Mediziner der Uni Innsbruck stellen N-Chlortaurin künstlich her
Bei der Entwicklung neuer, wirksamer und gut verträglicher Antibiotika und Antiinfektiva ist es Waldemar Gottardi vom Institut für Hygiene und Sozialmedizin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck gelungen, künstlich die körpereigene Substanz N-Chlortaurin herzustellen. Die Substanz wirkt gegen bakterielle Infektionen und hat sich gegen Pilze und Viren als gut erträglich erwiesen.
N-Chlortaurin ist ein Abkömmling der Aminosäure Taurin und gehört zu den so genannten “Chloraminen”, welche von den weißen Blutkörperchen zum Abtöten von Krankheitserregern und auch zum Schutz bei Entzündungen gegen gefährliche Stoffe wie etwa freie Radikale gebildet werden. Nach jahrelangen Forschungen über die Wirkung dieser Stoffe zur körpereigenen Abwehr wurde es mit der Synthese von N-Chlortaurin möglich, seine Eigenschaften detailliert zu erforschen.
Es zeigte sich, dass dieses Bio-Molekül gegen verschiedene Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze und Viren eine ausgeprägte abtötende Wirkung besitzt. Sogar sehr aggressive Bakterien sollen bereits nach nur einer Minute in N-Chlortaurin-Lösung ihre krankmachende Wirkung verlieren, noch bevor sie abgetötet werden. In ersten Studien am Menschen konnten bakterielle Entzündungen bei infektiöser Bindehautentzündung mit N-Chlortaurin-Augentropfen innerhalb von drei Tagen geheilt werden. Die Ergebnisse klinischer Untersuchungen von der Universitätsklinik für Augenheilkunde bei Patienten, die an einer besonders schwierig zu behandelnden epidemischen viralen Form dieser Erkrankung leiden, liegen demnächst vor.
An der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde untersucht ein Team um Andreas Neher zwei weitere Anwendungsgebiete von N-Chlortaurin: Nasennebenhöhlenentzündungen und Entzündungen des äußeren Gehörganges. Nebenwirkungen der Substanz seien nicht zu erwarten, da keine konservierenden Zusatzstoffe eingesetzt werden. Weitere Studien zur klinischen Wirksamkeit bei Infektionen in der Augenheilkunde, HNO-Heilkunde und anderen klinischen Fachgebieten befinden sich in Durchführung bzw. in Planung.




