Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Analyse-Tool für Datenbankmanagementsysteme: Mowgli weist den Weg im Datenbanken-Dschungel

23.09.2019

Automatisiertes Fahren, das Internet der Dinge und Industrie 4.0: Im Zuge der Digitalisierung werden enorme Datenmengen generiert. Um dieser Flut Herr zu werden, sind neue Systeme gefragt, die große "Datenströme" speichern und verarbeiten können. Besonders geeignet erscheint eine Kombination aus Datenbankmanagementsystemen und Cloud-Ressourcen - wobei nicht jedes System zu jedem Anwendungsfall passt. Die individuell passende Lösung findet ab sofort Mowgli - ein Analysetool, das Informatiker der Universität Ulm gemeinsam mit Daimler TSS entwickelt haben.

Im Zuge der Digitalisierung wächst der weltweite Datenberg unaufhaltsam. Reichte es noch vor ein paar Jahren aus, Auftrags- und Kundendaten in herkömmlichen Datenbanken zu verwalten, übersteigen neue Anwendungen wie das Internet der Dinge (IoT), das automatisierte Fahren oder die Digitalisierung von Produktion und Logistik („Industrie 4.0“) schnell deren Fähigkeiten.


In Zeiten von Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge wächst der Datenberg unaufhaltsam

Symbolbild: Eberhardt/Uni Ulm

Daher sind neue Systeme gefragt, die enorme, konstant wachsende Datenmengen speichern und verarbeiten können. Eine Kombination aus Datenbankmanagementsystemen (DBMS) und Cloud-Ressourcen erscheint vielversprechend, allerdings passt nicht jedes System zu jedem Anwendungsfall.

Durchblick im Datenbank-Dschungel verspricht das Analyse-Werkzeug Mowgli, das das Ulmer Institut für Organisation und Management von Informationssystemen (OMI) im Projekt „Cloud2Go“ gemeinsam mit Daimler TSS entwickelt hat.

Beim automatisierten Fahren werden beispielsweise konstant große Datenmengen erzeugt, die gespeichert und verarbeitet werden wollen: In Echtzeit generiert das Fahrzeug technische Informationen sowie etwa Daten zur eigenen Position und zur Umgebung. Ähnliches gilt für die smarte Stadt oder die digitalisierte Fabrik.

„Auf der Suche nach dem optimalen Datenbankmanagementsystem müssen sich Nutzer fragen, was für Anforderungen sie an das DBMS-System stellen: Welche Auslastung wird im konkreten Anwendungsfall erwartet? Und über welche Zeit ist ein Systemausfall tolerierbar?“, fragt Dr. Jörg Domaschka, Gruppenleiter am OMI. Denn während ein wenige Sekunden andauernder Systemausfall im Kontext automatisiertes Fahren lebensbedrohlich sein kann, hat er im Smart Home oft keine großen Konsequenzen.

Als vielversprechende Kombination im Kontext „Big Data“ hat sich ein Zusammenspiel aus verteilten Datenbankmanagementsystemen und Cloud-Ressourcen erwiesen. Durch die verteilte Systemarchitektur können bei wachsenden Datenmengen und Nutzerzugriffen neue Instanzen zum DBMS hinzugefügt werden. Weiterhin lässt sich das System dynamisch während der Laufzeit an die Auslastung anpassen.

Zudem bieten Cloud-Anbieter scheinbar endlose Ressourcen an, die auf Knopfdruck abgerufen und hinzugefügt werden können. Inzwischen haben Nutzer sogar die Qual der Wahl: Sie müssen sich zwischen rund 200 verteilten Datenbankmanagementsystemen mit unterschiedlicher Betreibbarkeit in der Cloud und 20 000 Cloud-Ressourcen entscheiden.

Die entsprechenden Kombinationen haben wiederum ganz individuelle Eigenschaften, was Leistung, Skalierbarkeit oder etwa Verfügbarkeit angeht. Wer soll in diesem Datenbank-Dschungel den Durchblick behalten?

Ausgehend von diesem Problem haben die Forscher vom Institut für Organisation und Management von Informationssystemen der Universität Ulm und von Daimler TSS „Mowgli“ entwickelt. Dieses Tool zur automatischen Evaluation verteilter DBMS in der Cloud spielt typische Anwendungsszenarien durch und wertet die Leistungsfähigkeit der einzelnen Systeme aus:

„Die Automatisierung der Tests erlaubt eine Vielfalt und Komplexität, die bei einem händischen Vergleich der Systeme unmöglich wäre. Bei solchen händischen Tests müsste die Komplexität wirklich sehr stark reduziert werden, um den zeitlichen Rahmen nicht zu sprengen. Und selbst bei der automatisierten Auswertung durch Mowgli dauert es ein bis zwei Tage, bis wir eine Empfehlung für ein Datenbankmanagementsystem ableiten können“, so Daniel Seybold, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am OMI.

Zwar sind die Informatiker nicht die ersten Anbieter eines solchen Benchmark-Systems, allerdings ist die Anzahl der einbezogenen Variablen bei Mowgli ungewöhnlich groß. Das Tool unterstützt bereits eine Vielzahl von DBMS mit einer beliebigen Anzahl von Instanzen und bezieht unterschiedliche Cloud-Anbieter mit ein.

Die im Laufe des einjährigen Projekts entstandene Veröffentlichung „Mowgli: Finding your way in the DBMS Jungle“ ist von Daniel Seybold auf der Tagung „ACM/SPEC International Conference on Performance Engineering“ vorgestellt und sogleich ausgezeichnet worden. Bei Daimler TSS war das Analyse-Werkzeug bereits im Einsatz und es wird im EU-Projekt „Melodic“ (Multi-cloud Execution-ware for Large-scale Optimised Data-Intensive Computing) der Uni Ulm verwendet. Die Entwickler können sicher sein, dass ihrem Mowgli auch in Zukunft die Aufträge nicht ausgehen: Denn der Datenberg wächst umgebremst weiter.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Daniel Seybold/Universität Ulm: Tel.: 0731 50-28799, daniel.seybold@uni-ulm.de
Jessica Becker/Daimler TSS: Tel. 0176 309 459 52; jessica.becker@daimler.com

Annika Bingmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Werkstattbericht #1: Head Mounted Displays (HMDs) – Schwerpunktpositionen und Drehmomente
22.05.2020 | Virtual Dimension Center Fellbach w. V.

nachricht RUB vermisst Handys für Corona-Tracking-App
22.05.2020 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn aus theoretischer Chemie Praxis wird

Thomas Heine, Professor für Theoretische Chemie an der TU Dresden, hat 2019 zusammen mit seinem Team topologische 2D-Polymere vorhergesagt. Nur ein Jahr später konnten diese Materialien von einem italienischen Forscherteam synthetisiert und deren topologische Eigenschaften experimentell nachgewiesen werden. Für die renommierte Fachzeitschrift Nature Materials war das Anlass, Thomas Heine zu einem News and Views Artikel einzuladen, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Unter dem Titel "Making 2D Topological Polymers a reality" beschreibt Prof. Heine, wie aus seiner Theorie Praxis wurde.

Ultradünne Materialien sind als Bausteine für nanoelektronische Bauelemente der nächsten Generation äußerst interessant, da es viel einfacher ist, Schaltungen...

Im Focus: When predictions of theoretical chemists become reality

Thomas Heine, Professor of Theoretical Chemistry at TU Dresden, together with his team, first predicted a topological 2D polymer in 2019. Only one year later, an international team led by Italian researchers was able to synthesize these materials and experimentally prove their topological properties. For the renowned journal Nature Materials, this was the occasion to invite Thomas Heine to a News and Views article, which was published this week. Under the title "Making 2D Topological Polymers a reality" Prof. Heine describes how his theory became a reality.

Ultrathin materials are extremely interesting as building blocks for next generation nano electronic devices, as it is much easier to make circuits and other...

Im Focus: Mikroroboter rollt tief ins Innere des Körpers

Mit einem Leukozyten als Vorbild haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Stuttgart einen Mikroroboter entwickelt, der in Größe, Form und Bewegungsfähigkeit einem weißen Blutkörperchen gleicht. In einem Labor simulierten sie dann ein Blutgefäß – und es gelang ihnen, den Mikroroller durch diese dynamische und dichte Umgebung zu steuern. Der Roboter hielt dem simulierten Blutfluss stand und brachte damit das Forschungsgebiet rund um die zielgenaue Medikamentenabgabe einen Schritt weiter: Es gibt keinen besseren Zugangsweg zu allen Geweben und Organen im menschlichen Körper als den Blutkreislauf.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Stuttgart haben einen winzigen Mikroroboter entwickelt, der einem weißen...

Im Focus: Rolling into the deep

Scientists took a leukocyte as the blueprint and developed a microrobot that has the size, shape and moving capabilities of a white blood cell. Simulating a blood vessel in a laboratory setting, they succeeded in magnetically navigating the ball-shaped microroller through this dynamic and dense environment. The drug-delivery vehicle withstood the simulated blood flow, pushing the developments in targeted drug delivery a step further: inside the body, there is no better access route to all tissues and organs than the circulatory system. A robot that could actually travel through this finely woven web would revolutionize the minimally-invasive treatment of illnesses.

A team of scientists from the Max Planck Institute for Intelligent Systems (MPI-IS) in Stuttgart invented a tiny microrobot that resembles a white blood cell...

Im Focus: Schnüffel-Roboter als Katastrophenhelfer

Wo Menschenleben gefährdet sind, kommen künftig neuartige Roboter zum Einsatz, die an der TU Dresden entwickelt werden

Wissenschaftler an der TU Dresden arbeiten seit Juni 2019 an künstlichen Helfern, die in einem Katastrophengebiet Gefahren erkennen, beseitigen und somit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

Erfolgreiche Premiere für das »Electrochemical Cell Concepts Colloquium«

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Techniker Krankenkasse, EuPD Research und Handelsblatt starten Bewerbung für die Sonderpreise "Gesunde Hochschule" im Rahmen des Corporate Health Award 2020

22.05.2020 | Förderungen Preise

Werkstattbericht #1: Head Mounted Displays (HMDs) – Schwerpunktpositionen und Drehmomente

22.05.2020 | Informationstechnologie

Biochemie-Absolvent der Universität Bayreuth hat Antigen für hochspezifischen Corona-Antikörpertest entwickelt

22.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics