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Forschungsergebnisse zeigen: Bupropion steigert die Libido bei Frauen, die unter vermindertem sexuellen Verlangen leiden

Sexuelle Funktionsstörungen sind ein zunehmendes Anliegen bei Frauen der modernen Zeit. Ärzte und Forscher haben die Ursachen als psychologisch, physisch oder als Kombination aus beiden untersucht, was einen erheblichen Einfluss auf das Sexualleben von Frauen hat. Daher betonen Ärzte persönliche Termine, manchmal auch zusammen mit den Partnern, um die zugrunde liegenden Ursachen ihrer sexuellen Funktionsstörungen zu diagnostizieren.

Zu den Behandlungsmethoden gehören Aufklärung über sexuelle Gesundheit und Funktion, Psychotherapie, Sexualtherapie, Medikamente oder Beckenbodentherapie. Eine solche Studie stellte die Hypothese auf, dass ein pharmakologischer Wirkstoff namens Bupropion bei der Behandlung weiblicher sexueller Funktionsstörungen (FSD) helfen kann. Ein geringeres sexuelles Verlangen nimmt oft mit dem Alter der Frauen zu, obwohl die damit verbundene Angst abnimmt, was die hypoaktive sexuelle Verlangenstörung (HSDD) über die gesamte erwachsene Lebensspanne hinweg betont.

Wirkmechanismus von Bupropion bei der sexuellen Funktion

Neueste Forschungsergebnisse (1), veröffentlicht im aktuellen Journal ofSex and Marital Therapy zeigen, dass Wellbutrin(R) SR (Bupropion) dieLibido bei denjenigen Frauen steigern kann, die ein vermindertes Verlangennach Sex haben. Bupropion ist auch der Wirkstoff des RaucherentwöhnungsmittelsZyban(R). Bei nahezu einem Drittel der weiblichen Studienteilnehmer nahmenwährend der Behandlung die sexuellen Phantasien, Erregung und dasVerlangen nach Sex deutlich zu. Bei Beendigung der achtwöchigenBehandlungsphase waren 39% der Frauen wieder mit ihrem Sexleben zufrieden.

Wellbutrin(R) ist ein Antidepressivum und seit Anfang der neunziger Jahre in den USA auf dem Markt. Einige Studien deuteten bereits auf einen möglichen günstigen Einfluss von Bupropion auf sexuelle Funktionsstörungen hin (2), wie sie zum Teil bei anderen Antidepressiva beobachtet werden. Diese Studie untersuchte erstmals die direkte Wirkung von Bupropion auf das sexuelle Verlangen und die sexuellen Funktionen bei Frauen, die nicht depressiv sind.

Den Autoren der Studie zufolge ist die beobachtete Zunahme der Libido und des sexuellen Verlangens nicht auf die antidepressive Wirkung des Medikamentes zurückzuführen, da die teilnehmenden Frauen nicht unter Depressionen litten; vielmehr scheint es sich um einen unabhängigen Effekt zu handeln.

“Diese vielversprechenden Ergebnisse sind bereits zwei Monate nach Behandlungsbeginn mit Bupropion aufgetreten – das ist eine positive Entwicklung für Frauen, die unter einem verminderten Verlangen nach Sex leiden. Natürlich müssen diese Ergebnisse weiter erforscht werden”, sagt die Studienleiterin Dr. Taylor Segraves, MD, Professor of Psychiatry at Case Western Reserve University School of Medicine and Chair of the Department of Psychiatry am MetroHealth Medical Center.

Die Erkrankung “Hypoactive Sexual Desire Disorder”, abgekürzt HSDD, ist charakterisiert durch mangelnde oder fehlende sexuelle Phantasien und Verlangen nach Sex. Im deutschen Sprachraum heißt die Erkrankung “Störung mit verminderter sexueller Appetenz”. Frauen sind häufiger davon betroffen, nach Schätzungen leiden in den USA allein 20% aller Frauen unter HSDD (3) . Die Steuerung der sexuellen Funktion ist sehr komplex, es ist aber bekannt, dass noradrenerge und dopaminerge Neurotransmitter bei der sexuellen Erregung eine Rolle spielen. Die Autoren der Studie meinen, dass die positiven Effekte auf den Angriffspunkt von Bupropion im Gehirn beruhen könnten.

Studienergebnisse

Von den 51 weiblichen Teilnehmern, die an der Behandlungsphase teilnahmen, reagierten 29 Prozent auf die Behandlung mit Bupropion, das heißt, es kam zu einer Erhöhung verschiedener Messparameter für die Libido; dazu gehören verstärkte sexuelle Phantasien, Erregung und das Verlangen nach Sex. Die erste Wirkung wurde bereits zwei Wochen nach Behandlungsbeginn beobachtet.

Studiendetails

Die Studienteilnehmer waren nicht depressive Frauen mit Hypoactive Sexual Desire Disorder. Die Diagnose musste seit mindestens sechs Monaten bestehen. Ausschlusskriterien waren Partnerschaftskrisen und akute Probleme, die auf die Lebensumstände zurückzuführen waren. Die Frauen waren im Durchschnitt 42 Jahre alt (23 bis 65), die Mehrheit befand sich vor der Menopause. Alle Teilnehmerinnen wurden zunächst über vier Wochen mit Placebo behandelt, um einen Ausgangswert für das sexuelle Verlangen zu erhalten. 51 Frauen wurden dann in die aktive Behandlungsphase aufgenommen und erhielten erst eine Woche lang Bupropion SR 150 mg pro Tag und dann für sieben Wochen 300 mg Bupropion täglich.

Bupropion ist der Wirkstoff des Raucherentwöhnungsmittels Zyban(R) und des Antidepressivums Wellbutrin(R). Zyban(R) ist seit dem 15. Juli 1999 als Raucherentwöhnungsmittel in Deutschland auf Rezept erhältlich. Aufgrund der geringen Patientenzahl in dieser ersten Untersuchung kann noch keine Behandlungsempfehlung für den Einsatz von Bupropion bei HSDD gegeben werden. Weder in den USA noch in Europa ist Bupropion für diese Indikation zugelassen.

Quellen: 1. Segraves, R. T., Croft H. Kavoussi. R. et al (1999) Bupropion Sustained Release (SR) for the Treatment of Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD) in Nondepressed Women. J Sex and Marital Therapy 2. Walker, P. W., Cole, J. O et al. (1993) Improvement in fluoxetine-associated sexual dysfunction in patients switched to bupropion. J Clin Psychiatry’ 54, 459-465. 3. Laumann, E. O., Paik, A., Rosen, R. C. (1999). Sexual dysfunction in the United States. JAMA 281 (6), 537-544.

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Parallelen zu aktuellen Forschungen und zeitgenössischen Studien

  • Flibanserin: Laut der Studie zu Flibanserin hilft dieses Medikament bei der Behandlung der hypoaktiven sexuellen Luststörung (HSDD). Obwohl es ursprünglich als Antidepressivum entwickelt wurde, hat die U.S. Food and Drug Administration (FDA) es als erstes Medikament zur Behandlung von prämenopausalen Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen zugelassen. Bemerkenswert ist, dass Flibanserin Frauen verschrieben wird, die keine psychiatrischen oder medizinischen Erkrankungen, Beziehungsprobleme oder Auswirkungen von Medikamenten oder Drogen haben.
  • Bupropion bei antidepressiv-induzierter sexueller Dysfunktion: Bestimmte Antidepressiva sind dafür bekannt, sexuelle Dysfunktionen zu verursachen. Bupropion half in der richtigen Dosierung, eine Vielzahl von sexuellen Dysfunktionen, die durch die Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahme-hemmenden Antidepressiva (SRIs) entstehen, umzukehren. Bei bestimmten Patientinnen wurden Angstzustände und Zittern als Nebenwirkungen berichtet, aber insgesamt wurde Bupropion von vielen Patientinnen gut vertragen.
  • Testosterontherapie: Trotz zahlreicher Mythen und Missverständnisse rund um die Testosteron- (T-) Therapie ist sie nützlich bei der Behandlung von prä- und postmenopausalen Frauen mit Symptomen eines Hormonmangels. Es wird jedoch empfohlen, dass Ärztinnen und Ärzte, die weibliche Patientinnen mit sexuellen Funktionsstörungen behandeln, geeignetes Testosteron einsetzen, um deren physische, mentale und emotionale Gesundheit zu stärken.

Ein bedeutender Meilenstein für HSDD bei Frauen

Bupropion wird als potenzielle Alternative zur Verbesserung der sexuellen Gesundheit von Frauen betrachtet. Dies stellt insbesondere ein Hoffnungszeichen für weibliche sexuelle Funktionsstörungen dar, da der Anstieg von mentalen, physischen und emotionalen Gesundheitsproblemen die heutige Gesellschaft zunehmend belastet. Auch wenn die Ergebnisse als vielversprechend gelten, ist eine vorsichtige Anwendung geboten. Umfassende und vielfältige Studien werden weiterhin durchgeführt, um sowohl pharmakologische als auch psychosoziale Implikationen weiter zu untersuchen.

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