Reserveantibiotika wie Polymyxin werden als letztes Mittel bei bakteriellen Infektionen eingesetzt, wenn herkömmliche Antibiotika versagen. Doch neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Bakterien über einen angeborenen Mechanismus verfügen, der sie vor Polymyxin schützt. Dies wird in einer aktuellen Studie unter der Leitung von Dr. Anna Lena Jung vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) an der Philipps-Universität Marburg deutlich. Die Forscher analysierten das Verhalten des Reserveantibiotikums Polymyxin gegen das Bakterium Klebsiella pneumoniae, einen Erreger, der schwere Lungenentzündungen verursachen kann. Besonders gefährlich ist Klebsiella…
Kieler Forschungsteam zeigt am Beispiel des Süßwasserpolypen Hydra, wie schon Lebewesen mit sehr einfachen Nervensystemen die komplexe Koordination des Sättigungsgefühls und damit zusammenhängende Verhaltensweisen regulieren. Im Laufe der Evolution haben Lebewesen Stück für Stück komplexere Nervensysteme hervorgebracht, um immer vielschichtigere sensorische, motorische und kognitive Funktionen zu koordinieren und die mit ihnen zusammenhängenden Verhalten zu steuern. In jüngerer Zeit haben verschiedene Forschungsarbeiten gezeigt, dass schon einfache Lebewesen mit diffusen Nervensystemen komplexe neuronale Verhalten zeigen können, zum Beispiel die Verarbeitung visueller Signale…
Ein neues Verfahren zur Massenproduktion von erythro- Isozitronensäure aus Abfällen könnte die Substanz zukünftig für die Industrie interessant machen. Der Pilz Talaromyces verruculosus kann die vom Markt bisher wenig beachtete Chemikalie erythro-Isozitronensäure direkt aus billigen Pflanzenabfällen produzieren und somit für eine industrielle Nutzung interessant machen. Unter Verwendung der natürlichen Fähigkeiten des gentechnisch nicht veränderten Pilzes hat ein Forschungsteam aus Jena damit eine Methode zur effizienten Umwandlung von Zellulose in eine Form der Isozitronensäure entdeckt. Die neue Herstellungsmethode könnte das bisher…
Eine Bochumer Studie beschreibt eine Säuger-spezifische Domäne des Prion-Proteins und bietet neue Ansätze zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen. Zuerst verursachen sie Gedächtnislücken und Schwierigkeiten beim Gehen, schließlich verhindern sie elementare motorische Fähigkeiten und zerstören grundlegende Gehirnfunktionen: Prion-Erkrankungen sind fortschreitende und unheilbare Krankheiten des Gehirns. Sie werden durch fehlerhaft gefaltete Prion-Proteine verursacht. Die Mechanismen hinter ihrer Entstehung sind noch weitgehend ungeklärt. Forschende der Ruhr-Universität Bochum haben nun eine neue Region bei Prion-Proteinen entdeckt und so einen neuen Ansatzpunkt für die Erforschung neurodegenerativer…
700.000 Euro für Präeklampsieforschung… Florian Herse vom Max Delbrück Center und Martin Gauster von der Medizinischen Universität Graz erforschen, welche Rolle Hofbauerzellen dabei spielen. Dafür erhalten sie einen D-A-CH-Grant in Höhe von 700.000 Euro. Zwei Prozent aller Schwangeren in Europa erkranken an einer Präeklampsie. Dabei entwickeln sich bei der werdenden Mutter nach der 20. Schwangerschaftswoche plötzlich Bluthochdruck und Organschäden. Durch den hohen Druck in den Blutgefäßen können diese beschädigt werden – sowohl die Blutgefäße der Mutter als auch die in…
Sellerie, eine Hauptursache für Gemüseallergien, birgt das Risiko schwerer allergischer Reaktionen, insbesondere bei Personen mit Beifußpollen-Sensibilisierung. Eine aktuelle klinische Studie weist auf eine wichtige Rolle von Defensin als kreuzreaktives Allergen in Beifußpollen (Art v 1) und Sellerie (Api g 7) und seine Verbindung mit schweren und potenziell lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen auf Sellerie hin. Die IgE-Testung auf Api g 7 könnte ein wichtiger Biomarker sein, um Personen mit erhöhtem Anaphylaxie-Risiko zu erkennen. Über die Ergebnisse berichtet das Journal of Allergy and…
Die Architektur der Blütenstände und die Produktivität der Pflanzen sind bei unseren wichtigsten Getreidearten oft eng miteinander verknüpft. Die genetischen Mechanismen, die die Entwicklung von Getreideblütenständen steuern, sind jedoch noch wenig bekannt. Ein internationales Forscherteam unter Leitung des IPK-Leibniz-Instituts hat nun einen Mechanismus aufgedeckt, durch den Entwicklungssignale, die von den Meristemgrenzen ausgehen, die Ährchenentwicklung regulieren und die Blütenstandsarchitektur bei Gerste sicherstellen. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht. Die Architektur der Blütenstände von Kulturpflanzen wie Gerste wird…
Metallfreies kovalentes organisches Gerüst für die Elektrokatalyse von Ethylen aus Kohlendioxid. Das Treibhausgas CO2 als chemischen Rohstoff zu verwenden, würde nicht nur Emissionen, sondern gleichzeitig den Verbrauch fossiler Rohstoffe verringern. Eine neuartige metallfreie organische Gerüstverbindung könnte Wege eröffnen, Ethylen, eine der bedeutendsten Basischemikalien, elektrokatalytisch aus CO2 herzustellen. Wie ein Team in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichtet, spielen Stickstoffatome mit spezieller Elektronenkonfiguration dabei eine entscheidende Rolle. Ethylen (Ethen, C2H4) ist ein essenzieller Ausgangspunkt für viele Produkte wie Polyethylen und andere Kunststoffe….
Alzheimer-Forschung: Wie kann man Alzheimer zukünftig besser behandeln? Neue Erkenntnisse liefert jetzt eine Studie des Forschungsteams von Prof. Dr. Christian Madry am Institut für Neurophysiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, veröffentlicht im “Journal of Neuroinflammation”. Im Mittelpunkt der Forschung stehen Mikrogliazellen, die „Gesundheitspolizei des Gehirns“. Diese spielen eine wichtige Rolle beim Schutz von Gehirnzellen. Erste Ergebnisse bestätigen, dass ein spezieller Kaliumkanal namens THIK-1 ein möglicher Schlüssel für neue Therapien sein könnte. Die Autoren beschreiben neue Erkenntnisse über die Funktion von…
Neue chemische Reaktion mit potenziellen Anwendungen in der medizinischen Chemie. Ein Team von Chemikern der Universität Wien unter der Leitung von Nuno Maulide hat einen bedeutenden Durchbruch auf dem Gebiet der chemischen Synthese erzielt und eine neuartige Methode zur Manipulation von Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindungen entwickelt. Diese wegweisende Entdeckung liefert neue Einblicke in die molekularen Wechselwirkungen von positiv geladenen Kohlenstoffatomen. Durch das gezielte Anvisieren einer spezifischen C–H-Bindung öffnen sie mit bemerkenswerter Präzision Türen zu synthetischen Wegen, die bisher verschlossen waren – mit möglichen…
Viren halten die häufigsten Meeresbakterien in Schach. Mikroorganismen steuern die für das Leben in den Ozeanen wichtigen Stoff- und Energiekreisläufe. Dazu gehört auch eine Gruppe von Bakterien namens SAR11, die etwa ein Drittel aller Bakterien im Oberflächenwasser der Meere stellen. Eine Studie von Forschenden des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen zeigt nun, dass zeitweise fast 20% der SAR11-Zellen von Viren befallen sind, was ihre Gesamtzahl deutlich verringert. Die Viren verwandeln die eigentlich gut gedeihenden Bakterien manchmal sogar in Zombies….
LMU-Forschende bauen mit DNA-Origami ein Diamantgitter mit Abständen von hunderten Nanometern – ein neuer Ansatz, um Halbleiter für sichtbares Licht herzustellen. Dass Schmetterlingsflügel in intensiven Farben schillern, verdanken sie keineswegs Farbpigmenten. Es sind photonische Kristalle, die für das Farbspiel verantwortlich sind. Ihre periodische Nanostruktur lässt das Licht bestimmter Wellenlängen passieren, während sie andere Wellenlängen reflektiert. Dadurch erscheinen die an sich transparenten Flügelschuppen so strahlend bunt. Für Forschungsteams ist die Herstellung eines künstlichen photonischen Kristalls für Wellenlängen des sichtbaren Lichts schon…
Bei der Alzheimer Erkrankung lagern sich Eiweiße im Gehirn ab und schädigen es. Prof. Dr. Susanne Aileen Funke von der Hochschule Coburg hat eine Methode gefunden, die solche gefährlichen Eiweißverbindungen verhindern soll. Es ist angewandte Grundlagenforschung – noch weit entfernt davon, ein Medikament zu werden. Aber die bisherigen Forschungsergebnisse sind vielversprechend und stoßen auf großes Interesse. Die Coburger Wissenschaftlerin hat sie der Fachwelt bei der diesjährigen Conference on Alzheimer’s and Parkinson’s Diseases (AD/PD) präsentiert und erklärt sie einer breiten Bevölkerung…
2,5 Millionen Euro für EIC Transition-Projekt Vasc-on-Demand. Mikroblutgefäße sind die Voraussetzung für die Herstellung von 3D-Gewebemodellen. Durch ihre realistische Nachbildung menschlicher Gewebe bieten sie eine präzisere Vorhersage der Reaktionen auf Medikamente und tragen dazu bei, Tierversuche zu reduzieren. Der European Innovation Council fördert nun ein Team um Dr. Matthias Ryma vom Uniklinikum Würzburg (UKW) mit 2,5 Millionen Euro zur kommerziellen Herstellung künstlicher Blutgefäße. Funktionsweise der Herstellung von vaskularisierten 3D-Gewebemodellen mit der Vasc-on-Demand Technologie © Matthias Ryma / UKW Vasc-on-Demand. Der…
HIPS-Forschende entdecken neue Bakterienfamilie mit hohem pharmazeutischem Potenzial. Die meisten in der Humanmedizin verwendeten Antibiotika haben ihren Ursprung in Naturstoffen, die von Bakterien und anderen Mikroben produziert werden. Bisher unbeschriebene Mikroorganismen sind daher eine vielversprechende Quelle neuer Wirkstoffe – auch zur Behandlung von Krankheiten wie Krebs oder viralen Infektionen. Ein Team des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) konnte nun eine völlig neuartige Bakterienfamilie isolieren, die ein besonders hohes Potenzial für die Produktion möglicher Wirkstoffe aufweist. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die…
Immer mehr Bakterien sind gegen viele bekannte Antibiotika resistent. Bochumer Forschende haben für einen möglichen Wirkstoff, dessen Vorgänger jedoch verworfen wurde, eine neue Chance entdeckt: Durch sehr genaue dreidimensionale Untersuchungen seiner Interaktion mit dem bakteriellen Zielprotein konnten sie einen bislang unbekannten Angriffspunkt ausmachen, der dazu einlädt, den Wirkstoff daran anzupassen. „Da dieser Angriffspunkt nur in Bakterienproteinen vorkommt, würde das den Wirkstoff sehr viel selektiver machen und seine Schädlichkeit für menschliche Zellen senken“, erklärt Prof. Dr. Raphael Stoll, Leiter der Arbeitsgruppe…