- Jede dritte Patientin falsch behandelt
- Rat für Betroffene: Brustzentren aufsuchen und an Studien teilnehmen
Jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs (med. Mammakarzinom). Jährlich sterben in Deutschland 19.000 Menschen an der Krankheit, deutlich mehr als zum Beispiel in den USA oder Großbritannien. Grund für die höhere Sterblichkeitsrate sind neben mangelnder Früherkennung oft massive Defizite in der Therapie. Expertenschätzungen zufolge wird mindestens jede dritte Erkrankte in Deutschland noch nicht optimal oder sogar falsch behandelt. Während in anderen Ländern schon lange wissenschaftlich fundierte Behandlungsleitlinien existieren, gab es einen solchen Konsens in Deutschland bisher nicht. Deshalb hat die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. Leitlinien erarbeitet, die den Erfolg der Brustkrebs-Therapie und damit die Überlebenschancen der Patientinnen erhöhen. Eine Experten-Kommission stellte diesen neuen Konsens auf dem Fachkongress zum Mammakarzinom in Frankfurt-Gravenbruch nun der Öffentlichkeit vor.
“Es darf nicht sein, dass alle 27 Minuten eine Frau in Deutschland an Brustkrebs stirbt, obwohl viele gerettet werden könnten”, sagt die Schirmherrin des Brustkrebs-Kongresses Karin Jöns im Vorfeld der Konferenz. Die Bremer SPD-Politikerin ist seit zwei Jahren Präsidentin der deutschen Sektion von Europa Donna, der europäischen Koalition gegen Brustkrebs. “Wir wollen dazu beitragen, dass Frauen mehr über Brustkrebs erfahren”, so Jöns weiter. Denn nur, wer gut informiert sei, handle im Falle eines positiven Befundes überlegt, gerate nicht in Panik. “Brustkrebs, rechtzeitig erkannt und richtig behandelt, ist heilbar”, weiß Jöns. Sie spricht aus eigener Erfahrung.
“Grundvoraussetzung sind rechtzeitige Früherkennung und eine abgesicherte Therapie”, erklärt auch Dr. von Minckwitz, Privatdozent am Universitätsklinikum Frankfurt und Sprecher der AGO-Fachkommission. Aus diesem Grunde hat er in einem Team mit 31 Kollegen und Kolleginnen aus ganz Deutschland die neuen Therapie-Empfehlungen erarbeitet. Die Experten schätzen, dass dreißig bis vierzig Prozent der Erkrankten in Deutschland noch nicht optimal, d.h. nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, behandelt werden. Von Minckwitz rät deshalb an Brustkrebs erkrankten Frauen. “Suchen Sie in jedem Fall ein interdisziplinäres Brustzentrum auf.” Diese Einrichtungen weisen sich durch ihre medizinische Fachkompetenz aus. Denn nur wer nationale und internationale Leitlinien erfülle, könne ein entsprechendes Zertifikat erhalten und sich Brustzentrum nennen. Gerade chirurgische Eingriffe sollten ausschließlich durch in der Mamma-Chirurgie erfahrene Ärzte durchgeführt werden. Mittlerweile gibt es Brustzentren in jeder größeren Stadt.
Die Experten-Kommission ruft Patientinnen des weiteren dazu auf, sich an Therapie-Studien zu beteiligen. Denn der Krankheitsverlauf von betroffenen Frauen, die an wissenschaftlichen Programmen teilnehmen, ist wesentlich günstiger als der von Nicht-Teilnehmerinnen. Im Rahmen von Studien werden die Frauen häufig besser versorgt und betreut. Es gibt gründliche Qualitätskontrollen und Ethik-Kommissionen überwachen den Verlauf. Der Zugang zu diesen Studien soll daher für Brustkrebs-Patientinnen wesentlich erleichtert werden. In Brustzentren ist die Teilnahme an Studien als Merkmal hoher Therapie-Qualität schon heute selbstverständlich.



