Das Angebot lockte ihn sehr: Markus Missler, bislang Professor für Neurogenetik in Göttingen, erhielt einen Ruf an das Institut für Anatomie des Universitätsklinikums Münster (UKM). Nachdem er sich in dem münsterschen Altbau, der Anfang der 50er Jahre konzipiert wurde, umgesehen hatte, war er zwar einerseits begeistert: “Ein großartiges Gebäude mit enormen Möglichkeiten!”
Eine Bedingung stellte der 40-Jährige jedoch: “Wenn ich den Ruf annehme, muss das Gebäude komplett saniert werden.” Seit Oktober hat Missler den Lehrstuhl für Anatomie und Molekulare Neurobiologie in Münster angetreten – Anfang des Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen.Der Grund für die Bedingung des Neurowissenschaftlers war schlicht: “Wenn wir mit unserem Institut wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir auch in einer Umgebung arbeiten, die das ermöglicht.” Früher, so Missler, seien in der anatomischen Forschung unter anderem stark vergleichende Ansätze üblich gewesen: Man untersuchte ein bestimmtes Organ quer durch die verschiedenen Tierarten oder Entwicklungsstadien. Längst haben die Forscher aber die Ebene verlassen, die man mit bloßem Auge oder auch nur mit herkömmlichen Mikroskopen erkennen kann. Ins Interesse der Forschung sind die molekularen Grundlagen gerückt – im Falle von Missler die unseres hochkomplexen Gehirns.
Dieses Organ enthält Milliarden Nervenzellen, von denen jede Zelle an durchschnittlich 10.000 Kontaktstellen mit anderen verknüpft ist. Der Informationsfluss über diese “Synapsen” genannten Kontaktstellen stellt die Grundlage allen Denkens, Lernens, aber auch allen normalen und krankhaften Verhaltens dar. Deshalb untersuchen Missler und seine Kollegen diese Kontaktstellen und ändern ihre molekulare Ausstattung in Versuchen mit gentechnischen Methoden. Dafür wiederum brauchen sie modernste Labore und Gerätschaften. Und es muss gewährleistet sein, dass bestimmte Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden – alles Anforderungen, die das alte Backsteingebäude nicht bietet und die nun erfüllt werden sollen.
Die Zeichen stehen also auf Zukunft am Vesaliusweg. Dies betrifft nicht nur die Forschungsmöglichkeiten, sondern auch die Bedingungen für die anatomische Lehre. “Die Lerninhalte in der Medizin und der Wunsch nach deren Verknüpfung haben in den vergangenen Jahren weiter zugenommen”, meint Missler, “dem müssen wir auch mit verbesserten Unterrichtsmethoden gerecht werden.” Rund acht Millionen Euro ist dem UKM und dem Land NRW die Weichenstellung wert. Das Ziel: “Die Anatomie soll sich im Konzert mit anderen Einrichtungen des UKM und der WWU als Forschungsinstitution entwickeln und die Attraktivität Münsters als Studienort weiter fördern”, sagt Missler.
Denn längst untersuchen nicht mehr nur einzelne Institute wie Anatomie oder Physiologie die zellulären Grundlagen unseres Nervensystem – der müntersche Schwerpunkt Neuromedizin schließt auch Neurologen, Psychiater, Neurochirurgen, Neuropathologen, Hals-, Nasen-, Ohrenärzte oder Augenärzte mit ein. Sie alle wollen ebenfalls die molekularen Ursachen von Krankheiten erforschen und neue Therapiemöglichkeiten ergründen.
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