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In Dänemark, Finnland und den Niederlanden zeigt der Beschäftigungstrend für Ältere seit den 90er Jahren klar nach oben. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat die Ursachen unter die Lupe genommen. Das überraschende Ergebnis: Die Erfolge wurden weniger durch eine rigorose Einschränkung der Frühverrentung erreicht. Vielmehr hätten zahlreiche andere Faktoren wie die demographische Entwicklung oder eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen die Trendwende unterstützt. Entscheidend sei zudem der wirtschaftliche Aufschwung in diesen Ländern gewesen, so die Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Er ging der Trendwende bei der Beschäftigung von Älteren voraus oder begleitete sie zumindest.
Die Autoren der Studie sehen durchaus Chancen, dass sich auch in Deutschland die Beschäftigungssituation Älterer verbessern könne. Die Wirkungen der bereits beschlossenen Reformen, die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit und die demographische Entwicklung werden ihrer Einschätzung nach die Beschäftigungsquote Älterer in den nächsten Jahren erhöhen. Derzeit habe Deutschland eine untypisch "inverse" Altersstruktur: Die Bevölkerungsgruppe der 60- bis 64-Jährigen ist größer als die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen. Da die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen generell niedriger ist als die der 50- bis 59-Jährigen, wirkt sich dies in Deutschland negativ auf die Erwerbsbeteiligung der Älteren insgesamt aus. Diese demographische Besonderheit wird aber in den nächsten Jahren ihre Bedeutung für die Beschäftigungssituation Älterer verlieren - die geburtenstarken Jahrgänge bis 1943 sind dann in Rente.
Die bisher in Deutschland unternommenen Reformanstrengungen sind der Studie zufolge als durchaus beachtlich zu bewerten, beispielsweise die Verkürzung des Arbeitslosengeld-Anspruchs für Ältere auf maximal 18 Monate. Nachholbedarf bestehe allerdings bei der Förderung der Beschäftigungsfähigkeit Älterer. Die IAB-Studie verweist auf Finnland: Seit Mitte der 90er Jahre wurden dort zahlreiche staatliche und betriebliche Maßnahmen für Ältere im Bereich der Arbeitsorganisation, Gesundheitsvorsorge und Qualifizierung umgesetzt.
Von den Vergleichsländern könne Deutschland durchaus etwas lernen, so das IAB. Nachahmenswert seien die hohe Weiterbildungsbeteiligung im gesamten Erwerbsverlauf in allen drei Ländern, der integrierte Ansatz zur Reduzierung von Arbeitsbelastungen und zur Gesundheitsvorsorge in Finnland und die Lebenslaufregelung in den Niederlanden, die mehr Arbeitszeitflexibilität über den gesamten Lebenslauf hinweg schaffe. Die Lebenslaufregelung ermöglicht es den Arbeitnehmern, im Laufe ihres Erwerbslebens steuerlich begünstigt Geld anzusparen, das dann wahlweise zur Finanzierung des Vorruhestands, aber auch für Erwerbsunterbrechungen aus anderen Gründen wie Weiterbildung, Kindererziehung oder Pflege genutzt werden kann.
Die IAB-Studie weist aber auch darauf hin, dass bei genauerem Hinsehen mancher Erfolg bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Älterer an Glanz verliert. In Finnland beispielsweise sank zwar die Zahl älterer Arbeitsloser, dafür stieg jedoch die Zahl der Erwerbsunfähigen. Wenn man die Arbeitslosen und Erwerbsunfähigen zusammenrechnet, ist ihr Anteil im Verhältnis zur Gesamtheit der 55- bis 64-Jährigen in den drei Vergleichsländern höher als in Deutschland.
Der IAB-Kurzbericht "Internationaler Vergleich: Bei der Beschäftigung Älterer liegen andere Länder vorn" steht im Internet unter http://doku.iab.de/kurzber/2006/kb0506.pdf.
Wolfgang Braun | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.iab.de
doku.iab.de/kurzber/2006/kb0506.pdf
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