Energie & Elektrotechnik

Charakterisierung von Metalloxiden und organischen Materialien

Entwickler von Dünnschicht-Gas-Sensoren profitieren von geheizter Substrat-Plattform.

Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS entwickelt und fertigt individuelle beheizbare Test-Chips für die Charakterisierung neuer Materialien der Gas-Sensorik. Darauf abgeschiedene sensorische Schichten und deren anwendungsspezifische Parameter, wie Sensitivität und Selektivität, können damit gezielt untersucht werden. Individuell herstellbare Chip-Designs erlauben die optimale und hochgenaue Charakterisierung dieser dünnen Schichten.

Beispiel-Wärmebildaufnahme eines per Vakuumsauger gehaltenen beheizten Testsubstrats des Fraunhofer IPMS
Beispiel-Wärmebildaufnahme eines per Vakuumsauger gehaltenen beheizten Testsubstrats des Fraunhofer IPMS. @ Fraunhofer IPMS / Sebastian Lassak

Der Nachweis von Gasen wie beispielsweise NO2, NH3, CO, H2S oder flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) wie Aceton, Formaldehyd und Methanol ist von großer Bedeutung für die Beurteilung einer möglichen Gesundheitsgefährdung.

Gas-Sensoren auf Basis von Einzelkomponenten-Metalloxiden und Materialien auf Kohlenstoffbasis leiden derzeit noch unter Einschränkungen, wie beispielsweise geringer Empfindlichkeit im unteren ppm- sowie ppb-Bereich und begrenzter Lebensdauer, was ihre umfassende Anwendung als Hochleistungs-Gas-Sensoren verhindert. Deshalb sind weiterführende Entwicklungen notwendig, um elektrische und thermische Eigenschaften in Verbindung mit hoher Empfindlichkeit, schnellem Ansprechverhalten, hoher Selektivität und schneller Wiederholbarkeit zu erzielen.

Im Rahmen derartiger Entwicklungen spielt die Charakterisierung sensitiver Schichten eine entscheidende Rolle, um die verwendeten Materialien gezielt herstellen und einsetzen zu können. Das Fraunhofer IPMS entwickelt und fertigt für die Bewertung neuartiger Materialien Leitfähigkeits- und Einzeltransistorstrukturen. Diese Substrate können für die Charakterisierung elektrischer Materialkenngrößen von Dünnschicht-Gas-Sensoren genutzt werden. Darüber hinaus können diese Substrate auch als Grundlage für weiterführende Produktentwicklungen genutzt werden.

»Häufig müssen Gas-Sensoren unter definierten Temperaturen betrieben werden. Unsere Substrate ermöglichen die gezielte Einstellung der Schichttemperatur, wodurch Materialien einfach und effektiv untersucht werden können. Dazu gehört auch die Untersuchung der Stabilität und Drift über verschiedene Zeiträume. Zudem kann das Verhalten in Prozessen bereits während der Schichtabscheidung untersucht werden. Um die Technologie individuell weiterzuentwickeln, suchen wir Partner und können auch vordesignte Chips für Messungen zur Verfügung stellen«, erläutert Dr. Alexander Graf, Leiter der Gruppe Gas Sensors and Systems.

Vorteile der Substrate des Fraunhofer IPMS

Die am Fraunhofer IPMS gefertigten Chip-Substrate bieten hochgenaue Strukturen und leistungsfähige Materialien, so dass damit eine vielversprechende Grundlage für die reproduzierbare Materialbewertung im Rahmen von FuE-Fragestellungen und Qualifizierung gegeben ist. Die Substrate ermöglichen die Verwendung kundenspezifischer Designs. Elektrodenstrukturen, z. B. unterschiedlicher Kanalweiten und -längen, können auf einem Chip aufgebracht werden, so dass anwendungsspezifisch die idealen Parameter genutzt werden können.

Die Herstellung erfolgt regulär im Reinraum auf Siliziumwafern mit thermischem Siliziumdioxid (SiO2), wobei weitere Oxide wie Hafniumdioxid (HfO2) als Dielektrikum zur Verfügung stehen. Bei der Sensorentwicklung bestimmen die sensitiven Materialien die Leistungsfähigkeit des gesamten Sensors. Material- und Prozessentwickler können Halbleiterschichten aus einer Lösung sowie mittels chemischen (CVD) oder physikalischen (PVD) Gasphasenabscheideverfahren auf den Substraten aufbringen. Die folgende elektrische Charakterisierung ermöglicht die Aufnahme von Kennlinien und eine Bewertung anhand von Leitfähigkeit, Ladungsträgerbeweglichkeit und anderen Leistungsparametern. Sobald ein gassensitives Material in Kontakt mit dem Analyten kommt, führt dies zur Änderung der elektrischen Eigenschaften.

Die Substrate des Fraunhofer IPMS bieten eine einfache Möglichkeit diese zu erfassen. Damit können die Sensormaterialien zum Beispiel hinsichtlich Sensitivität und Drift bewertet und anschließend, z. B. durch Anpassung der Abscheideparameter, optimiert werden. Durch die Herstellungstechnologie auf Waferlevel, stellen die Substrate auch eine interessante Grundlage für eine produktorientierte Entwicklung dar.

Mit dem eigens entwickelten Prober können die Teststrukturen einfach kontaktiert und gemessen werden. Interessenten können sich bei einem persönlichen Treffen, z. B. auf der kommenden Messe SENSOR+TEST in Nürnberg vom 11. Bis 13. Juni, am Fraunhofer IPMS Stand 1-317, direkt mit den Experten austauschen und bestehende sowie neue Lösungsansätze diskutieren.

Über das Fraunhofer IPMS

Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS steht für angewandte Forschung und Entwicklung in den Bereichen intelligente Industrielösungen, Medizintechnik und Mobilität. Forschungsschwerpunkte sind miniaturisierte Sensoren und Aktoren, integrierte Schaltungen, drahtlose und drahtgebundene Datenkommunikation sowie kundenspezifische MEMS-Systeme. In den beiden Reinräumen findet Forschung und Entwicklung auf 200 mm sowie 300 mm Wafern statt. Das Angebot reicht von der Beratung über die Prozessentwicklung bis hin zur Pilotserienfertigung.

Kontakt

Alexander Graf

Dr. Alexander Graf

Gas Sensors and Systems

Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS
Maria-Reiche-Str. 2
01109 Dresden

Telefon +49 351 8823-247

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Verwandte Beiträge

AI Generated Image
Energie & Elektrotechnik

Technische Hochschule Ulm: Förderung Für Langzeitspeicherung von Energie

Die Technische Hochschule Ulm (THU) hat erfolgreich eine Förderung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg für das Forschungsprojekt „LAGER – Langzeitspeicherung in energieflexiblen, sektorintegrierten Liegenschaften und Quartieren“ eingeworben. Ziel des Projekts ist die Entwicklung, Erprobung und Demonstration von Konzepten zur langfristigen Energiespeicherung in sektorübergreifend vernetzten Energiesystemen. Das Projekt startete am 15. Oktober 2025, hat eine Laufzeit von drei Jahren und ein Gesamtvolumen von rund 2,9 Millionen Euro, wovon 2,6 Millionen Euro durch das Ministerium für Umwelt, Klima und…

AI Generated Image
Energie & Elektrotechnik

Netzanschluss für Erneuerbare: So gelingt der Zugang

Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, Erneuerbare-Energien-Anlagen schnellstmöglich an das Stromnetz anzuschließen und die Stromeinspeisung zu ermöglichen. Doch der dafür nötige Netzausbau hinkt in Deutschland hinterher und es kommt nicht selten zu einem „Anschlussstau“. Die Stiftung Umweltenergierecht hat den Rechtsrahmen in einem neuen Bericht für die Praxis eingeordnet – inklusive der Rolle von flexiblen Netzanschlussvereinbarungen. Der Netzanschluss von Erneuerbare-Energien-Anlagen (EE-Anlagen) ist entscheidend für die Energiewende. Denn ohne Anschluss an das Netz kann kein Strom eingespeist werden. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind Netzbetreiber…

AI Generated Image
Energie & Elektrotechnik

Zwei Millionen Euro Fördermittel Für Energieforschung In Regensburg

Technisch anspruchsvolle Lösungen in der Energiewirtschaft und enge Zusammenarbeit mit Unternehmen in der Region: Das zeichnet die beiden neuen EU-geförderten Transfer-Projekte zu Wasserstoff und Energienetzen der OTH Regensburg aus. Zwei Forschungsprojekte im Bereich nachhaltiger Energietechnologien werden vom Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) gefördert – mit einer Gesamtsumme von mehr als zwei Millionen Euro. Damit zählt die Hochschule zu den großen Gewinnerinnen der aktuellen Förderrunde des Bayerischen Wissenschaftsministeriums. Im Mittelpunkt steht der direkte Wissenstransfer: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse sollen rasch in die Praxis…

AI Generated Image
Energie & Elektrotechnik

Forschende Der FH Dortmund Steigern Die Spannung In Innovation

Für die Energiewende ist Deutschland auf Hochleistungsbatteriespeicher angewiesen, um auch bei Windstille und Dunkelheit Strom bereitzustellen. Doch mit der immensen Zahl einzelner Batteriezellen, die in diesen Anlagen verkabelt werden, steigen die Energieverluste. Am Fachbereich Elektrotechnik der Fachhochschule Dortmund wollen Forschende im Projekt KV-BATT diese Verluste reduzieren und erhöhen dazu die Spannung um das Zehn- bis Zwanzigfache. Ein kleiner Exkurs zurück in die Schulzeit: Die elektrische Leistung beschreibt, wie viel Energie in einer bestimmten Zeitspanne benötigt wird. Sie steht als Watt-Angabe…

Rückmeldung