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Innovation in der Bildungsfalle

Der jährliche Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit sieht positive Anzeichen für Deutschlands Innovationskraft. Bedroht wird der Trend allerdings durch einen künftigen Fachkräftemangel und die starke Abhängigkeit vom Export.

Deutschlands Rohstoff Nummer eins waren immer die gut ausgebildeten Fachkräfte – doch dieser wichtige Wettbewerbsvorsprung ist in Gefahr. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit, der unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung gemeinsam mit dem ZEW (Mannheim) und dem NIW (Hannover) für das Bundesministerium für Bildung und Forschung erstellt wurde. Trotz gestiegener Studentenzahlen in manchen Ingenieur- und Naturwissenschaften lasse sich nicht einmal der Status Quo sichern, sagen die Experten voraus. “Spätestens mit dem nächsten Wirtschaftsaufschwung wird dieser Mangel offensichtlich”, warnt Studienkoordinator Prof. Hariolf Grupp vom Fraunhofer ISI.

Die Gründe für die Versäumnisse sieht Grupp im Bildungssystem. Während in anderen Ländern das Abitur längst der Regelschulabschluss sei, werde in Deutschland noch über die Notwendigkeit von Meister-Prüfungen und die Beibehaltung des dreigliedrigen Schulsystems diskutiert. Weil wirksame Reformen lange dauern, schlägt Grupp, der an der Universität Karlsruhe auch Wirtschaftsingenieure ausbildet, drei Sofortmaßnahmen vor:

  • Bessere Weiterbildung in den Betrieben. Hier belegt Deutschland laut Bericht im internationalen Vergleich einen der hinteren Plätze.
  • Kontrollierte Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland. Dieser Weg wurde lange durch die Zuwanderungsdiskussion versperrt.
  • Anreize für Frauen in hoch qualifizierten Berufen. Zwar studieren ebenso viele Frauen wie Männer, doch in der weiteren Berufslaufbahn bröckelt ihre Zahl deutlich ab, wie die Statistiken zu Promotionen, wissenschaftlichen Publikationen und Patenten belegen.

Viele Rahmenbedingungen müssten verbessert werden, fordert der Bericht, unter anderem Angebote zur Ganztageskinderbetreuung. Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung gibt es dagegen deutliche Anzeichen der Besserung. Nach Versäumnissen Anfang der Neunziger Jahre in Folge der Wiedervereinigung gibt Deutschland heute wieder etwas mehr als 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung aus. Andere Länder haben jedoch in den vergangenen Jahren ihre Aufwendungen deutlicher gesteigert, insbesondere die skandinavischen Länder sowie Südkorea und die USA.

Sorge macht den Experten die Abhängigkeit vom Export. Weil die Binnennachfrage lahmt, kommen Innovationsimpulse vorwiegend aus dem Ausland, was in einer globalisierten Welt eigentlich zu begrüßen ist. Bleiben diese aber aus, könnte dies den Innovationsstandort Deutschland insgesamt gefährden.

Weitere Informationen:
Prof. Hariolf Grupp
Telefon: (0721) 6809-156
E-Mail: h.grupp@isi.fraunhofer.de



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