Eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin hat ein überraschend komplexes Nervensystem bei Seeigeln entdeckt. Die Tiere verfügen über eine Art „Ganzkörper-Gehirn“, dessen genetische Organisation der des Wirbeltiergehirns ähnelt. Zudem fanden die Forschenden lichtempfindliche Zellen im gesamten Körper der Seeigel – vergleichbar mit Strukturen der menschlichen Netzhaut. Die Studie, gefördert vom Human Frontiers Science Program, wurde in Zusammenarbeit mit der Stazione Zoologica Anton Dohrn (Neapel), dem Laboratoire de Biologie du Développement de Villefranche-sur-Mer und dem Institut de…
Freiburger Biolog*innen untersuchen die Signalwege von Pflanzen bei Lichteinwirkung Die Proteine ERF55 und ERF58 interagieren mit den Phytochromen – wichtigen Fotorezeptoren in Pflanzen, die rotes Licht wahrnehmen – und regulieren so die Entwicklungs- und Stoffwechselprozesse entsprechend den Lichtbedingungen in der Umwelt Die vorzeitige Keimung von Samen wird durch ERF55 und ERF58 verhindert, während verminderte Aktivität von ERF55 und ERF58 die Samenkeimung fördert Die Samen einer Pflanze sind verhältnismäßig gut gegen schädliche Umwelteinflüsse geschützt, während ein Keimling sehr verletzlich ist. Deshalb…
Auslöser für Proteinfehlfunktionen im Alter und bei altersassoziierten Erkrankungen. Um Organfunktionen aufrechtzuerhalten, müssen Proteinfunktionen in Zellen aufeinander abgestimmt und im Gleichgewicht gehalten werden. Mit zunehmendem Alter ist diese Balance gestört. Eine mögliche Ursache dafür ist eine Glykierung, bei der sich Zucker und Proteine irreversibel miteinander verbinden. Die Endprodukte der Glykierung (AGEs) reichern sich an und können zu Entzündungen und Schäden führen. Ein Forscherteam vom Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) und Universitätsklinikum Jena (UKJ) hat untersucht, wo AGEs in der…
Freiburger Forschende entschlüsseln Rolle von Zellstress. Leukämie- oder Lymphompatienten* entwickeln nach einer Stammzelltransplantation häufig eine lebensbedrohliche Immunreaktion / Freiburger Forschende zeigen in einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt, dass Stress in den Zellen die Entzündungen antreibt. Patienten* mit Leukämie- oder Lymphomerkrankungen, die nach einer Chemotherapie eine Transplantation von blutbildenden Stammzellen eines Spenders (allogene hämatopoetische Transplantation) bekommen, entwickeln mit 30- bis 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine schwere Abstoßungsreaktion gegen bestimmte Organe. Diese Reaktion wird als „Graft-versus-Host-Disease“ (GVHD) bezeichnet, weil sich das Transplantat…
Ich war zuerst da! Infektionen mit Hepatis C und E sind so verbreitet, dass rein statistisch viele Menschen mit beiden Viren gleichzeitig infiziert sein müssten. Es werden aber nur sehr wenige solcher Fälle bekannt. Eine Vermutung, warum das so ist, hat ein Forschungsteam der Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB): Die Forschenden haben festgestellt, dass sich bei einem parallelen Befall die Viren gegenseitig hemmen. Das Team um Thomas Burkard berichtet in der Zeitschrift „Cells“ vom 8….
Es gibt das typische Parkinson-Syndrom, an dem viele Menschen erkranken. Und es gibt seltene, sogenannte atypische Formen des Parkinson-Syndroms, bei dem sich fehlgefaltete „Tau-Proteine“ in den Hirnzellen der Patientinnen und Patienten ablagern. Nun hat ein internationaler Forschungsverbund unter Federführung des LMU Klinikums und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen herausgefunden: Die krankhaften Tau-Proteine verteilen sich nicht wahllos im Gehirn. Vielmehr dienen Verbindungen zwischen den Nervenzellen als Ausbreitungsroute für die krankhaft veränderten Eiweiße. Die Studie wurde im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht….
Als Marius Schneider seine Doktorandenstelle am Ernst Strüngmann Institut (ESI) für Neurowissenschaften antritt, würde er nicht einmal im Traum daran denken, dass die Ergebnisse seines ersten Projekts kurz darauf in einer der führenden Fachzeitschriften seines Fachs veröffentlicht werden – und eine etablierte Theorie auf den Kopf stellen … “Die Idee kam schon vor einigen Jahren auf, aber vor uns hat sie noch keiner mathematisch ausformuliert und dafür experimentelle Beweise gesammelt”, sagt Marius Schneider. Er sitzt in der Bibliothek des Ernst…
Multimodale Sensorintelligenz ermöglicht ein digitales Therapiemonitoring. Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT beteiligt an vorwettbewerblicher Entwicklung einer adaptiven Shutterbrille. Amblyopie ist eine funktionale Sehschwäche eines Auges, die zumeist bei Kindern auftritt und die bislang durch Abdecken des gesunden Auges mit einem verdunkelnden Pflaster therapiert wird. Je früher die Behandlung erfolgt, desto besser stehen die Heilungschancen. Doch diese Art der Therapie zeigt nur dann Erfolge, wenn die verordnete Tragezeit des Pflasters eingehalten wird. Dies ist oftmals nicht der Fall, da viele Kinder…
Wenn wir älter werden, funktioniert unser Immunsystem schlechter. Wir werden anfälliger für Infektionen, und Impfungen wirken nicht mehr so effektiv. Ein Forscherteam unter der Leitung von Dario Riccardo Valenzano hat an kurzlebigen Killifischen untersucht, ob das Immunsystem altert. Tatsächlich fanden sie heraus, dass alte Killifische im Vergleich zu jüngeren Fischen weniger verschiedene zirkulierende Antikörper haben. Dies könnte zu einer allgemeinen Verschlechterung der Abwehrkräfte beitragen. Das Immunsystem muss ständig auf neue Angriffe von Krankheitserregern reagieren und sich diese einprägen, um bei…
SARS-CoV-2 verursacht nicht nur Infektionen der Atemwege. Es kann auch in die Netzhaut gelangen und Schäden anrichten. Unklar ist, welche Netzhautstrukturen infiziert werden und ob die Schäden direkt oder indirekt Folge einer Infektion sind. Ein Team um Thomas Rauen und Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin und dem Virologen Stephan Ludwig der Westfälischen Wilhelms-Universität hat nun menschliche Netzhaut-Organoide verwendet, um die SARS-CoV-2 Infektion der Netzhaut zu untersuchen. Demnach werden vor allem retinale Ganglienzellen, aber auch Lichtsinneszellen infiziert. Zudem zeigen…
Der A2A-Rezeptor reguliert, mit welcher Vehemenz das angeborene Immunsystem gegen kranke Zellen vorgeht. Forschende der Universität Bonn haben nun erstmals zeigen können, wie ein wichtiger Hemmstoff an den Rezeptor bindet. Die Ergebnisse erleichtern es künftig, gezielt nach Molekülen zu suchen, die das angeborene Immunsystem schlagkräftiger machen. Diese könnten zum Beispiel im Kampf gegen Krebs, aber auch gegen Hirnerkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson zum Einsatz kommen. Die finale Version der Studie ist in der Zeitschrift Angewandte Chemie International Edition erschienen. Wer…
Ein Forschungsteam der Universität Bern und des Inselspitals, Universitätsspital Bern, weist in einer grossen Übersichtsstudie auf Bereiche hin, in denen eine personalisierte Prognose einer Myokarditis noch unmöglich oder unbefriedigend ist. Neue Technologien werden skizziert und ein Projekt unter der Leitung der Universitätsklinik für Kardiologie startet mit Fördermitteln des Center for Artificial Intelligence in Medicine (CAIM) um die innovativen Ansätze zur Personalisierung der Diagnose und Behandlung der Herzmuskelentzündung voranzutreiben. Dabei wird Künstliche Intelligenz eingesetzt, um die immense Datenmenge aus den verschiedenen…
– vielfarbig, zell- und mikrometergenau. Die Pathologie am Universitätsklinikum Jena nutzt einen modernen Multispektral-Fluoreszenz-Scanner, um mit Hilfe von Mehrfachfärbungen in Gewebeproben Mechanismen der Tumorentstehung und –therapie zu untersuchen. Das Gerät wurde vom Freistaat Thüringen mit Mitteln aus dem EFRE-Fonds gefördert. Welche Proteine sind aktiviert, wenn sich eine Hautzelle in eine wandernde Krebszelle umwandelt, über welche Moleküle kommunizieren Tumorzellen mit ihrer unmittelbaren Umgebung, welche Botenstoffe beeinflussen das Immunsystem und wie kann man diese als Marker für die Früherkennung oder für die…
Wildpopulationen der Modellpflanze Arabidopsis thaliana von den Kapverdischen Inseln geben Aufschluss über die Mechanismen der Anpassung nach abrupten Umweltveränderungen. Seit Darwin sind Inselpopulationen für unser Verständnis der Evolution von zentraler Bedeutung. Nun hat ein internationales Team von Forschenden unter der Leitung von Dr. Angela Hancock vom Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln Wildpopulationen der Ackerschmalwand von den Kapverdischen Inseln genutzt, um die molekularen Veränderungen zu identifizieren, die den Erfolg in einem von Trockenheit geprägten Umfeld ermöglichen. Die Ergebnisse, die jetzt in…
Milchsäure, die Tumore bei der Glykolyse ausschütten, reprogrammiert Lymphknoten, blockiert die Immunabwehr und schafft optimale Bedingungen für die Metastasierung – eine Arbeit von Angela Riedel, Juniorgruppenleiterin am Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum Würzburg. Die Einladung der US-amerikanischen Society for Immunotherapy of Cancer (SITC) Ende April beim Workshop Tumor Immune Microenvironment in San Diego einen Vortrag zu halten, hielt Dr. Angela Riedel zunächst für einen Scherz. „Dort sprechen nur hochetablierte Wissenschaftler“, meint die 38-jährige Biomedizinerin und Juniorgruppenleiterin am Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum am Uniklinikum Würzburg. Doch es war…
Ein hoher Zuckerkonsum kann entzündliche Prozesse im Körper begünstigen und dadurch die Entstehung von Autoimmunkrankheiten fördern. Ein Forschungsteam der Uni Würzburg hat jetzt neue Details dieser Vorgänge entschlüsselt. Wer über einen langen Zeitraum im Übermaß Zucker und andere Kohlenhydrate zu sich nimmt, trägt ein erhöhtes Risiko, eine Autoimmunkrankheit zu entwickeln. Bei den Betroffenen greift das Immunsystem das körpereigene Gewebe oder ein Organ an; die Folge sind beispielsweise chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Typ-1-Diabetes sowie die chronische…
Die Pollenkörner von Mais, Reis und anderen Getreidearten müssen für die spätere Nutzung bei der Befruchtung, Stärke als Energiedepot speichern. Forschende vom Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln, Deutschland, dem Umeå Plant Science Centre, Sweden, dem Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie, Deutschland, und der Rutgers University, USA, konnten nun das Phytohormon Auxin als Haupttriebkraft für die Energieproduktion während der Pollenreifung in Gerste identifiziert. Die in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlichte Studie zeigt einen direkten Zusammenhang zwischen Auxin und der Pollenfruchtbarkeit und stellt…