Siemens bringt ein Hörgerätesystem auf den Markt, das einen automatischen Stereosound bietet. Damit können Schwerhörige mit beiden Ohren genauso hören wie Normalhörende.
Der Trick: Die zwei Hörgeräte des Systems Acuris kommunizieren miteinander. Bisher funktionierten Hörgeräte an beiden Ohren voneinander unabhängig. Bei Acuris sind wegen der synchronen Arbeitsweise stets beide Geräte optimal eingestellt. Das System ermöglicht so auch Schwerhörigen die Vorteile des beidohrigen Hörens. Acuris wird auf dem 49. Internationalen Hörgeräte-Akustiker-Kongress vom 20. bis 23. Oktober in Frankfurt vorgestellt.
Schätzungen zufolge ist in den westlichen Industrieländern etwa jeder zehnte Mensch schwerhörig. In Deutschland kommen etwa 80 Prozent der Menschen mit Hörminderung für eine Hörhilfe in beiden Ohren in Betracht. Nur etwa die Hälfte der Versorgten hat indes zwei Hörgeräte. Das Stereo-Hören erleichtert es aber erheblich, die Quelle von Tönen zu lokalisieren und besonders leise Geräusche zu hören.
Die neuen Geräte von Siemens Audiologische Technik in Erlangen gibt es für jeden Grad der Hörschwäche als System hinter dem Ohr oder im Ohr. Die Im-Ohr-Geräte verschwinden im Gehörgang und sind kaum sichtbar. In jedem der Winzlinge steckt etwa die Rechenkapazität eines Pentium-4-Prozessors. Über einen wenige Millimeter großen Funkempfänger und –sender tauschen die Hörgeräte ständig Steuersignale aus. Ist ein Träger des Hörsystems gerade auf einer belebten Straße in einer Unterhaltung und ein Lastwagen fährt vorbei, schaltet das System in Sekundenbruchteilen: Es unterdrückt den Störschall und verstärkt die Sprache. Ähnlich rasch funktioniert die Umstellung, wenn ein Nutzer ein Handy verwendet. Acuris erkennt die Situation sofort und stellt das Telefon-Programm ein. Das System ist auch für Menschen mit einseitigem Hörverlust und höchsten Ansprüchen geeignet. Bei Bedarf kann es ohne Aufwand in ein System mit zwei Geräten erweitert werden.
Ergänzt wird das System durch eine Fernbedienung. Weltweit einzigartig ist, dass der Träger mit ihr nicht nur Programm und Lautstärke einstellen, sondern zudem ablesen kann. Über Funk erfährt die etwa streichholzschachtelgroße Fernbedienung auch den Ladezustand der Hörgeräte-Batterien, was bisher nicht möglich war.
