Bei mehr als 90 Prozent aller chemischen Produkte unseres Alltags kommt im Laufe ihrer Herstellung ein Katalysator zum Einsatz. Katalysatoren machen chemische Reaktionen schneller, können deren Energieverbrauch senken und machen manche Reaktionen überhaupt erst möglich. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben ein Konzept entwickelt, das die Stabilität von Edelmetall-Katalysatoren erhöht und die Menge des eingesetzten Edelmetalls reduziert. Ihre Studie ist als „Very Important Paper“ in der Fachzeitschrift Angewandte Chemie veröffentlicht (DOI: 10.1002/anie.202408511). Ziel ist bestmögliche Katalysatorleistung Edelmetall-Katalysatoren werden…
Eine multinationale europäische Studie liefert erstmals umfassende klinische und genomische Daten des Mycobacterium avium-Komplexes aus Kontinentaleuropa. Die Daten schlüsseln die Populationsstruktur dieser Erregergruppe auf und zeigen, dass Plasmide eine wichtige Rolle bei der Evolution und möglicherweise auch bei der Resistenz und Virulenz dieser Bakterien spielen. Wenn von Mykobakterien die Rede ist, denkt man in der Regel an Mycobacterium tuberculosis, den Erreger der Tuberkulose. In der Natur kommen jedoch über 200 verschiedene Bakterien dieser Gattung vor. Um sie von den Tuberkuloseerregern…
Ein bitterer Geschmack gilt traditionell als Warnsignal vor potenziell giftigen Substanzen. Doch nicht alle Bitterstoffe sind schädlich. So schmecken einige Peptide und freie Aminosäuren bitter, obwohl sie für den Menschen ungiftig, nahrhaft und teilweise sogar lebensnotwendig sind. Eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München bietet nun erstmals eine Erklärung für dieses auf den ersten Blick paradoxe Phänomen. Generell hilft uns der Geschmackssinn bei der Nahrungsauswahl. Von den fünf Grundgeschmacksrichtungen zeigen Süß und Umami an, dass…
Wenn man Wasser elektrolytisch spaltet, entsteht typischerweise Wasserstoff – und nutzloser Sauerstoff. Statt Sauerstoff kann man auch ein nützliches Produkt erzeugen. Wenn man weiß wie. Lejing Li, Wolfgang Schuhmann und Carla Santana Santos vom Bochumer Zentrum für Elektrochemie (von links). Foto: RUB, Marquard Aufgrund seiner hohen Verfügbarkeit gilt Wasser als sinnvollster Ausgangsstoff für die Wasserstoffgewinnung. Idealerweise entsteht bei der Umsetzung von Wasser zu Wasserstoff eine zweite nützliche Substanz: Wasserstoffperoxid, das für viele Industriezweige benötigt wird, etwa für die Produktion von…
Chemiker der TU Dortmund veröffentlichen aktuelle Erkenntnisse in Science. Prof. Max Martin Hansmann von der Fakultät für Chemie und Chemische Biologie der TU Dortmund und sein Team haben ein neues Reagenz entwickelt, mit dem Kohlenstoffatome in organische Moleküle eingefügt werden können. Diese Entwicklung ist für die Grundlagenforschung der organischen Chemie so spektakulär, dass sie in der renommierten Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde. Die Forschungsarbeiten fanden im Rahmen eines ERC Starting Grants statt, den Prof. Hansmann 2022 eingeworben hatte. Der Erstautor der…
Forschende der Universität Bayreuth haben ein neues Verfahren zur Wachstumskontrolle von physikalischen Mikro-Läufern entwickelt. Die Forschungsergebnisse wurden nun in der renommierten Zeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. What for? Die Bayreuther Forschenden verwendeten ein externes Magnetfeld, um paramagnetische – also nur durch externe Einflüsse magnetische – kolloidale Kugeln zu Stäben bestimmter Länge zusammenzubauen. Kolloidale Teilchen sind winzige Partikel im Nano- oder Mikrometerbereich, die in der Medizin unter anderem Träger von Biochemika wie Enzymen oder Aminosäuren sein können. Diese sogenannten mikroskopischen Zweibeiner ändern…
Umfassende Metagenom-Sequenzierungen des Berliner Abwassers über 17 Monate zeigen, dass man so die Ausbreitung von Krankheitserregern überwachen und Ausbrüche vorhersagen kann. Wie das Team um Markus Landthaler in „Environmental International“ schreibt, haben sie zudem Tausende neuer Viren entdeckt. Die Wissenschaftler*innen filtrierten die bräunliche Brühe, reicherten die Viruspartikel an, die sie dabei fanden, isolierten und sequenzierten das Erbgut der Viren. (c) Felix Petermann / Max Delbrück Center Dass Gesundheitsbehörden das städtische Abwasser überwachen, um bestimmte Mikroben wie Polioviren oder SARS-CoV-2 aufzuspüren,…
Für die Frage nach außerirdischem Leben spielen mögliche Wasservorkommen im Weltall eine zentrale Rolle. Neue Daten der Universität Innsbruck helfen dabei, die Spuren von Wasser in astronomischen Beobachtungsdaten zu finden. Eine Forschungsgruppe um Christina M. Tonauer und Thomas Lörting hat Nahinfrarot-Spektren verschiedener Eisformen veröffentlicht. Mit diesen lassen sich insbesondere die Daten des James-Webb-Weltraumtelekops gut einordnen. Die Chemikerin Christina M. Tonauer im Labor. Foto: Theresa Nairz Die Forschungsgruppe von Thomas Lörting am Institut für Physikalische Chemie der Universität Innsbruck beschäftigt sich…
Ein Signalweg namens TNF-α steuert die Umwandlung von Epithelzellen, der obersten Zellschicht von Haut und Schleimhäuten, in aggressive Tumorzellen. Schreitet eine Krebserkrankung fort, aktivieren die Zellen ihr eigenes TNF-α-Programm und werden invasiv. Diese Erkenntnis könnte laut den UZH-Forschenden helfen, die Früherkennung und Behandlung von Patienten mit Haut-, Speiseröhren-, Blasen- oder Dickdarmkrebs zu verbessern. Wie entwickelt sich eine normale Zelle im Körper zu einer aggressiven Krebszelle? Nach dem zentralen Tumormodell entwickelt sich Krebs in einem evolutionären Prozess. Häufen sich zufällig verteilte…
Neue Erkenntnisse zu Proteinfabriken in menschlichen Mitochondrien. Die „Kraftwerke“ lebender Zellen, die Mitochondrien, sind wahrscheinlich durch Endosymbiose entstanden: Ein Bakterium wanderte in eine Urzelle ein und entwickelte sich schließlich zu einem Organell, das die Zelle unter anderem mit Energie versorgt. Einen Teil der dafür benötigten Proteine stellen Mitochondrien selbst her – mithilfe spezieller Proteinfabriken, den Mitoribosomen. Göttinger Forschende haben nun entschlüsselt, wie die menschliche Zelle die aus Proteinen und RNA bestehenden Mitoribosomen modular zusammensetzt. Eine Partnerschaft, die vor knapp zwei…
Etwa zwei Prozent der Bevölkerung entwickeln Autoantikörper gegen Interferone des Typs 1, meist in späteren Lebensjahren. Dies macht die Betroffenen anfälliger für Viruserkrankungen wie COVID-19. Für die Studie haben UZH-Forschende zusammen mit einem USZ-Team einer grossen Sammlung historischer Blutproben analysiert. Als Reaktion auf eine Virusinfektion setzen Zellen des Immunsystems Interferone vom Typ 1 frei. Sie fungieren als Botenstoffe, die nicht infizierte Zellen und Gewebe warnen, dass sich ein Virus ausbreitet. Sie können sich dann darauf vorbereiten, das Virus zu bekämpfen,…
Darmbiofilme können eine Rolle bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts spielen. Ein österreichisch-australisches Forschungsteam hat in einer umfassenden wissenschaftlichen Übersichtsarbeit die neuesten Erkenntnisse aus Mikrobiologie, Immunologie sowie klinischer und pharmakologischer Forschung zur Bedeutung von Darmbiofilmen zusammengefasst und diskutiert. So entstand ein detaillierter Überblick über das derzeitige Wissen zu Biofilmen im Magen-Darm-Trakt und ihrer Rolle in Gesundheit und Krankheit. Die Arbeit ist aktuell im hochrangigen Fachmagazin Clinical Microbiology Reviews erschienen. Magen-Darm-Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom, entzündliche Darmerkrankungen und Darmkrebs rücken zunehmend in den Mittelpunkt…
Weltweite Suche nach „Missing Heritability“ – Im Jahr 2001 wurde die Sequenz des humanen Genoms erstmals veröffentlicht, komplett verstanden wird die genetische Vielfalt des Menschen bis heute nicht. Ein Grund dafür sind dunkle Genregionen, die noch nicht entziffert sind. ForscherInnen am Institut für Genetische Epidemiologie der Med Uni Innsbruck haben eine komplexe Rechenmethode entwickelt, mit der sie spezifische dunkle Regionen sichtbar machen. Dabei entdeckten sie mehr als 300 Varianten im LPA-Gen. Dieses Gen ist eines der wichtigsten in Bezug auf…
Forschungskollaboration zwischen Freiburg und Prag gelingt wissenschaftlicher Durchbruch im Verständnis der Zellteilung. Eine internationale Forschungskollaboration, geleitet von Prof. Dr. Robert Grosse (Centre for Integrative Biological Signalling Studies und Institut für klinische und experimentelle Pharmakologie und Toxikologie der Universität Freiburg), Dr. Libor Macurek (Institute of Molecular Genetics, Czech Academy of Sciences, Prag) und Dr. Zdenek Lansky (Institute of Biotechnology, Czech Academy of Sciences, Prag) hat einen neuen Mechanismus des Zusammenspiels zwischen Mikrotubuli und Aktin-Zytoskelett während der Zellteilung entschlüsselt und einzigartige Eigenschaften…
Vincent Zoete entwickelt IT-Tools für die Krebsbekämpfung. Der Chemiker leitet zwei Gruppen an der Universität Lausanne und am Swiss Institute of Bioinformatics und prüft neue Wirkstoffe. Als Vincent mit zwölf Jahren seinen ersten Computer erhielt, entdeckte er bald das Programmieren. Denn es machte dem Jungen wesentlich mehr Spass, seinen Rechner selber zu programmieren, als von anderen entwickelte Games zu spielen. Später belegte er während des Studiums an der Ecole d’ingénieur in Lille (vergleichbar mit einer Schweizer Fachhochschule) einige Informatikkurse. Doch…
Forschungsteam untersucht starke Wechselwirkung von Choleratoxin mit der Oberfläche von Darmzellen. Ein Team der Universität Münster, der ETH Zürich und der Leibniz Universität Hannover eine Schlüsselkomponente des sogenannten GM1-Choleratoxin-Komplexes mithilfe eines fluorierten GM1-Analogons analysiert. Die Erkenntnisse zu den molekularen Mechanismen der starken Wechselwirkung können helfen, Hemmstoffe zu entwickeln, die eine Infektion mit dem Bakterium Vibrio cholerae verhindern. Cholera-Infektionen, die von Bakterien der Art Vibrio cholerae verursacht werden, können mit lebensbedrohlichen Durchfällen einhergehen. Auslöser ist das von den Bakterien produzierte Choleratoxin….