Eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin hat ein überraschend komplexes Nervensystem bei Seeigeln entdeckt. Die Tiere verfügen über eine Art „Ganzkörper-Gehirn“, dessen genetische Organisation der des Wirbeltiergehirns ähnelt. Zudem fanden die Forschenden lichtempfindliche Zellen im gesamten Körper der Seeigel – vergleichbar mit Strukturen der menschlichen Netzhaut. Die Studie, gefördert vom Human Frontiers Science Program, wurde in Zusammenarbeit mit der Stazione Zoologica Anton Dohrn (Neapel), dem Laboratoire de Biologie du Développement de Villefranche-sur-Mer und dem Institut de…
Die Transplantation von Stammzellen kann Schlaganfall-Schäden rückgängig machen, wie Forschende der Universität Zürich berichten. Zu den positiven Effekten gehört die Wiederherstellung von Nervenzellen und motorischen Funktionen. Dies ist ein Meilenstein für die Therapie von Hirnerkrankungen. Einer von vier Erwachsenen erleidet im Laufe seines Lebens einen Schlaganfall, etwa die Hälfte trägt bleibende Schäden wie Lähmungen oder Sprachstörungen davon. Denn durch Einblutungen oder mangelnde Sauerstoffversorgung sterben Hirnzellen unwiederbringlich ab. Zurzeit existiert keine Behandlung, um solche Schäden zu reparieren. «Daher ist es essenziell,…
Die Zellteilung ist einer der am gründlichsten untersuchten Prozesse in der Biologie, doch viele Details bleiben weiterhin rätselhaft. Ein seit fast einem Jahrhundert bestehendes Rätsel um die „Krone” der Zellteilung – die Kinetochor-Korona – wurde nun von Verena Cmentowski und Andrea Musacchio am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund (MPI) gelöst. Ihre Forschung zeigt, wie sich die Krone über zwei parallele Wege aufbaut. So entsteht aus einem kleinen „Protein-Keim” ein multifunktionaler Komplex, der eine präzise Verteilung der Chromosomen gewährleistet –…
Endphase der COPAGO-StudieStarke Schmerzen, Schwellung, Empfindsamkeit und Überwärmung eines Gelenks. Das sind die klassischen Symptome bei einem akuten Gichtanfall. Die Behandlung erfolgt mittels entzündungshemmender Medikamente. In der hausärztlichen Versorgung kommen Prednisolon oder Colchicin zum Einsatz. Welches der beiden Medikamente am effektivsten wirkt – das ist Schwerpunkt der sogenannten COPAGO-Studie. Seit 2023 läuft die Studie unter Leitung des Instituts für Community Medicine. Neben den Hausarztpraxen im Greifswalder Raum erfolgt der Einschluss der Teilnehmenden nun auch durch das Team der Unimedizin Greifswald….
Im Nationalpark Schwarzwald hat ein Forscher der Universität Stuttgart mit Kolleg*innen eine neue Bärtierchen-Art entdeckt. Sie trägt den Namen Ramazzottius kretschmanni – zu Ehren von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der die Entdeckung nun vorgestellt bekam. Winzig klein, mit bärenstarken Fähigkeiten und auch für die Forschung noch geheimnisvoll: Eine wissenschaftliche Entdeckung aus dem Schwarzwald ehrt den Ministerpräsidenten Baden-Württembergs und sein Engagement für Artenschutz und Biodiversität. Die neue Bärtierchen-Art Ramazzottius kretschmanni ist im Nationalparkzentrum am Ruhestein vorgestellt worden. Prof. Ralph Schill, Zoologe am…
Hinter jeder Zahl steht ein Mensch: Bereits über 10.000 Patient:innen haben an der Universitätsmedizin Halle zugestimmt, dass ihre Gesundheitsdaten und Bioproben für Forschungszwecke verwendet werden dürfen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag und ermöglichen künftigen Generationen langfristig bessere Früherkennungs-, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Grundlage dafür ist das Broad Consent-Verfahren, eine „breite Einwilligung“ zur medizinischen Forschung an der Universitätsmedizin Halle. Der 10.000 Freiwillige: „Ein kleines aber wichtiges Puzzlestück“ Manfred Koschmieder ist der 10.000. Patient, der an der Universitätsmedizin Halle dem Broad Consent…
Präventionsprogramme zur Verhinderung von kindlichem Übergewicht sollten verstärkt auf strukturelle Verbesserung von Lebenswelten wie den Zugang zu gesunden Lebensmitteln und Grünflächen abzielen Rostock – Elternbasierte Programme zeigen keine Wirksamkeit zur frühen Vorbeugung von Übergewicht bei Kleinkindern – das ist das zentrale Ergebnis einer jetzt im Fachjournal The Lancet veröffentlichten internationalen Studie. Die groß angelegte Analyse von Daten aus zehn Ländern zeigt: Maßnahmen, die allein auf elterliches Verhalten wie Förderung von gesunder Ernährung oder mehr Bewegung abzielen, beeinflussen das Körpergewicht der…
Erdmännchen passen sich genetisch an eine artspezifische Form der Tuberkulose an. Das hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Ulm in einer Langzeitstudie erstmals nachgewiesen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen auch, dass der Klimawandel in der Kalahari-Wüste einen zusätzlichen Selektionsdruck auf die Tiere ausübt. Durch das Zusammenspiel von Infektionsdruck und Klimawandel geraten die Erdmännchen zunehmend unter evolutionären Stress. Die Ergebnisse der Studie sind in Nature Ecology Evolution erschienen. Wie wirken sich Wildtierkrankheiten langfristig auf die Genetik ihrer Wirte aus…
MHH-Forscherinnen untersuchen Einflussfaktoren auf die Psyche von Müttern. Stationäre Mutter-Kind-Maßnahmen wirken sich bei Erkrankungen positiv aus. In Deutschland ist etwa jede dritte Frau von einer mentalen Störung betroffen. Darunter auch viele Mütter. Welche Ursachen haben die Beschwerden speziell bei dieser Personengruppe? Das untersuchten Wissenschaftlerinnen des Forschungsverbunds Familiengesundheit an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in einer Datenanalyse. Sie stellten die psychische Gesundheit von Müttern in Zusammenhang mit unterschiedlichen Aspekten des Lebens. Das Ergebnis: Die Elternrolle ist der größte Einflussfaktor auf die…
Virologie-Forschungsteam aus Gießen und Berlin entschlüsselt die Rolle von Sphingolipiden für die Bildung von Replikationsorganellen Coronaviren verändern die Zellen, die sie infizieren, um sich optimal vermehren zu können. Ein entscheidender Schritt dabei ist die Bildung spezieller Strukturen im Zellinneren – sogenannter Replikationsorganellen. Dabei reorganisieren Coronaviren die inneren Zellmembranen erheblich. Dieser Prozess hängt maßgeblich von der Bildung von bestimmten Membranbausteinen, den Sphingolipiden, ab. Forschende des Instituts für Medizinische Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und des Instituts für Pharmazie der Freien Universität…
Ärztinnen und Psychologinnen der Universitätskliniken Leipzig und Dresden sowie dem NCT/UCC Dresden analysierten über 13.000 Publikationen zu diesem Themenbereich. Daraus extrahierten die Wissenschaftlerinnen 32 Empfehlungen für eine langfristige, effiziente und passgenaue Nachsorge junger Betroffener. Die Heilungsraten bei an Krebs erkrankten Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15 bis 39 Jahre) sind hoch. Die dafür notwendigen intensiven Therapien bergen für Betroffene jedoch das Risiko, auf lange Sicht mit Nebenwirkungen konfrontiert zu werden. Aufgrund der Vielfalt an Diagnosen und Therapien gibt es bislang kaum…
Epigenetische Effekte des bioaktiven Kurkuma-Inhaltsstoffs könnten Einfluss auf Nachkommen haben – Studie von JLU-Forschungsteam mit Modellorganismus Curcumin, einem bioaktiven Inhaltsstoff von Kurkuma, werden vielfältige gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Mittlerweile sind eine Vielzahl verschiedener Curcumin-Supplemente auf dem Markt, die auch durch Influencerinnen und Influencer als Nahrungsergänzungsmittel auf Social Media stark beworben werden. Neben den anti-entzündlichen und anti-oxidativen Wirkungen vermittelt Curcumin auch epigenetische Effekte. Dies sind reversible chemische Veränderungen der DNA oder der Proteine, die die DNA verpacken, sogenannte Histone. Diese Veränderungen können…
Forschende der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg, des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg haben in der multizentrischen Studie „NCT Neuro Master Match (N2M2)“ den Einsatz zielgerichteter Medikamente in der Ersttherapie bei neu diagnostiziertem Glioblastom geprüft. Von fünf getesteten Medikamenten zeigte der Wirkstoff „Temsirolimus“, der bereits bei Nierenkrebs eingesetzt wird, positive Resultate. Die Ergebnisse der Phase1/2-Studie sind aktuell in „Nature Medicine“ erschienen. Sie zeigen, dass eine molekular zielgerichtete Therapie mit geringem Aufwand in einem…
Träger von Clusterin-Risikoallelen haben ein erhöhtes Risiko, an spät einsetzender Alzheimer-Demenz (LOAD, engl.: Late-onset Alzheimer disease) zu erkranken. Um die Funktion des assoziierten Proteins besser zu verstehen, haben Forschende des MPIs für Biochemie die molekularen Grundlagen für die Chaperonfunktion von Clusterin entschlüsselt. Die Forschenden konnten erstmals die kristallographische dreidimensionale Struktur von menschlichem Clusterin ermitteln und entdeckten, dass zwei ungeordnete, hydrophobe Peptidfortsätze entscheidend für die verschiedenartigen Bindungs- und Schutzfunktionen von Clusterin sind. Struktur von Clusterin: Ein Schlüsselprotein gegen neurodegenerative ErkrankungenEin Team…
Mit einer erneuten Förderung unterstützt der Bundesverband Mukoviszidose e.V. die Fortführung der vielversprechenden tRNA-Forschung der Arbeitsgruppe um Dr. Suki Albers-Fomenko (Universität Hamburg). Ziel der Wissenschaftlerin ist es, für möglichst viele CF-Betroffene mit seltenen Stopp-Mutationen im CFTR-Gen wirksame therapeutische tRNAs zu entwickeln, die die CFTR-Funktion wiederherstellen. Da Menschen mit Stopp-Mutationen nicht von Modulatortherapien profitieren können, sind genbasierte Ansätze eine Chance. Der Mukoviszidose e.V. fördert das Projekt mit 185.540 Euro. (Mukoviszidose: Cystische Fibrose, CF) Modifiziert tRNAs „überlesen“ fehlerhafte Stopp-Signale Bereits zum zweiten…
Dr. Tanja Stratmann wird mit dem Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (European Research Council – ERC) ausgezeichnet. Ab 2026 wird sie am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen fünf Jahre lang den Stickstoffkreislauf von lebenden und fossilen Schwämmen erforschen. Für ihr Projekt „Nitrogen cycling in modern sponges with clues about their role in past oceans“, kurz SPYCLING, rückt Tanja Stratmann marine Schwämme als Vertreter der ältesten noch existierenden Tiergruppen in den Fokus. Sie wird untersuchen, wie Schwämme…
Mädchen, Frauen und andere benachteiligte Gruppen können vielerorts nicht selbstbestimmt über ihre Sexualität und Reproduktion entscheiden. Auch haben sie nur bedingt Zugang zu entsprechenden Gesundheitsleistungen. Daher arbeitet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) an der Stärkung sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte. Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) hat die Maßnahmen in diesem Bereich untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Vorhaben Gesundheitsleistungen – wie den Zugang zu medizinischer Versorgung – im Blick haben; sexuelle und reproduktive Rechte…