Automatisiertes Fahren: Vorbereitungen für den Digibus®-Pilotbetrieb 2023

Der Digitrans eVAN als neuer „Digibus 2.0“ bei ersten Testfahren in der Salzburger Gemeinde Koppl im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes SHOW
© Salzburg Research

Bei winterlichen Bedingungen war Mitte Dezember der „Digibus® 2.0“ zum ersten Mal auf Österreichs Straßen unterwegs. Salzburg Research und die Digitrans GmbH führten in der Gemeinde Koppl erste Messfahrten zur Vorbereitung des automatisierten Pilotbetriebs durch. Ab Frühjahr 2023 wird das 100% batterieelektrisch angetriebene Shuttle den öffentlichen Nahverkehr in der Gemeinde ergänzen.

Der „Digibus®“ fährt wieder in der Salzburger Gemeinde Koppl – und sieht diesmal ganz anders aus. Noch fährt er nicht selbst, sondern ganz „normal“ mit Lenkrad und Fahrer:in. Aber das wird sich schon bald ändern: „Der neue „Digibus®“ ist diesmal ein herkömmlicher E-Van, der gegenwärtig mit jeder Menge Sensorik und zusätzlicher Software in ein automatisiertes Shuttle umgebaut wird, um sämtliche Fahraufgaben selbständig zu übernehmen“, sagt Markus Karnutsch vom Forschungsinstitut Salzburg Research, das die Testfahrten dieses Forschungsfahrzeuges verantwortet.

Vorbereitungen für den Pilotbetrieb 2023

Die ersten Testfahrten im Dezember 2022 wurden genutzt, um die Strecke mit der bereits verbauten Sensorik zu vermessen und die daraus gewonnenen Sensordaten zu analysieren. „So hat der Digibus® zu Beginn des Pilotbetriebs im Frühjahr 2023 schon einen Wissensvorsprung und kann die Strecke rascher automatisiert bewältigen“, so der Salzburg Research-Forscher Karnutsch weiter.

Der Bus muss die Fahrstrecke aus mehreren Gründen sehr gut kennen: Im Gegensatz zu einem teilautomatisierten PKW kann das Fahrzeug komplexe Situationen an Kreuzungen sowie Abbiegesituationen an ungeregelten Kreuzungen bewältigen. Bushaltestellen müssen korrekt eingefahren und zum Wiedereinfahren in den Fließverkehr verlassen werden. Das alles erfordert eine detaillierte Kenntnis der Strecke und Umgebung.

Der „Digibus® 2.0“ wird voraussichtlich ab Ende März bis Oktober 2023 als Forschungsfahrzeug in Koppl fahren. Wie auch bei den bisherigen Testfahrten wird weiterhin verpflichtend ein Fahrer bzw. eine Fahrerin an Bord sein, der bzw. die die Funktionen überwacht und die Steuerung jederzeit übernehmen kann.

Salzburg Research verantwortet diesen Pilotversuch in Salzburg im Rahmen des europaweiten Forschungsprojekts SHOW. Der Pilotbetrieb in der Salzburger Gemeinde Koppl richtet sich speziell an Pendler:innen, Tagesausflügler:innen sowie an Tourist:innen. Aufbauend auf den Erfahrungen aus dem Projekt Digibus® Austria wird der automatisierte Verkehr zur Anbindung von ländlichen Regionen an intermodale Mobilitätsknotenpunkte erprobt.

Die Teststrecke

Die Teststrecke führt über 1,7 Kilometer von Koppl Sperrbrücke (Umsteigemöglichkeit zum Bus 150 Salzburg-Bad Ischl) über das Ortszentrum bis zur Haltestelle Am Weberbach. Acht Haltestellen werden insgesamt angefahren. Die Teststrecke ist damit länger als bei den bisherigen Testfahrten.

Für die Testfahrten mit automatisierten Fahrzeugen muss auch die Teststrecke entsprechend ausgerüstet sein:Ein Zusatzschild informiert über die Testfahrten mit einem automatisierten Fahrzeug. Außerdem wird ein zusätzlicher provisorischer Haltebereich mit Wendemöglichkeit geschaffen. Aus technischer Sicht verfügt die Strecke durchgängig über schnelles Breitband-Internet. Fünf ITS-G5 Roadside-Units kommunizieren mit dem Fahrzeug, zudem wurde eine HD-Map für die gesamte Strecke erstellt. Derartige hochauflösende, digitale Karten der Fahrumgebung können für das automatisierte Fahren genutzt werden und enthalten Details, die in herkömmlichen Karten nicht erfasst werden.

Der neue Digibus® 2.0

Als Basisfahrzeug für den „Digibus® 2.0“ kommt ein handelsüblicher VW e-Crafter zum Einsatz. Dieser wurde im Projekt Digitrans eVAN zum automatisierten Versuchs- und Forschungsfahrzeug umgebaut. Acht Radarsensoren, sechs LiDAR-Sensoren, vier Kameras mit Rundumsicht und weitere Sensoren helfen dem Fahrzeug bei der Eigen-Positionierung und der Wahrnehmung der Umgebung. Das Testfahrzeug wird Platz für fünf Passagiere bieten.

Die großen Vorteile dieses umgebauten Modells gegenüber den bisherigen Modellen zweier Komplettanbieter ist der modulare Aufbau, die offenen Schnittstellen und die offen verfügbaren Daten. So kann das Fahrzeug an die jeweilige Testsituation optimal angepasst und durch den Zugang zum gesamten Datenmaterial für die Forschung wichtige Erkenntnisse erzielt werden. „Außerdem sind mit diesem Fahrzeug höhere Geschwindigkeiten gemäß der österreichischen Verordnung für automatisiertes Fahren möglich: mit den bisherigen Fahrzeugen waren wir mit maximal 20 km/h unterwegs, jetzt sind Geschwindigkeiten bis zu 50 km/h erlaubt“, sagt Markus Karnutsch von Salzburg Research.

Das Forschungs- und Versuchsfahrzeug Digitrans eVAN wird von der DigiTrans GmbH für österreichische Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt. Das Fahrzeug wird vom Bundesministerium für Klimaschutz über die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft gefördert.

Über das EU-Projekt „SHOW“

Im Rahmen des EU-Projekts „SHOW – SHared automation Operating models for Worldwide adoption“ wird der Einsatz elektrifizierter, vernetzter sowie automatisierter Fahrzeugflotten im Personenverkehr und in der Logistik in (peri-)urbanen Räumen in Europa getestet. SHOW ist das größte und ganzheitlichste Pilotprojekt von vernetzten, kooperativen und automatisierten Fahrzeugen, das je in Angriff genommen wurde. In ganz Europa beteiligen sich 20 Städte. Österreich ist eine der fünf sogenannten „Mega Sites“ und betreibt drei Pilot-Sites – in Kärnten (Klagenfurt und Pörtschach), Graz und Salzburg (Koppl).

Koordinatorin der Mega Site Austria ist die Austria Tech – Gesellschaft des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen GmbH. Koordinatorin der Pilot-Site Salzburg ist die Salzburg Research Forschungsgesellschaft und verantwortlich für die Ausstattung der Pilot-Site Salzburg mit V2X-Infrastruktur, Ausstattung des automatisierten Fahrzeuges mit einer V2X-Onboard-Unit, sowie der Umsetzung von C-ITS-Diensten ist Kapsch TrafficCom AG.

SHOW wird von der Europäischen Union im Rahmen des Horizon 2020 Research and Innovation Programme (Grant Agreement Nr. 875530) finanziert.

Projektwebsite: https://show-project.eu/

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Markus Karnutsch, Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
0662/2288-321 | markus.karnutsch@salzburgresearch.at

Weitere Informationen:

https://show-project.eu/

https://www.salzburgresearch.at/

Media Contact

Birgit Strohmeier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik

Von allen Aktivitäten zur physischen Raum- und Zeitüberbrückung von Gütern und Personen, einschließlich deren Umgruppierung – beginnend beim Lieferanten, durch die betrieblichen Wertschöpfungsstufen, bis zur Auslieferung der Produkte beim Kunden, inklusive der Abfallentsorgung und des Recyclings.

Der innovations report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Verkehrstelematik, Maut, Verkehrsmanagementsysteme, Routenplanung, Transrapid, Verkehrsinfrastruktur, Flugsicherheit, Transporttechnik, Transportlogistik, Produktionslogistik und Mobilität.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Eiskernprojekt beendet zweite Antarktis-Saison erfolgreich

Bohrprojekt Beyond EPICA erreicht eine Tiefe von 808 Metern im antarktischen Eisschild. Die zweite Antarktis-Saison des Eiskern-Bohrprojekts Beyond EPICA – Oldest Ice wurde erfolgreich abgeschlossen. Das internationale Forschungsprojekt wird von…

Mobilfunksystem für die zuverlässige Fernsteuerung von Drohnen

Unterbrechungsfreie Datenübertragung für unbemannte Flugkörper. Drohnen sind immer häufiger auch außerhalb der Sichtweite der steuernden Person unterwegs. Jedoch eignen sich konventionelle Fernsteuerungen aufgrund ihrer Reichweitenbegrenzung nicht für solche Flüge. Einfache…

Energetischer Quartiersumbau für bezahlbares Wohnen

Im Großprojekt »smood® – smart neighborhood« arbeiteten in den vergangenen Jahren unter wissenschaftlicher Beteiligung von Fraunhofer 16 Unternehmen, vier Forschungseinrichtungen und ein Verein an der Zukunft der energetischen Sanierung: Vom…

Partner & Förderer