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Dank Tomographie-Weltrekord kann man mit Synchrotronstrahlung zuschauen, wie Metall aufgeschäumt wird

21.08.2019

Mit einem am HZB entwickelten Rotationstisch hat ein internationales Forscher-Team an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz, SLS, einen neuen Rekord erreicht: Mit 208 dreidimensionalen Röntgenaufnahmen (Tomographien) pro Sekunde konnten sie die dynamischen Prozesse beim Aufschäumen von flüssigem Aluminium dokumentieren. Im Fachjournal Nature Communications wird die Methode vorgestellt.

Der am HZB konstruierte Präzisions-Messtisch rotiert extrem präzise und mehrere hundert Male pro Sekunde um seine Achse. Das HZB-Team um Dr. Francisco García-Moreno kombinierte den Messtisch mit einer präzisen Optik und erreichte damit in 2018 an der BESSY II-Beamline EDDI einen ersten Weltrekord mit gut 25 Tomographien pro Sekunde.


Der am HZB konstruierte Präzisions-Messtisch rotiert extrem präzise und mehrere hundert Male pro Sekunde um seine Achse.

HZB

Nun hat das Team gemeinsam mit der Gruppe um Prof. Marco Stampanoni aus dem Paul-Scherrer-Institut, PSI, an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz, SLS, einen neuen Weltrekord erzielt. Dafür bauten sie den Rotationstisch mitsamt der weiter verbesserten Optik und einer ultraschnellen Bildaufnahme und Datatransferrate am Instrument TOMCAT der SLS auf.

„Mehr als 200 Tomographien pro Sekunde sind nun möglich und das über Messzeiten von mehreren Minuten“, sagt Garcia-Moreno. Für diese neue bildgebende Methode wurde der Begriff Tomoskopie geprägt.

-Tomoskopie: neues bildgebendes Verfahren-

Dr. Christian Schlepütz vom PSI betont: „Bei jeder Tomoskopie kommen riesige Datenpakete zusammen, die mit einer extrem hohen Datenrate von acht Gigabyte pro Sekunde gespeichert werden müssen“.

Jede einzelne Tomographie muss aus den Messdaten errechnet werden. Im Anschluss werden die Bilder automatisch weiter verarbeitet, was quantitative Analysen ermöglicht. Um die mehrere Terabyte großen Datenmengen pro Experiment zu verarbeiten, hat Dr. Paul Kamm aus dem HZB einen eigenen Workflow programmiert.

Die Kooperationspartner nutzten die neue bildgebende Methode, um dynamische Prozesse beim Aufschäumen von flüssigem Aluminium im Detail und mit hoher Zeitauflösung zu beobachten. Denn auf diese Weise lassen sich Prozesse bei der Schaumbildung in metallischen Schmelzen untersuchen und verstehen. Dies ist wichtig, um im später ausgehärteten Schaum eine optimale Materialverteilung und gleichmäßige Porenbildung zu erreichen, so dass er in Leichtbauanwendungen einsetzbar ist.

-Metallschäume für den Leichtbau-

Metallische Schäume sind eine wichtige Materialklasse für den Leichtbau, und sie sind ein dankbares Untersuchungsobjekt für die nun entwickelte Tomoskopie, da flüssiges Metall weitgehend unempfindlich gegenüber Strahlenschäden ist und die erreichten Aufnahmegeschwindigkeiten sehr gut zu den Phänomenen beim Aufschäumen passen.

Die ultraschnelle Computertomoskopie könnte auch interessante Einblicke in viele weitere Prozesse ermöglichen: zum Beispiel ließe sich damit untersuchen, wie sich Materialien beim Laserschweißen verändern oder was passiert, wenn sich Batterien etwa durch Kurzschluss überhitzen (thermal runaway).

Die Forscher an HZB und PSI arbeiten nun daran, die Geschwindigkeit weiter zu erhöhen, um die Zeitauflösung der Messungen weiter zu steigern.

Nature communications (2019): Using X-ray tomoscopy to explore the dynamics of foaming metal; Francisco García-Moreno, Paul Hans Kamm, Tillmann Robert Neu, Felix Bülk, Rajmund Mokso, Christian Matthias Schlepütz, Marco Stampanoni, John Banhart

HZB, TU Berlin, MAX IV, SLS, ETH Zürich

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

HZB:
Dr. Francisco Garcia-Moreno
E-Mail: garcia-moreno@helmholtz-berlin.de

PSI:
Prof. Marco Stampanoni
E-Mail: marco.stampanoni@psi.ch

Originalpublikation:

Nature Communications
DOI: 10.1038/s41467-019-11521-1

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-berlin.de/pubbin/news_seite?nid=20722;sprache=de;seitenid=1
https://www.nature.com/articles/s41467-019-11521-1
http://www.helmholtz-berlin.de/pubbin/news_seite?nid=14865;sprache=de;seitenid=7...

Dr. Ina Helms | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

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