Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wochenarbeitszeiten von Frauen und Männern in vier europäischen Ländern

06.10.2003


Wer die Uni abgeschlossen hat und Karriere machen will, muss deutlich länger arbeiten als Beschäftigte mit niedriger und mittlerer Qualifikation - aber nicht überall! In Großbritannien sind die höher Qualifizierten mit 40,6 Wochenstunden ca. 5 Stunden länger im Beruf eingespannt als Beschäftigte in einfachen Jobs, in Deutschland sind es 3,6 und in Schweden immerhin noch 2 Stunden mehr. Nur in Italien arbeiten Beschäftigte mit hoher Qualifikation 4,5 Stunden kürzer als die mit geringer und mittlerer Qualifikation. Das zeigen Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) zu den Wochenarbeitszeiten von Frauen und Männern in vier europäischen Ländern.



Einen wesentlichen Grund dafür, dass in Großbritannien, Deutschland und Schweden die Arbeitszeit mit der Qualifikation steigt, sieht der IAT-Arbeitszeitforscher Dr. Sebastian Schief darin, dass Unternehmen "ihre Investitionen in die Qualifikation der Beschäftigten durch möglichst lange `Gehirnlaufzeiten` schneller zu amortisieren trachten". Eine Ursache für die kürzeren Arbeitszeiten von Beschäftigten mit niedriger Qualifikation ist der hohe Teilzeitanteil bei un- und angelernten Beschäftigten. Dieses Standardmuster ist in den vier Ländern jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Kulturelle und institutionelle Bedingungen wie die gesetzlichen Regelungen zur Arbeitszeit, aber auch ausreichend Kinderbetreuungsangebote - die die Höhe der Frauenerwerbstätigkeit beeinflussen - prägen die Arbeitszeitmuster der verschiedenen Länder. So werden in Deutschland und Großbritannien leitende Angestellte und Manager von der Arbeitszeitregulierung ausgenommen, während in Schweden und Italien solche Ausnahmen nicht verankert sind. Nur in Großbritannien gibt es keine gesetzliche Regelung der Überstunden, was für die Länge der Arbeitszeit von Bedeutung sein kann.



Insgesamt sind in Großbritannien die längsten Arbeitszeiten aller untersuchten Länder zu beobachten. (Hoch Qualifizierte in Deutschland im Durchschnitt 38,2 Wochenstunden; Schweden: 37,5; Italien: 33,3). In allen vier Ländern arbeiten hoch qualifizierte Männer länger als weibliche hoch Qualifizierte. Dieser Unterschied ist in Italien mit fast 9 Stunden am größten, in Schweden (1,5 Stunden) am kleinsten. Zwischen diesen beiden Polen liegen Deutschland mit 5,4 Stunden und Großbritannien mit 4,6 Stunden Unterschied zwischen hoch qualifizierten Männern und Frauen.

Die Ergebnisse Italiens unterscheiden sich von allen anderen Ländern: Tradierte Privilegien, eine niedrige Frauenerwerbsquote und ein niedriger Anteil an höher Qualifizierten wirken sich hier aus. Für Beamte gilt in Italien eine vertragliche Wochenarbeitszeit von 36 Stunden, zum anderen liegt die Wochenarbeitszeit einer großen Zahl von LehrerInnen zwischen 15 und 20 Stunden pro Woche. Diese beiden Gruppen machen einen Großteil der niedrigen Wochenarbeitszeiten von höher Qualifizierten aus.

Während in Italien "Arbeitszeitinseln" für bestimmte Arbeitnehmergruppen entstanden sind und Großbritannien sowie Deutschland große Unterschiede in den Arbeitszeiten in Abhängigkeit von Qualifikation und Geschlecht aufweisen, zeichnet sich Schweden durch ein hohes Maß an Egalität aus. "Hier zeigt sich, dass lange "Gehirnlaufzeiten" kein Naturgesetz, sondern eine Frage der kulturellen und institutionellen Bedingungen sind", so Dr. Sebastian Schief.

Ihre Fragen beantwortet: Dr. Sebastian Schief, Durchwahl: 0209-1707-152

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de

Weitere Berichte zu: Qualifiziert Wochenarbeitszeit Wochenstunden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie