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Gebärmutterhalskrebs muss nicht zwangsweise die Entfernung der Lymphknoten bedeuten, wie eine Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin belegt.
"Bei vielen Frauen genügt ein weit weniger komplizierter Eingriff", sagt Prof. Achim Schneider MPH von der Klinik für Gynäkologie und gynäkologische Onkologie der Charité. "Die Leitlinien für Operationen müssen entsprechend geändert werden - wie es bei Brustkrebs und Melanomen bereits der Fall ist."
Als Wächterlymphknoten bezeichnet man die dem Tumor nächstgelegenen Lymphknoten. Sie haben das höchste Risiko, ebenfalls von Krebszellen befallen zu sein. Sind sie frei von metastasierenden Zellen, kann man davon ausgehen, dass auch weiter entfernte Lymphknoten gesund sind.
Die Studie hat die Aussagekraft des Wächter-Verfahrens untersucht. Um die Wächterlymphknoten zu finden, wurde ein Farbstoff und radioaktiv markiertes Eiweiß in den Gebärmutterhals gespritzt, der mit der Lymphe bis zum nächst gelegenen Lymphknoten wandert. Diese Knoten wurden operativ entfernt und im Labor auf Metastasen untersucht. "Sind hier keine Krebszellen nachweisbar, ist auch von der Entfernung der restlichen Lymphknoten abzusehen", sagt Prof. Schneider, unter dessen Leitung mehr als die Hälfte der Operationen durchgeführt wurden. "Das gilt zumindest für Tumoren, die kleiner als zwei Zentimeter sind. Hier hatten wir eine Trefferrate von über 90 Prozent."
Bei der jetzt im Fachmagazin Journal of Clinical Oncology * erschienenen Studie handelt es sich um die weltweit größte Untersuchung zu diesem Thema - die Daten von mehr als 500 Operationen in 18 Kliniken im Zeitraum von 1998 bis 2006 wurden hierfür analysiert.
Ist der Gebärmutterhals von Krebs befallen, drohen Metastasen im umliegenden Lymphgewebe. Als Standardverfahren werden neben dem Primärherd sämtliche Lymphknoten im Beckenraum entfernt. Die Folgeschäden sind oft gravierend: Neben Empfindungsstörungen, Schmerzen und Schwellungen können auch Bewegungsstörungen der Beine auftreten. Das Wächter-Lymphknotenkonzept kann das vielen Frauen mit Gebärmutterhalskrebs ersparen.
* Altgasssen et al, Multicenter Validation Study of the Sentinel Lymph Node Concept in Cervical Cancer, Journal of Clinical Oncology, Vol 26, No 18 (June 20), 2008: 2943-2951.
Kontakt:
Prof. Achim Schneider MPH
Leiter der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe/Gynäkologie
Charité - Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 564 172
achim.schneider@charite.de
Kerstin Endele | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.charite.de
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