Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Car 2040: Knautschzonenfreie Textilhülle statt Blech

27.02.2015

Zukunftslotse Thomas Strobel denkt das Auto von übermorgen „quer“

Straßenkreuzer, Nuckelpinne, heilig‘s Blechle… Wer das Auto in zwei, drei Jahrzehnten angesichts der möglichen Entwicklungen treffend benennen will, sollte fantasievoll in der Wortwahl sein, meint Zukunftslotse Thomas Strobel.


In der Forschung schon verwirklicht: Der in eine Motorhaube integrierte Fußgängeraufprallschutz aus 3D-Textilien – ein Projekt Aachener und Dresdner Textilforscher (Quelle: S. George)


Zukunftslotse Thomas Strobel: Das Auto von morgen wird textiler (Quelle: M. Richter)

Aus seinen branchenübergreifenden Projekten mit sogenannten Zeitreisen im Auftrag der Textil- und Papierindustrie, hat Strobel jetzt auch für den Automobilbau der Zukunft einige Botschaften abgeleitet. Sie betreffen material- und nutzertechnische Veränderungen, die den Pkw von übermorgen innerlich wie äußerlich ziemlich anders aussehen lassen könnten.

Textile Außen-Airbags
Weil das Automobil mittelfristig auf dem Weg zum autonom gesteuerten Fahrzeug ist, müssten laut Strobel nicht nur Fahrschulen, Einsatzleiter von Polizei-Radarmesswagen und Punkte-Hüter in Flensburg umdenken. „Ohne menschliche Fehler, die laut Statistik heute für 90 Prozent aller Unfälle verantwortlich sind, kann und muss das Thema Fahrzeugsicherheit komplett anderes gedacht werden“, regt der Münchner Nachhaltigkeitsexperte und Geschäftsführer der FENWIS GmbH an. Materialintensive Knautschzonen heutiger Bauart seien dann beispielsweise überflüssig. Damit stelle sich für den Maschinenbauingenieur die Frage: „Wann beginnen wir in der Konstruktion mit dem ‚Rückbau‘ und forcieren dafür angemessenen recyclebaren Leichtbau?“ Kommen leichtere Autos, muss auch die Aufprallsicherheit anders garantiert werden. Dafür bringt der 51-Jährige textile Außenairbags (siehe Foto) ins Gespräch, die im Ernstfall auch den Schutz grundsätzlich „schwächerer“ Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und Nutzer von Kleinstfahrzeugen erheblich verbessern sollen.

Weil Sicherheit auch im Jahr 2040 weiterhin an erster Stelle stehen werde, könnte der Gesetzgeber künftig vorschreiben, dass in jedem Auto eine Außenkamera im Kühler integriert werde. Der Zukunftslotse sieht darin drei Vorteile: Neben einer lückenlosen und dann gerichtsfesten Dokumentation der Fahrt könne sich der ohnehin autonom chauffierte „Automitfahrer“ die Straße vor ihm via Bildschirm anzeigen lassen. Die Folge: Automobilhersteller könnten auf die steinschlaganfällige Windschutzscheibe fast und auf die altmodischen Scheibenwischer mit rubbelnder und schmierender Gummilippe ganz verzichten.

Papierbasiertes Armaturenbrett
Beim autonomen Fahren verliert auch das Armaturenbrett an Bedeutung. Es müsse dann nicht mehr als cockpitartiges Kunststoff-Formteil gestaltet werden, sondern könnte aus einigen Lagen Hightech-Papier/-Pappe mit integrierten Leiterbahnen und elektronischen Bauteilen bestehen. „Auf die Oberfläche kommt dann noch ein großflächiges gedrucktes Display für alles, was angezeigt werden muss – und fertig ist die Armatureneinheit auf Papierbasis.“

Der sich heute bereits abzeichnende Trend „Benutzen statt Besitzen“ in der Mobilität hat aus Sicht des Zukunftsforschers u. a. zur Folge, dass das Fahrzeug nicht mehr bei der Bestellung nach individuellen Wünschen eines privaten Käufers konfiguriert werde. Stattdessen müsse es künftig möglich sein, baugleiche Modelle von Car-Sharing-Fahrzeugen bei Bedarf temporär an die Wünsche des Nutzers anzupassen: per Smartphone mit einer Konfigurations-App. Die liest aus dem Nutzerprofil beispielsweise die präferierte Lieblingsfarbe samt Lichtstimmung im Innenraum – für aktive textile Innenverkleidungen und Dachhimmel mit Lichtsteuerung und Farbwechsel – ebenso heraus wie die bevorzugte Sitzposition.

Konstruktionsteile im 3D-Druck
Weil es aktuell bereits erste Versuche dazu gibt, hält Strobel für bestimmte Pkw-Baureihen im Jahr 2040 die Konstruktion der tragenden Teile eine Gitterstruktur aus dem 3D-Drucker für möglich. Die Außenhaut der Karosserie bestehe dann statt aus Blech oder Kunststoff aus Textilmaterial. Das ermögliche auch Formfaktoren mit Ziehharmonika-artig anpassbaren Fahrzeuggrößen durch längenverstellbare Rahmenteile und flexible Textiloberflächen. Mit eingearbeiteten Displays in der Stoffhülle ließe sich dann auch die Außenfarbe vom jeweiligen Nutzer einstellen, eventuell sogar mit Rallye-Streifen und individueller Werbeschrift. Werde der vollständig wieder abbaubare Stoff eines Tages unansehnlich, könne er einfach ausgetauscht werden, damit das robuste Basisfahrzeug eine möglichst hohe ressourcenschonende Lebenserwartung erreicht. Kontakt: www.fenwis.de

Thomas Strobel | InnoMedia Berlin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie