Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautkrankheit Seborrhoische Dermatitis - Neuer Therapieansatz

09.11.2018

Es gibt Hautkrankheiten, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken. Dazu gehört die sogenannte Seborrhoische Dermatitis, von der auch Säuglinge und Kinder betroffen sind sowie Personen mittleren Alters. Zu den Krankheitsbildern gehört schuppiger Ausschlag im Gesicht und auf der Kopfhaut, der häufig begleitet wird von starkem Juckreiz. Dermatologen aus Ulm, Köln, Heidelberg und Rom haben nun herausgefunden, dass der Transkriptionsfaktor JunB eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieser Erkrankung spielt.

Die Haut ist das größte Organ des Menschen und bestimmt unsere äußere Erscheinung: Daher können Erkrankungen wie die seborrhoische Dermatitis die Lebensqualität Betroffener erheblich einschränken.


Mikroskopische Aufnahme eines Gewebeschnittes einer Maus mit aktiviertem (oben) und deaktiviertem Transkriptionsfaktor JunB (unten)

Abbildung: Dr. Karmveer Singh


Dr. Karmveer Singh

Foto: Uniklinikum Ulm

Diese Hautkrankheit zeichnet sich nämlich durch meist schuppigen Ausschlag im Gesicht und auf der Kopfhaut aus. Einige Patienten – betroffen sind oft Säuglinge sowie Personen mittleren Alters – leiden zudem unter Juckreiz. Die Krankheitsentstehung ist bisher noch nicht vollständig verstanden.

Angenommen wird ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen wie Entzündungsreaktionen auf Hefepilze sowie etwa eine genetische Prädisposition. Nun bringen Forschende um Professorin Karin Scharffetter-Kochanek, Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik Ulm für Dermatologie und Allergologie, sowie ihr Wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Karmveer Singh den Transkriptionsfaktor JunB ins Spiel. In der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications beschreibt die Gruppe aus Ulm, Köln, Heidelberg und Rom eine bisher unbekannte Funktion des Transkriptionsfaktors, die zu neuen Therapieansätzen bei der seborrhoischen Dermatitis führen kann.

In der Haut erfüllt der Transkriptionsfaktor JunB eine wichtige Aufgabe: Er sorgt für eine Differenzierung der epidermalen Stammzellen – darunter versteht man die Bildung neuer Hautzellen.

JunB hält die Haut also gewissermaßen im Gleichgewicht. Im Mausmodell und anhand von Verfahren wie dem Next Generation Sequencing konnten die Autoren nun zeigen: Fehlt der Transkriptionsfaktor, führt dies zu strukturellen und funktionellen Einschränkungen der Talgdrüsen und somit zu einer gestörten Lipidschicht der Haut.

Genetisch veränderte Mäuse entwickeln ohne JunB vergrößerte Talgdrüsen und schließlich eine Erkrankung, die der seborrhoischen Dermatitis beim Menschen ähnelt. „Allerdings beginnt eine Unterform von Hautstammzellen, denen JunB fehlt, während der Wundheilung neue Talgdrüsen auszubilden“, erklärt Scharffetter-Kochanek.

Diesen in der Veröffentlichung beschriebenen Vorgang nenne man fate switch, zu Deutsch Schicksalswende, oder Plastizität der Zelldifferenzierung. Die neuen Erkenntnisse unterstreichen die wichtige Rolle von JunB bei der Regeneration der Haut und womöglich bei der Krankheitsentstehung der Seborrhoischen Dermatitis.

Für die künftige Behandlung der Hauterkrankung haben die Forschungsergebnisse in jedem Fall hohe Relevanz: „Ein besseres Verständnis der Funktion des Transkriptionsfaktors JunB kann zu neuen therapeutischen Ansätzen für Patienten führen, die unter Fehlfunktionen der Talgdrüsen leiden“, so Dr. Karmveer Singh. Insgesamt tragen die Erkenntnisse auch zu einem besseren Verständnis der Haut- und Haartalgdrüsen bei.

Die Arbeit der Forschergruppe aus der Ulmer Universitätsmedizin, vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) sowie von der Universität zu Köln und der Universität Rom wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (KFO 142, SFB 1149, GRK 1789) und durch die Förderlinie „Zelluläre Entscheidungs- und Signalwege bei der Alterung“ des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) gefördert.

Text und Medienkontakt: Annika Bingmann

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karin Scharffetter-Kochanek: Tel.: 0731/500-57501; E-Mail: Karin.Scharffetter-Kochanek@uniklinik-ulm.de

Originalpublikation:

Literaturhinweis:
Singh K., Camera E., Krug L., Basu A., Pandey R., Munir S., Wlaschek M., Kochanek S., Schorpp-Kistner M., Picardo M., Angel P., Niemann C., Maity P., Scharffetter-Kochanek K. (2018) JunB defines functional and structural integrity of the epidermo-pilosebaceous unit in the skin. Nature Communications 9, Article number 3425, DOI: 10.1038/s41467-018-05726-z

Weitere Informationen:

DOI: 10.1038/s41467-018-05726-z

Annika Bingmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue potenziell therapeutische Targets für nicht-alkoholische Fettlebererkrankung entdeckt
15.10.2019 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Diagnostik für alle
14.10.2019 | Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuer Werkstoff für den Bootsbau

Um die Entwicklung eines Leichtbaukonzepts für Sportboote und Yachten geht es in einem Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Mittelhessen. Prof. Dr. Stephan Marzi vom Gießener Institut für Mechanik und Materialforschung arbeitet dabei mit dem Bootsbauer Krake Catamarane aus dem thüringischen Apolda zusammen. Internationale Kooperationspartner sind Prof. Anders Biel von der schwedischen Universität Karlstad und die Firma Lamera aus Göteborg. Den Projektbeitrag der THM fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand mit 190.000 Euro.

Im modernen Bootsbau verwenden die Hersteller als Grundmaterial vorwiegend Duroplasten wie zum Beispiel glasfaserverstärkten Kunststoff. Das Material ist...

Im Focus: Novel Material for Shipbuilding

A new research project at the TH Mittelhessen focusses on the development of a novel light weight design concept for leisure boats and yachts. Professor Stephan Marzi from the THM Institute of Mechanics and Materials collaborates with Krake Catamarane, which is a shipyard located in Apolda, Thuringia.

The project is set up in an international cooperation with Professor Anders Biel from Karlstad University in Sweden and the Swedish company Lamera from...

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung trifft Energiewende

15.10.2019 | Veranstaltungen

Bauingenieure im Dialog 2019: Vorträge stellen spannende Projekte aus dem Spezialtiefbau vor

15.10.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2019

14.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue potenziell therapeutische Targets für nicht-alkoholische Fettlebererkrankung entdeckt

15.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Bessere Rheuma-Früherkennung dank neuer Fußkamera

15.10.2019 | Medizintechnik

Cardioband repariert undichte Herzklappe

15.10.2019 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics