Die Tatsache der roten Marsoberfläche beweist nicht zwingend, dass der Planet zu früheren Zeiten Wasser besaß oder heute noch Spuren davon hat. Zu diesem Schluss kommen dänische Forscher vom Mars Simulation Laboratory.
In Experimenten zeigen sie, dass der dunkle Magnetit, der die Marsoberfläche ursprünglich bedeckte, auch rein mechanisch zu rötlichen Hämatit umgewandelt werden konnte. Diese Ergebnisse wurden auf dem Kongress der europäischen Planetenwissenschaftler in Potsdam präsentiert und in der Fachzeitschrift “International Journal of Solar System Studies” veröffentlicht.
Der erdnahste Planet unseres Sonnensystems ist von feinem, roten Staub bedeckt. Dieser ist auch in der Marsatmosphäre vorhanden, und zwar mit manchmal so hoher Dichte, dass er die Sonne dabei verfinstert. Welche physischen, chemischen und geologischen Ursachen dieser Staub hat, ist jedoch noch kaum erforscht.
Man nimmt an, dass der heute rote Planet zwischen seinen weißen Polkappen ursprünglich schwarz war, berichtet Studienautor Jonathan Merrison: “Die meisten seiner Gesteine in den mittleren Breiten sind aus Basalt. Jahrzehntelang gingen wir davon aus, dass die rötlichen Regionen am Mars auf seinen Wasserreichtum in früheren Epochen zurückgeht, und dass es auch heute zumindest in manchen Regionen wasserhältige oxidierte Eisenmineralien gibt.”
Dass der Rotanstrich jedoch vielleicht auch ohne Wasser zustande kam, lässt ein neues Experiment vermuten. Um die Staubentstehung am Mars zu simulieren, füllten die Wissenschaftler Glasflaschen mit Quarzsand und schüttelten diese, insgesamt zehn Mio. mal in fünf Monaten. Ein Zehntel des Sandes war in dieser Zeit zu Staub geworden. Eine Überraschung erlebten die Forscher jedoch, als sie das im Marsbasalt enthaltene Eisenoxid Magnetit dazu mischten und weiter schüttelten. Dabei nahmen allmählich die gesamten Proben rote Farbe an und eine anschließende Analyse konnte die Mineralien als Hämatit identifizieren. “Magnetit hatte sich in einem ausschließlich mechanischen Prozess in Hämatit verwandelt, ohne dass jemals ein Tropfen Wasser im Spiel war”, so Merrison.
Quarzsandkörner erodieren beim Herumwirbeln schnell und wandeln sich durch den direkten Kontakt um, vermuten die Wissenschaftler. Auch wenn die genauen Prozesse dabei noch nicht erforscht sind, konnte bereits nachgewiesen werden, dass dieser Vorgang nicht nur an der Luft, sondern auch in trockenen Kohlendioxidatmosphären wie etwa am Mars stattfindet. Erst wenn die Gesteinszusammensetzung des Mars genau verstanden wird, könne seine Struktur wie auch die Entwicklung in Oberflächennähe sowie das Zusammenspiel mit der Marsatmosphäre rekonstruiert werden, geben die Forscher zu bedenken.




