Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der eigene Klingelton wird immer gehört

04.06.2010
Wissenschaftler der Universität Leipzig haben jetzt heraus gefunden, dass auf den Klingelton des eigenen Handys sehr viel schneller als auf fremde Klingeltöne reagiert wird. Sie wiesen nach, dass deutlich mehr Neuronen sowohl im auditorischen Kortex als auch in den vorderen Abschnitten des Großhirns aktiviert werden. Das wurde jetzt im „Journal of Neuroscience" veröffentlicht.

Unter Leitung von Prof. Dr. Erich Schröger vom Institut für Psychologie I der Universität Leipzig und Prof. Thomas Gruber von der Universität Osnabrück untersuchte Anja Roye im Rahmen ihrer Doktorarbeit die Reaktion von 12 Probanden auf den Klingelton des eigenen Handys. Ausgangspunkt der Untersuchungen war die Beobachtung, dass persönlich sehr bedeutende Reize wie die Nennung des eigenen Namens scheinbar bevorzugt verarbeitet werden, auch wenn dies inmitten vieler Nebengeräusche oder während intensiver Gespräche erfolgt. Diese Beobachtungen sollten wissenschaftlich verifiziert werden.

Dazu wurde von den 12 Versuchspersonen ein Elektroencephalogramm abgeleitet, während sie über Kopfhörer ihre eigenen SMS-Signale hörten. "Diese sind relativ kurz und gleich nach Reizbeginn gut unterscheidbar", erklärte Anja Roye. Das sei für die Auswertung und Interpretation der elektroenzephalografischen Messungen wichtig.

Die so aufgezeichnete Hirnantwort wurde dann mit der Reaktion auf fremde Handytöne verglichen. Es zeigte sich, dass die Testpersonen auf das eigene Klingeln bereits nach 40 Millisekunden reagierten, bedeutend früher als auf das Klingeln fremder Handys. Diese Ergebnisse wurden auch nicht davon beeinträchtigt, wenn der Klingelton z. B. während eines Filmes gesendet und ignoriert wurde.

... mehr zu:
»Handy »Klingeln »Klingelton »Neuron
"Unserer Ansicht nach zeigen die Ergebnisse wie sehr das menschliche Gehirn in der Lage ist, Verknüpfungen und die Kommunikation zwischen Neuronen erfahrungsabhängig zu verändern.", sagt Frau Roye. Die Wissenschaftler nehmen nun an, dass wahrgenommene Reize sehr schnell mit einer Art Schablone abgeglichen werden können, eventuell bevorzugt in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangen und eine schnelle Reaktion veranlassen können. "In zukünftigen Studien soll diesem Zusammenhang weiter nachgegangen werden", sagt Prof.

Schröger.

Die Arbeit ist erschienen in: Roye, A., Schröger, E., Jacobsen, T., & Gruber, T. (2010). Is My Mobile Ringing?

Evidence for Rapid Processing of a Personally Significant Sound in Humans. Journal of Neuroscience, 30(21), 7310-7313.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Erich Schröger
Telefon: +49 341 97-35960
E-Mail: schroger@uni-leipzig.de

Anja Roye
Telefon: (0) 341-973 59 78
E-Mail: anja.roye@uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/presse
http://www.uni-leipzig.de/~biocog/index.html
http://www.uni-leipzig.de/~biocog/content/roye-en/

Weitere Berichte zu: Handy Klingeln Klingelton Neuron

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie