Gen-Kartoffeln sollen immunisieren
Deutsche Wissenschaftler haben gentechnisch veränderte Pflanzen gezüchtet, die einen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs produzieren. Die Forscher des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben und des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg verwenden bei ihren Versuchen Kartoffel- und Tabakpflanzen, da sich diese relativ leicht genetisch verändern lassen.
Die Hälfte aller Erkrankungen mit Gebärmutterhalskrebs geht auf eine Infektion mit dem Virus HPV 16 (Humaner Papillomavirus) zurück. Die Forscher haben daher ein Gen des Virus in die Pflanzen eingeschleust, das für die Bildung der Virushülle verantwortlich ist. In den Kartoffelknollen wird schließlich ein zusätzliches Protein produziert, das die Hülle des Virus nachbildet. Nach Verzehr der Kartoffeln sollen dem Körper diese Proteine als echte Viren erscheinen, gegen die er Anti-Körper bildet. Bei erfolgreicher Immunisierung könnten die Pflanzen als essbarer Impfstoff gegen den Krebs eingesetzt werden. Laut Projektleiterin Sophia Biemelt vom IPK ist allerdings noch nicht abzusehen, wann der Impfstoff beim Menschen angewendet werden kann. Die laufenden Tierversuche seien jedoch vielversprechend.
Da beim Kochen der Kartoffeln allerdings Proteine zerstört werden, wollen die Forscher demnächst die Versuche mit Tomaten fortsetzen, die roh gegessen werden können. Jährlich erkrankt weltweit etwa eine halbe Mio. Frauen an Gebärmutterhalskrebs. In Deutschland ist diese Krebsart mit rund 7.000 Erkrankungen pro Jahr der vierthäufigste Tumor bei Frauen.




