Eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin hat ein überraschend komplexes Nervensystem bei Seeigeln entdeckt. Die Tiere verfügen über eine Art „Ganzkörper-Gehirn“, dessen genetische Organisation der des Wirbeltiergehirns ähnelt. Zudem fanden die Forschenden lichtempfindliche Zellen im gesamten Körper der Seeigel – vergleichbar mit Strukturen der menschlichen Netzhaut. Die Studie, gefördert vom Human Frontiers Science Program, wurde in Zusammenarbeit mit der Stazione Zoologica Anton Dohrn (Neapel), dem Laboratoire de Biologie du Développement de Villefranche-sur-Mer und dem Institut de…
Peroxisomen sind lebenswichtige Zellorganellen, die eine zentrale Rolle im Lipidstoffwechsel und bei der Entgiftung von Zellen spielen. Damit sie ihre Aufgaben erfüllen können, müssen zahlreiche Enzyme präzise in ihr Inneres transportiert werden. Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum um Prof. Dr. Ralf Erdmann und Dr. Ismaila Francis Yusuf hat nun einen bislang unbekannten Qualitätskontrollmechanismus des peroxisomalen Proteintransports in der Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae entdeckt, der für die Funktionsfähigkeit der Organellen entscheidend ist. Die Studie wurde am 28. Oktober 2025 in der Fachzeitschrift…
Forschungsteam gewinnt aus Genen und Fossilien neue Erkenntnisse zur Evolution einer AlgeVon winzigen Moosen über filigrane Farne bis zu riesigen Bäumen – Landpflanzen zählen zu den komplexesten fotosynthetischen Organismen der Erde. Ihre Geschichte beginnt jedoch eher unscheinbar: bei Grünalgen, die vor Hunderten von Millionen Jahren lebten. Unter den Vorfahren sticht eine Gruppe heraus, die noch heute in der Natur vorkommt: die Süßwasseralge Coleochaetophyceae. Einige Arten dieser Gruppe bilden aus Zellfäden dichte Geflechte mit scheibenförmiger Gestalt. Was auffällig ist: Die nächsten…
Ein seltener Fossilfund zeigt, wie weit die Ursprünge der heute lebenden Stechmückenarten zurückreichen. In 99 Millionen Jahre altem Bernstein entdeckten LMU-Forschende die bisher älteste bekannte Stechmücken-Larve. Das kreidezeitliche Fossil stammt aus der Region Kachin in Myanmar und hat sich in ausgezeichnetem Zustand erhalten. Es konnte als neue Art einer neuen Gattung beschrieben werden und trägt nun den Namen Cretosabethes primaevus. Dieser erste fossile Nachweis einer Stechmückenlarve in Bernstein stellt gleichzeitig den ersten Fossilfund einer Mückenlarve aus dem Mesozoikum dar, denn…
Nachwuchsgruppe in der Quantitativen Biologie der HHUEine Nachwuchsgruppe an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) wird in den kommenden fünf Jahren erforschen, wie Bakterien auf biotechnologischem Weg ein ökologisch verträgliches Pestizid erzeugen können. Der Wirkstoff stammt dabei ursprünglich aus einer Pflanze, der Dalmatinischen Insektenblume. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Projekt im Rahmen der Nationalen Bioökonomiestrategie mit rund 2,7 Millionen Euro. Pestizide sind äußerst wichtig, um die globale Ernährung zu sichern. Ohne sie besteht die weltweite Gefahr erheblicher…
Biologe der Universität Jena entdeckt den evolutionären Ursprung des Anus Ohne die evolutionäre Herausbildung eines komplexen Verdauungssystems würde es keine großen Säugetiere inklusive Menschen geben. Denn nur dank der effizienten Verarbeitung von Nahrung kann unser Gehirn mit den erforderlichen Energiemengen versorgt werden, die es für all seine aufwendigen Denkprozesse benötigt. Für einen durchgehenden Verdauungstrakt ist allerdings – anders als bei ursprünglichen Lebensformen – nicht nur eine Mundöffnung, sondern auch ein Anus erforderlich, durch den Verdauungsreste den Körper wieder verlassen. Doch…
Auf den Punkt gebracht:• Neue Entwicklungsstörung entdeckt: Varianten des UNC13A-Gens sind Ursache für schwere neurologische Beeinträchtigungen.• Drei Formen der Entwicklungsstörung identifiziert: Je nach Variation haben Betroffene unterschiedliche Symptome mit unterschiedlichem Schweregrad, die auf verschiedenen molekularen Mechanismen beruhen.• Möglicher Ansatz für Therapien: In Zukunft könnten sogenannte Antisense-Oligonukleotid-Therapien, die ausschließlich die Produktion krankmachender UNC13A-Proteine unterdrücken, die Symptome bei zwei Formen der Krankheit abschwächen. Eine E-Mail schreiben, zum Bus rennen, das Lied im Kopfhörer mitsummen – damit wir denken, fühlen oder handeln können,…
In Sachen Erkenntnisfortschritt belegt die Photokatalyse in der Chemie gerade Spitzenplätze. Auf diesem Gebiet entwickelt Dr. Jola Pospech mit ihrem Team am Rostocker Leibniz-Institut für Katalyse neue Wege für klassische Reaktionspfade. Ein Beispiel ist die Hydrofunktionalisierung für wertvolle Produkte wie bioaktive Amine, die natürlicherweise in Neurotransmittern vorkommen und wichtig für die Wirkstoffforschung sind. In ihren Vorlesungen verwendet Dr. Pospech prägnante Bilder, um Studienanfängern die Photokatalyse zu erklären. Photokatalyse braucht Licht, und als Lichtquelle nutzt die Forschungsgruppe von Dr. Jola Pospech…
Internationales Forschungsteam mit Beteiligung von Forschenden der Universität Jena berichtet in „Science“ über einen Gentransfer bei verwandten Vogelarten Die Gefiederfarbe von Vögeln kann sich durch Genmutationen verändern. Das Auftreten solchen Mutationen ist jedoch vom Zufall abhängig und zeitlich kaum vorherzusagen. Über einen schnelleren Weg zum Gentransfer berichtet jetzt ein internationales Forschungsteam im Magazin „Science“. Die Gruppe beschreibt den Gentransfer über Artgrenzen hinweg, bei dem eine Art von Steinschmätzern die vorherrschende Färbung ihres Gefieders an eine andere Art von Steinschmätzern weitergab….
Peroxidasen bauen in Organismen Wasserstoffperoxid ab. Für Enzyme des „Peroxiredoxin 6-Typs“ war seit der Entdeckung im Jahr 1998 unklar, woher die Elektronen für diese Reaktion stammen. Die Arbeitsgruppe von Professor Marcel Deponte an der RPTU hat die Wissenslücke nun geschlossen. Die Forschenden zeigten an zwei Modellorganismen – Mensch und Malariaerreger –, dass Peroxiredoxin-6-Enzyme schnell mit Hydrogensulfid reagieren. Hydrogensulfid ist das Anion von Schwefelwasserstoff. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie ist im Fachmagazin „Advanced Science“ erschienen. Die Erkenntnisse stellen…
Die Entwicklung metallorganischer Gerüstverbindungen ist die Basis für das Forschungsprojekt TrafoMof. Prof. Dr. Martin Kammler und sein Team wollen damit Ausfälle bei Hochspannungsanlagen verhindern. Die Nachricht über die Chemie-Nobelpreisträger hat am Mittwoch an der OTH Regensburg für Aufsehen gesorgt. Die drei Wissenschaftler Susumu Kitagawa (Japan), Richard Robson (Australien) und Omar Yaghi (USA) wurden für die Entwicklung metallorganischer Gerüstverbindungen (Metal-organic Frameworks, MOFs) von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet. Mit eben dieser Technologie entwickeln Forschende der OTH Regensburg innovative Sensoren für…
Funktion und Rolle von Schlüsselfaktoren beim Abbau von Aktinfilamenten von Max-Planck-Forschenden neu definiert Wenn man sich eine Zelle im Körper vorstellt, erwartet man wahrscheinlich nicht, dass sie sich bewegt. Einige Zellen, wie beispielsweise Immunzellen, sind jedoch sehr mobil: Sie verändern ständig ihre Form, wandern zu einer Wunde, die geschlossen werden muss, oder jagen Bakterien im Blutkreislauf. Diese Mobilität wird durch das Zytoskelett gewährleistet – einem komplexen Netzwerk aus Filamenten, das fortwährend auf- und wieder abgebaut wird. Wie der Abbau von…
RWTH-Professor Uwe Conrath hat in Nature Plants umfassend die gemeinsamen Mechanismen zwischen der systemischen Immunität von Pflanzen und der antrainierten Immunität des Menschen beleuchtet. Pflanzen sind ständigen mikrobiellen Bedrohungen ausgesetzt und haben über die Jahrtausende hochwirksame Immunsysteme entwickelt, die sich durch induzierbare Abwehrmechanismen auszeichnen. Ihre sogenannte „systemisch erworbene Resistenz“ weist auffällige Ähnlichkeiten mit der antrainierten Immunität von Säugetieren auf, insbesondere bei der Abwehrvorbereitung. Diese stattet Organismen mit einer verbesserten Fähigkeit aus, auf nachfolgende Infektionen zu reagieren. Professor Uwe Conrath, Leiter…
Polypeptidantibiotika auf niedrigstem Wert seit 2011, leichter Anstieg beiFluorchinolonen und Cephalosporinen der 3. und 4. Generation Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika ist in Deutschland im Jahr 2024 leicht gestiegen. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurden insgesamt 562 Tonnen Antibiotika an Tierärzte und weitere Empfänger abgegeben. Das ist ein Plus von 34 Tonnen (6,4 %) gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2011, dem ersten Jahr der Erfassung, beträgt der Rückgang 67 Prozent. Von den 562 Tonnen…
Prof. Dr. Volker Haucke, Direktor am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und Professor für Molekulare Pharmakologie an der Freien Universität Berlin erhält erneut die prestigeträchtige Reinhart-Koselleck-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Für sein innovatives interdisziplinäres Forschungsprojekt stehen ihm fünf Jahre lang 1 Million Euro zur Verfügung. Das Projekt widmet sich der grundlegenden Frage, wie sich Präsynapsen – die sendenden Verbindungsstellen von Nervenzellen – aus kleinen Transportpaketen im Axon zusammensetzen. Unsere Fähigkeit, uns zu bewegen, zu denken, zu fühlen und uns zu…
Heutige Leiterplatten bestehen aus fossilen Rohstoffen und lassen sich kaum recyceln. Empa-Forschende haben eine biologisch abbaubare Variante entwickelt – ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltige Elektronik. Ihr Biomaterial basiert vollständig auf Holz und lässt sich zu funktionierenden Platinen für elektronische Geräte verarbeiten. Sie sind das «Herz» eines jeden elektronischen Geräts, vom Laptop bis hin zur elektrischen Zahnbürste: Leiterplatten, auch Platinen oder PCBs genannt, aus dem Englischen «printed circuit boards». Die steifen Platten sind mit Kupferbahnen und verlöteten Elektronikkomponenten übersät und…