Männer reagieren kognitiver, Frauen emotionaler
Eine Studie der University of California hat nachgewiesen, dass je nach Geschlecht verschiedene Gehirnregionen als Reaktion auf Schmerz stimuliert werden. Gehirnscans mittels Positronen-Emissions-Tomografie (PET) zeigten, dass mehrere Bereiche des männlichen und weiblichen Gehirns auf den gleichen Schmerzimpuls unterschiedlich reagierten. Das weibliche Gehirn zeigte größere Reaktionen in den limbischen Bereichen, die eher emotional basiert sind. Das männliche Gehirn wies eine höhere Aktivität in den kognitiven oder analytischen Bereichen auf.
Eine mögliche Erklärung für diesen Unterschied ist laut Bruce Naliboff in den frühen Tagen der Menschheit zu finden, als die Geschlechterrollen noch sehr deutliche Unterschiede aufwiesen. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede auf Schmerz dürften als Teil eines allgemeineren Unterschiedes in den Reaktionen auf Stress entstanden sein. Die kognitiven Bereiche der männlichen Gehirne wären demnach durch die Verteidigung der Familie stärker beansprucht worden. Die limbischen Bereiche der Frau dürften unter Bedrohung stärker reagiert haben, da sie für das Wohl der Kinder verantwortlich waren und daher emotionalere Reaktionen auf Schmerz und Stress zeigten. Laut Naliboff haben beide Formen der Reaktion ihre Vor- und Nachteile.
Bei den Tests stellte sich heraus, dass die Erwartung des Schmerzes bei den Teilnehmern bereits die gleichen Gehirnreaktionen auslöste wie der tatsächliche Schmerz. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Patienten mit Reizdarmsyndrom. In einem nächsten Schritt soll untersucht werden, welchen Einfluss diese Ergebnisse auf die Behandlung haben. Laut Emeran Mayer wirkt eines der am häufigsten verschriebene Medikamente, Lotronex, vor allem im limbischen Bereich und erzielt bei Frauen größere Behandlungserfolge. An der Studie nahmen 26 Frauen und 24 Männer teil.

