Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden Fragebögen von fast 400 Heimen und Wohngruppen aus Bremen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen in Erziehungseinrichtungen in den vergangenen fünf Jahren habe extrem zugenommen, so die Einschätzung vieler Pädagogen und Sozialarbeiter.
Auffällig, aber wenig überraschend: Die Schwelle zur Gewaltbereitschaft bei Jungen ist wesentlich niedriger als bei Mädchen, wie die Forscher feststellten.
Von ihnen neigen nur sieben Prozent im Gegensatz zu 57 Prozent der Jungen zu körperlicher Gewalt. Mädchen reagierten eher depressiv oder richten Aggressionen gegen sich selbst, so ein weiteres Ergebnis der Studie.
Diese war Gegenstand und Diskussionsgrundlage der Fachtagung zum Thema “Aggressionen in der Stationären Erziehungshilfe” mit rund 70 Vertretern aus Kinder- und Jugendeinrichtungen, die im Juni an der FH Dortmund stattfand.
Bewusst wurde die Frage gestellt, ob die persönlichen Erfahrungen der Pädagogen mit den Problemen Aggression und Gewalt vielleicht nur subjektiv sind, denn “Beschwerden über Kinder, die immer hyperaktiver werden, sind mindestens 30 Jahre alt”, stellte Professor Günder klar.
Tatsache sei, so Günder, dass Konzepte für pädagogische Arbeit mit Jungen fehlten, geschlechtsspezifische Arbeit finde fast nur mit Mädchen statt. Die Jungen müssen stärker ins Blickfeld der sozialen Betreuung rücken, so Günder “damit sie wieder die Kurve kriegen”.

