Die Gesundheit des Saatguts spielt eine grundlegende Rolle beim Schutz der Kulturpflanzen vor Krankheiten. Dem Ökologischen Landbau stehen im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft keine chemisch-synthetischen Saatgutbehandlungsmittel zur Verfügung.
Neben vorsorgenden Maßnahmen wie Sortenwahl und Gesundheitstests können Bio-Bauern nur auf alternative Saatgutbehandlungsverfahren zurückgreifen. Ihre Wirksamkeit gegenüber samenbürtigen Pilzkrankheiten ist jedoch vielfach nicht ausreichend untersucht.
Ein im Jahr 2004 gestartetes Forschungsprojekt soll hier mehr Klarheit schaffen und möglichst schnell praxisreife Lösungen für die Saatgutbehandlung im Ökolandbau erarbeiten. Am Anfang des Projekts standen Untersuchungen in Klimakammern und Gewächshäusern. Getestet wurden verschiedene im Handel erhältliche Pflanzenstärkungsmittel sowie Warm- und Heißwasserbehandlungen. Waren die Verfahren dort erfolgreich, folgten zweijährige Feldversuche an zwei Standorten.
Die bisher erzielten Ergebnisse stellte Dr. Franziska Waldow von der Biologischen Bundesanstalt bei der 55. Deutschen Pflanzenschutztagung in Göttingen vor. Sommergerste konnte durch Warm- und Heißwasserbehandlungen sowie einige Pflanzenstärkungsmittel sehr gut vor einem Befall mit Netzflecken- und Streifenkrankheit geschützt werden. Auch bei Haferflugbrand betrug der Wirkungsgrad 92 bis 95 Prozent.
Bei Winterweizen und Winterroggen verbesserten diese alternativen Verfahren den Feldaufgang bei Befall mit Schneeschimmel deutlich. Schwierig war die Bekämpfung von Gerstenflugbrand. Lediglich eine Warmwasserbehandlung zeigte Wirkung. Allerdings beeinträchtige sie häufiger den Feldaufgang. Anthraknose an Lupinen und Ascochyta pisi bei Erbsen ließen sich mit keinem der untersuchten Verfahren ausreichend bekämpfen.




