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Analyse des Beitrags transnationaler Netzwerke für das Risikomanagement

04.08.2005

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Der neue bayerische Forschungsverbund FORTRANS.net hat jetzt seine Arbeit aufgenommen und will den Beitrag transnationaler Netzwerke für das Risikomanagement analysieren, aber auch Handlungsempfehlungen für die praktische Gestaltung von Netzwerken entwickeln. Erster Sprecher ist der Bayreuther BWL-Professor Torsten M. Kühlmann.


Zum 1. August hat der neu gegründete bayerische geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsverbund "Transnationale Netzwerke - Geschäftserfolg von KMU durch interkulturelles Risikomanagement (FORTRANS.net)" seine Arbeit aufgenommen. Sprecher ist Prof. Dr. Torsten M. Kühlmann, Inhaber des Lehrstuhls Personalwesen und Führungslehre (BWL IV) der Universität Bayreuth. Das Bayerische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst finanziert den Forschungsverbund über drei Jahre mit einem Fördervolumen von rund einer Million €. Forschungsverbünde sind seit Jahren ein wichtiges Element der bayerischen Wissenschaftspolitik, um fach- und universitätsübergreifende Forschungen zu fördern. Einen Verbund der geistes- und sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung in dieser Größenordnung gibt es bisher nur in Bayern.

Vier bayerische Universitäten sind an diesem Forschungsverbund Wissenschaftler der Universitäten Bamberg, Bayreuth, Erlangen-Nürnberg und München beteiligt, die insgesamt sechs Einzelprojekte bearbeiten. Sie bilden selbst Netzwerke, die neben deutschen weitere europäische, amerikanische und asiatische Partner integrieren.

Grenzüberschreitende transnationale Zusammenarbeit ist immer auch mit wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Risiken verbunden. Terroristische Anschläge, Aufrufe zum Produktboykott, Wechselkursschwankungen, Schmiergeldforderungen oder Verhandlungsmarathons sind nur einige - besonders offensichtliche - Beispiele. Aufbau und Pflege transnationaler Personen- oder Unternehmensnetzwerke gelten als wichtige Instrumente, um derartige Internationalisierungsrisiken kontrollieren zu können. Solche transnationalen Netzwerke stellen für die Partner aber nicht nur ein Instrument des Risikomanagements dar, sondern müssen paradoxerweise gleichzeitig als Quelle neuer Risiken angesehen werden. Trotz der getroffenen Vereinbarungen, miteinander zu kooperieren, verfügen alle Partner über einen eigenen Handlungsspielraum, den sie auch zum eigenen Vorteil (aus-) nutzen können. So besteht das Risiko, dass ein Kooperationspartner die eigenen Interessen über die gemeinsamen und ausgehandelten der Kooperation stellt.

Der Forschungsverbund fortrans.net analysiert wissenschaftlich den Beitrag transnationaler Netzwerke für das Risikomanagement, entwickelt aber auch Handlungsempfehlungen für die praktische Gestaltung von Netzwerken. Die Wissenschaftler konzentrieren sich auf das Risikomanagement, um den Geschäftserfolg von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zu sichern und zu verstärken. Bei einem Auslandsengagement sind KMU Risiken weitaus ungeschützter ausgesetzt als große Unternehmen. Das betrifft besonders die bayerische Wirtschaft wegen ihres hohen Mittelstandsanteils und ihrer intensiven Auslandbeziehungen. Würden "risikoreiche" Länder oder Regionen aus den Internationalisierungsstrategien der Unternehmen ausgenommen, wäre eine Schwächung des bayerischen Mittelstands im internationalen Wettbewerb die Folge.

Der Forschungsansatz geht über die traditionelle Netzwerkforschung hinaus, weil er die Untersuchung von Internationalisierungsrisiken und die Analyse von Risiken der Einbindung in Netzwerke zu kombinieren sucht. Das erlaubt den Wissenschaftlern, ein neues Verständnis von Risikomanagement als interkulturelle Interaktion zu entwickeln.

Folgende Fragen stehen im Zentrum des Forschungsverbunds:

  • Wie und mit welchem Erfolg gehen Netzwerke mit den Risiken der Internationalisierung von KMU um?

  • Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen den persönlichen Beziehungen und den Unternehmensbeziehungen im Netzwerk?

  • Wie beeinflussen die Mechanismen, die sich im Netzwerk zur Kontrolle von Länderrisiken entwickeln, die Risiken, die aus der Zusammenarbeit in einem transnationalen Netzwerk entstehen? Wie verändern die Instrumente zur Bewältigung netzwerktypischer Risiken die Risiken der Internationalisierung?

  • Wo liegen die Grenzen transnationaler Netzwerke für das Risikomanagement im Internationalisierungsprozess von KMU?

Bei der Bearbeitung dieser Themen orientiert sich der Forschungsverbund an folgende Leitlinien:

  1. Methodenmix: Der methodische Ansatz des Forschungsverbundes ist die Feldforschung. Dafür kommen sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsinstrumente in Frage. Die Auswahl und Kombination der Instrumente erlaubt die ganzheitliche Untersuchung der Projekte.

  2. Interdisziplinarität: Der Forschungsverbund setzt sich aus Vertretern der Betriebswirtschaftslehre, Ethnologie, Geografie und Psychologie zusammen. Die Kooperation über Fachgrenzen hinweg ermöglicht es, die Projekte aus verschiedenen Perspektiven und umfassend zu betrachten.

  3. Biperspektivität: Alle Projekte orientieren sich an dem Grundsatz, dass sowohl die deutsche Perspektive als auch die Sichtweise der ausländischen Netzwerkpartner erhoben und analysiert werden und gleichberechtigt nebeneinander stehen.

  4. Vergleichbarkeit: Jedes Team ist gehalten, die untersuchten Netzwerke mit Hilfe von im Verbund gemeinsam festgelegten Merkmalen zu beschreiben. Der Vergleich der gewonnenen Daten ermöglicht Aussagen darüber, ob die gefundenen Ergebnisse über Länder und Netzwerke hinweg generalisierbar sind.

  5. Anwendungsorientierung: Die im Forschungsverbund bearbeiteten Studien verstehen sich in zweierlei Hinsicht als anwendungsorientiert: Die Forschungsfragen spiegeln Probleme der (Netzwerk-) Praxis wider und die Ergebnisse stehen anschließend in Form von Gestaltungsvorschlägen, Bewertungen, Erklärungen und Prognosen wieder der Praxis zur Verfügung.


Weitere Informationen bei
Prof. Dr. Torsten M. Kühlmann
Tel. 0921/ 55-29 50
Email: bwl4@uni-bayreuth.de

Jürgen Abel | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-bayreuth.de

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