Eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin hat ein überraschend komplexes Nervensystem bei Seeigeln entdeckt. Die Tiere verfügen über eine Art „Ganzkörper-Gehirn“, dessen genetische Organisation der des Wirbeltiergehirns ähnelt. Zudem fanden die Forschenden lichtempfindliche Zellen im gesamten Körper der Seeigel – vergleichbar mit Strukturen der menschlichen Netzhaut. Die Studie, gefördert vom Human Frontiers Science Program, wurde in Zusammenarbeit mit der Stazione Zoologica Anton Dohrn (Neapel), dem Laboratoire de Biologie du Développement de Villefranche-sur-Mer und dem Institut de…
Biologen der Universität Jena veröffentlichen Studie über das Verhältnis von Fluginsekten und Lichtverschmutzung. Die „Lichtstadt“ Jena hat durchaus ihre Schattenseiten. Wer abends in der Innenstadt in den Himmel sieht, kann nur noch die hellsten Sterne erkennen – zu hell sind Straßen- und Schaufensterbeleuchtung, die den Blick auf den Nachthimmel überstrahlen. Viel gravierender sind die Folgen dieser „Lichtverschmutzung“ jedoch für nachtaktive Insekten. Angelockt vom Licht finden sie keine Partner mehr, legen keine Eier und können keine Pflanzen mehr bestäuben. „Lichtverschmutzung leistet…
Wissenschaftler*innen des Göttinger Exzellenzclusters Multiscale Bioimaging (MBExC) und des Sonderforschungsbereichs SFB1286, der Universitätsmedizin Göttingen und des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation beschreiben Zusammenhang von synaptischer Aktivität und dem Lebenszyklus synaptischer Proteine. Veröffentlicht in Cell Reports. Synapsen, die Kommunikationsstellen zwischen den Nervenzellen, sind für die Funktion des neuronalen Systems von zentraler Bedeutung und wurden in den letzten Jahrzehnten ausgiebig untersucht. Insbesondere die synaptischen Vesikel, die Botenstoffe (Neurotransmitter) speichern, transportieren und freisetzen und damit entscheidend für die synaptische Übertragung sind, wurden im…
Die Genome der Individuen einer Art unterscheiden sich von einander, sodass wir viel über genetische Diversität unserer Kulturpflanzen lernen können, wenn wir ihre Genome vergleichen. Forscher, die viele Genome untersuchen, benötigen allerdings eine schnelle und zuverlässige Methode für die Sequenzassemblierung. Ein internationales Forschungsteam unter Führung des IPK Leibniz-Institutes hat nun eine neue Methode der DNA-Sequenzierung untersucht. Die Ergebnisse, die jetzt im Magazin „The Plant Cell“ veröffentlicht wurden, sind dabei sehr vielversprechend. Die Wissenschaftler hoffen nun, die Methode künftig auch für…
Manche Covid-19-Patienten sind noch Monate nach der Infektion dauerhaft geschwächt. Ihre Symptome gleichen denen des Chronischen Erschöpfungssyndrom. Ein Forscher der Uni Würzburg sucht jetzt nach den Parallelen. Die Betroffenen sind ständig müde und erschöpft, schon am Morgen fehlt ihnen häufig die Kraft aufzustehen oder auf die Arbeit zu gehen. Dazu gesellen sich bei vielen von ihnen Muskelschmerzen, Nervenstörungen und grippeähnliche Symptome, die über Jahre anhalten können. An ein normales Leben ist für sie kaum mehr zu denken. Das Chronische Erschöpfungssyndrom…
Krebszellen haben Mechanismen entwickelt, um der körpereigenen Immunabwehr zu entkommen. Wirkstoffe, die das unterbinden können, sind attraktive Ziele in der Entwicklung neuer Krebstherapien. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Dr. h.c. Herbert Waldmann und Dr. Slava Ziegler am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie (MPI) in Dortmund hat ein neuartiges Testsystem zur Suche nach immunregulatorischen Substanzen in Zellen entwickelt, mit dem eine Reihe neuer potentieller Wirkstoffe identifiziert werden konnten. Krebszellen haben Mechanismen entwickelt, um der körpereigenen Immunabwehr zu entkommen. Wirkstoffe, die das unterbinden…
Bei der Untersuchung von Zebrafischembryos beobachteten Wissenschafter_innen am Institute of Science and Technology (IST) Austria eine abrupte und drastische Veränderung: Innerhalb weniger Minuten verflüssigt sich das relativ feste Gewebe. Was führt dazu und welche Rolle spielt diese Veränderung bei der weiteren Entwicklung des Embryos? In einer multidisziplinären Studie veröffentlicht in der Fachzeitschrift Cell, fanden sie Antworten, die unseren Blick auf wichtige Entwicklungsprozesse und metastasierende Krebstumoren verändern könnte. Um mehr darüber zu erfahren, wie sich ein winziger Zellhaufen zu komplexen Systemen…
Die Software gapseq nutzt Informationen über das Erbgut, um Computermodelle von Bakterien zu erstellen. / Publikation in “Genome Biology” Menschen werden von einer unvorstellbar großen Vielfalt von Mikroorganismen besiedelt. Das natürliche Mikrobiom, also die Gesamtheit der Mikroorganismen, die in und auf einem Körper leben, ist von zentraler Bedeutung für den Gesamtorganismus: Es unterstützt beispielsweise bei der Nahrungsverwertung und ist wichtig zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im Darm. Störungen des Mikrobioms können bestimmte Erkrankungen mitbeeinflussen, zum Beispiel chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Diabetes. Daher…
Spielen BMMFs, die neuartigen infektiösen Erreger, die in Milchprodukten und Rinderseren gefunden wurden, bei der Entstehung von Darmkrebs eine Rolle? Wissenschaftler um Harald zur Hausen wiesen die Erreger bei Darmkrebspatienten in unmittelbarer Nähe der Tumoren nach. Die Forscher zeigen, dass die BMMFs dort lokale chronische Entzündungen auslösen, die über aktivierte Sauerstoffmoleküle Mutationen auslösen und damit langfristig die Krebsentstehung fördern können. BMMFs und Entzündungsmarker waren in der Umgebung bösartiger Darmtumoren signifikant häufiger nachweisbar als im Darmgewebe tumorfreier Personen. Vor wenigen Jahren…
Die Entdeckung bisher unbekannter Hepatitis-B-Viren bei Eseln und Zebras eröffnet neue Möglichkeiten, den Verlauf der Erkrankung zu verstehen. Ein weltweites Forscherkonsortium konnte zeigen, dass die Infektion mit diesem Virus ganz ähnlich verläuft wie die chronische Hepatitis B beim Menschen. Federführend bei dieser Studie waren DZIF-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) gehören zu den großen globalen Gesundheitsproblemen. Besonders kritisch ist die hohe Zahl an chronischen Verläufen, an deren…
Die vom Aussterben bedrohten neuseeländischen Keas (Nestor notabilis) sind eine große Papageienart und gelten als sehr intelligente Vögel – und sind deshalb für die Verhaltensforschung von großem Interesse. In einer soeben veröffentlichten Studie der Vetmeduni Vienna mit internationaler Beteiligung zeigte sich nun, dass Dominanz hinderlich für erfolgreiche Kooperationen ist. Sobald die höherrangigen Tiere dieses Verhalten aufgaben, stellte sich der Erfolg ein. An einer Gruppe von in Gefangenschaft gehaltenen Keas untersuchte ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Vetmeduni Vienna, welche Faktoren…
An der Technischen Hochschule Ulm forscht derzeit eine Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Alfred M. Franz im Bereich “Navigation für medizinische Interventionen”. In dieser Gruppe wurde nun im Sinne der Offenen Wissenschaft ein flexibles, neurovaskuläres Gefäßphantom entwickelt, um daran neue Methoden der Schlaganfallbehandlung zu untersuchen. Das Besondere an dem Projekt ist, dass die Erstellung des Gefäßphantoms nur mit frei verfügbarer Software und frei zugänglichen Daten realisiert worden ist und, dass sämtliche Bauanleitungen und Versuchsergebnisse veröffentlicht wurden. Minimalinvasive Verfahren zur Behandlung von…
Internationales Forscherteam untersucht, wie die Evolution die Struktur und Funktion eines neu entstandenen Proteins in Fliegen formt. Gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Australien haben Bioinformatiker der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster wichtige Aspekte der Evolutionsgeschichte analysiert: Sie untersuchten, wie ein Protein, welches essenziell für die Fruchtbarkeit von männlichen Taufliegen ist und das quasi „aus dem Nichts“ entstand, funktional wurde und eine relativ stabile Struktur angenommen hat. Proteine bilden den Hauptbestandteil aller modernen Lebensformen: Beispielsweise transportiert der eisenhaltige Proteinkomplex Hämoglobin…
Chemiker:innen finden komplexes Wechselspiel verschiedener Phänomene. Das Molekül Adenosintriphosphat, kurz ATP, ist als Energiewährung lebender Zellen bekannt und spielt eine wichtige Rolle für die Funktion vieler molekularer Maschinen im Körper. So ermöglicht ATP die Kontraktion von Muskelgewebe oder das Pumpen von Ionen durch Zellmembrane. Erstaunlicherweise ist die zelluläre Konzentration an ATP aber erheblich größer als für diese Funktion unmittelbar erforderlich, daher gibt es seit geraumer Zeit Vermutungen über weitere, sekundäre Funktionen. Dabei fiel das Augenmerk auf den Einfluss von ATP…
Neue Technik ermöglicht weitere Fortschritte auf dem Gebiet der Kernspintomografie mithilfe der Hyperpolarisation von Wasserstoff-Kernspins. Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist in der Medizin ein weitverbreitetes bildgebendes Verfahren. Ein neues Feld, sowohl für die Forschung als auch für die Anwendung, ist die hyperpolarisierte Magnetresonanztomografie. Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Helmholtz-Instituts Mainz (HIM) haben eine neue Technik vorgestellt, mit der Stoffwechselprozesse im Körper beobachtet werden können. Die Singulett-Kontrast-Magnetresonanztomografie nutzt dabei einfach herzustellenden Parawasserstoff, um biochemische Prozesse in Echtzeit zu verfolgen….
Eine internationale Phase II-Studie mit maßgeblicher Beteiligung des Uniklinikums Würzburg dokumentierte die hohe Wirksamkeit der Immuntherapie mit Ide-Cel bei Patient*innen mit fortgeschrittenem Multiplem Myelom. Ein entscheidender Schritt hin zu einer baldigen regulären Zulassung dieses CAR-T-Zell-Präparats in Europa und den USA. Idecabtagene Vicleucel – oder verkürzt Ide-Cel – ist eine CAR-T-Zell-Therapie im Teststatus. Die dabei gentechnologisch mit einem chimären Antigenrezeptor (CAR) ausgestatteten körpereigenen T-Zellen zielen auf das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) ab, das auf der Oberfläche von Tumorzellen vorkommt. Diese Immuntherapie gilt als…
Befreite Nervenzellen verarbeiten mehr Information Im Gehirn sind für die Verarbeitung von Sinneseindrücken nicht nur die Nervenzellen wichtig. Auch der Raum zwischen den Zellen spielt eine Rolle: In erwachsenen Hirnen modulieren extrazelluläre Matrixstrukturen den Informationsaustausch der Nervenzellen. Werden diese aufgebrochen, kommunizieren die Zellen stärker miteinander – auch über weite Entfernungen. Das haben Forscherinnen und Forscher am Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) Magdeburg in einer aktuellen Studie herausgefunden, die in der Zeitschrift Communications Biology erschienen ist. „Wir vermuten, dass dieser Mechanismus das…