimieren. Mittelfristig könnte das den Weg zu neuen Pharmaka gegen Krebs bahnen. Viele Krebszellen umgeben sich mit einer dichten Wolke aus Adenosin. Das…
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von neuen oralen Tumormedikamenten auf dem Markt. Dies hat die Behandlung von Krebserkrankungen erheblich verbessert. Da Patient:innen aber individuell auf die Dosierung reagieren, teils mit schweren Nebenwirkungen, ist es wichtig, die Konzentration dieser Wirkstoffe im Blut zu kennen. Gefördert von der Wilhelm Sander-Stiftung ist es Forschenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) nun gelungen, eine einzige Messmethode für die Bestimmung von 57 Tumormedikamente zu entwickeln. Bisher waren dafür viele verschiedene Methoden nötig. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal…
RNA-Moleküle nehmen Schlüsselstellung bei schweren Verläufen einer Infektion mit dem Coronavirus ein. Nimmt eine COVID-19-Erkrankung einen schweren Verlauf, so geht dies mit einer verminderten Konzentration des Steuermoleküls PIRAT einher; diese Absenkung trägt zu einer überschießenden Immunantwort bei, wie sie für schwere Fälle typisch ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Forschungsgruppe durch molekulargenetische Analysen an weißen Blutkörperchen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Professor Dr. Leon Schulte vom Institut für Lungenforschung der Philipps-Universität Marburg berichten im Forschungsmagazin „PNAS“ über ihre Ergebnisse….
Bauchspeicheldrüsenkrebs: Forscher*innen der Universitätsmedizin Göttingen entdecken therapeutische Ansätze zur Bekämpfung von metastasierendem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Veröffentlicht im Journal of Clinical Investigation Insight (JCI Insight. (umg) Die Diagnose „Bauchspeicheldrüsenkrebs“ ist immer noch mit einer schlechten klinischen Prognose verbunden. Zum Zeitpunkt der Diagnose weisen die meisten Patient*innen bereits ein fortgeschrittenes Stadium auf und eine kurative Therapie durch chirurgische Entfernung des Tumors ist nicht mehr möglich. Bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs ist die Chemotherapie das Mittel der Wahl. Doch die Mehrheit der Patient*innen ist gegen die derzeit…
Sterbende Riffe und ausgbleichte Korallenstöcke: Der Klimawandel setzt Korallen massiv zu. Die Korallenbleiche greift durch das wärmer werdende Wasser immer weiter um sich. Doch nicht alle Korallen reagieren darauf gleich empfindlich. Ein internationales Team um Cesar Pacherres und Moritz Holtappels vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven sowie Soeren Ahmerkamp vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen hat nun eine mögliche Erklärung dafür: Mithilfe von winzigen Flimmerhärchen können Korallen die Strömungsverhältnisse in ihrer Umgebung beeinflussen und sich…