Interdisziplinäre Forschung

Testosteron sinkt bei verheirateten Vätern

Anthropologe: Abfallende Hormonwerte sollen von Seitensprung abhalten

Männliche Singles haben einen höheren Testosteron-Spiegel als verheiratete Väter. Das behaupten Forscher um den Anthropologen Peter Gray von der Harvard University. Wie die Wissenschaftler in New Scientist berichten, sollte dieser Umstand Väter vor Seitensprüngen bewahren. Die Studie wurde in “Evolution and Human Behavior” (Vol. 23, p. 193) veröffentlicht.

Aus früheren Untersuchungen gilt es bereits als bekannt, dass bei männlichen Vögeln monogamer Spezies, der Testosteron-Spiegel sinkt, wenn Nachwuchs zur Welt kommt. Um festzustellen, ob dies auch bei Männern der Fall ist, maß Gray bei 58 männlichen Singles, Ehemännern oder verheirateten Vätern den Testosteronspiegel. Bei allen Probanden sanken die Werte des männlichen Sexualhormons im Lauf des Tages. Der Testosteronspiegel obliegt einem natürlichen Tageszyklus mit einem Höchstwert am Morgen. Bei Junggesellen sank der Spiegel aber weitaus weniger drastisch als bei verheirateten Vätern, so Gray.

Der Forscher schätzt, dass es zwischen dem Testosteron-Spiegel im Blut und der väterlichen Rolle eine kontinuierliche Feedback-Schleife gibt. Spekulativ soll ein sinkender Testosteronspiegel bei Vätern dazu führen, ihren Rollen als treue Ehemänner und fürsorgliche Väter besser gerecht zu werden. Gray will in der Folge eine Testosteron-Untersuchung bei geschiedenen Männern durchführen, die sich das Sorgerecht für das Kind mit der Mutter teilen. Die Ergebnisse sollen mit den Testosteronwerten bei Ehemännern verglichen werden. Ziel ist es festzustellen, ob das Eheleben oder das Vater-Dasein die Ursache des reduzierten Testosteronspiegel ist.


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