Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studienergebnisse zur Tiefenhyperthermie-Behandlung

15.02.2018

Kombination aus Überwärmung von Tumoren und Chemotherapie verbessert Behandlungserfolg bei Patienten mit Weichteilsarkomen. Neuartiges MRT-Tiefenhyperthermie-Hybridsystem am Klinikum der Universität München ermöglicht eine nicht-invasive Temperaturmessung bei der Therapie

Die regionale Überwärmung von Tumoren im Temperaturbereich von 40°- 43° Celsius in Kombination mit einer prä- und postoperativen Chemotherapie verbessert im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie das Langzeitüberleben von Patienten mit bösartigen Weichgewebstumoren (Weichteilsarkome).


Das weltweit erste voll digitale Magnetresonanztomographiegerät (MRT) in Kombination mit einem neu entwickelten Tiefenhyperthermie-System. Prof. Dr. Lars Lindner (re.), Dr. Bassim Aklan

LMU-Klinikum München/D. Lauffer

Die am heutigen Tag veröffentlichten Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift Jama Oncology zeigen weltweit erstmals innerhalb einer randomisierten Studie einen eindeutigen Behandlungsvorteil durch Hinzunahme der regionalen Hyperthermie zur Chemotherapie. Die neuartige Therapiekombination führte zu einer Verkleinerung der Tumoren und Verbesserung der operativen Ergebnisse. Der signifikante Überlebensvorteil der Patienten wurde durch die längerfristige Tumorkontrolle am Ort der Überwärmung bestätigt.

Die Ergebnisse wurden an 329 auswertbaren Patienten mit lokal-fortgeschrittenen, bösartigen Weichteilsarkomen in Ergänzung zur bestmöglichen Operation und Bestrahlung erreicht. Unter der Leitung von Prof. Rolf Issels wurde die Studie an der Ludwig-Maximilians-Universität 1997 initiiert und mit Beteiligung mehrerer universitärer Hyperthermie-Zentren im Rahmen der EORTC (European Organization for Research and Treatment of Cancer) sowie der ESHO (European Society of Hyperthermic Oncology) durchgeführt.

Die Ergebnisse eröffnen den Patienten mit Hochrisiko-Weichteilsarkomen nach Einschätzung von Prof. Lars Lindner, Koordinator des Zentrums für Knochen und Weichteiltumoren (SarKUM) und Leiter der Hyperthermie am Klinikum der Universität München, einen neuen Behandlungsweg. In wieweit dieser Therapieansatz auch die Behandlungsergebnisse bei anderen bösartigen Erkrankungen verbessern kann, ist offen.

In Kooperation mit verschiedenen Fachbereichen wird derzeit multizentrisch in Deutschland und Polen die vergleichende Therapie-Studie HEAT bei Bauchspeicheldrüsenkrebs durchgeführt. Unmittelbar nach operativer Entfernung des Tumors wird eine Chemotherapie mit Zusatz der regionalen Hyperthermie im Vergleich zum derzeitigen Standard überprüft, um die bisher eingeschränkten Möglichkeiten einer Heilung zu verbessern.

Nach erfolgreicher Antragsstellung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und nach über zweijähriger Entwicklungs- und Bauphase geht in diesem Frühjahr das weltweit erste voll digitale Magnetresonanztomographiegerät (MRT) in Kombination mit einem neu entwickelten Tiefenhyperthermie-System am Klinikum der Universität München in Betrieb. Bisher erfolgt die Temperaturmessung während der Behandlung über Temperatursensoren, die entweder in den Tumor oder in natürliche Körperhöhlen in der Nähe des Tumors eingeführt werden.

„Über die simultane Messung von temperaturempfindlichen MRT-Signalen erhoffen wir uns zukünftig eine möglichst genaue und nicht-invasive Erfassung der Temperatur im gesamten Tumorvolumen während der Behandlung“, erklärt Dr. Bassim Aklan, der als Medizinphysiker das Gerät betreuen wird. Da gezeigt wurde, dass die Behandlungsergebnisse mit der im Tumor erzielten Temperatur korrelieren, wäre durch das neuartige Hybridsystem mit exakter Temperaturkontrolle eine weitere Verbesserung der Behandlungsergebnisse möglich. Durch eine möglichst große Öffnung des MRT-Tunnels, einen aufklappbaren Hyperthermieapplikator sowie eine Videopräsentation am Kopfende des Patienten erhoffen sich die Kliniker zudem einen verbesserten Patientenkomfort.

Die fokussierte Erwärmung von Tumoren ermöglicht zudem den gezielten Transport von Wirkstoffen über wärmeempfindliche Nanopartikel. Diese zirkulieren nach deren Verabreichung solange in der Blutbahn, bis sie das erwärmte Tumorgewebe erreichen und dort schlagartig ihren Wirkstoff freisetzen.

„Mit Hilfe dieser Technologie ist es möglich, eine bis zu 15-fach höhere Wirkstoffkonzentration im Tumorgewebe zu erreichen, ohne dabei Nebenwirkungen auf den Körper zu erhöhen. So konnten in Zusammenarbeit mit der Tierklinik der LMU bereits Katzen, die an einem Weichteilsarkom erkrankt waren, erfolgreich behandelt werden“, erklärt Prof. Lindner. Mit Hilfe eines BMBF Förderprojekts soll diese Entwicklung nun in die klinische Erprobung gehen und helfen, die Ergebnisse für Patienten mit Weichteilsarkomen weiter zu verbessern.

Das aktuelle Interesse der Onkologie gilt neben einer Verbesserung der Standardtherapien der Immunonkologie. Durch eine neuartige medikamentöse Aufhebung blockierender Faktoren des Immunsystems konnte bei einigen Krebsarten das Überleben von den betroffenen Patienten verbessert werden. Die in Jama Oncology publizierten Ergebnisse bei Weichteilsarkomen legen nach Meinung der Autoren die Vermutung nahe, dass die regionale Hyperthermie mit Verbesserung des Überlebens auch immunologische Effekte bewirken kann.

Offensichtlich führt die regionale Überwärmung am Ort des Tumors zu einer Art akuten Entzündung, die für das Immunsystem des Patienten ein Alarmsignal bedeutet und positive Reaktionen auslöst. Der neue Direktor der Medizinischen Klinik III und Experte im Bereich der Immunonkologie, Prof. von Bergwelt, sieht hier einen Schwerpunkt für künftige klinische Forschungen und Studien an seiner Klinik.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Lars Lindner
Medizinische Klinik III, Leitung Hyperthermie
Tel: (0)89 / 4400 – 74768
E-Mail: Lars.Lindner@med.uni-muenchen.de

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Michael von Bergwelt
Direktor Medizinische Klinik III
Klinikum der Universität München (LMU)
Tel: +49 (0)89 / 4400 – 72551
E-Mail: sekrmed3@med.uni-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://www.klinikum.uni-muenchen.de/de/das_klinikum/zentrale-bereiche/weitere-in...
https://jamanetwork.com/journals/jamaoncology/fullarticle/2672386

Philipp Kressirer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Grünen Star effektiv therapieren: Wächter über den Augeninnendruck
02.07.2018 | Fraunhofer Institute for Microelectronic Circuits and Systems IMS

nachricht Künstliche Bauchspeicheldrüse bewährt sich im Spital
26.06.2018 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg

16.07.2018 | Architektur Bauwesen

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics