Das Istituto Italiano di Tecnologia mit Sitz in Rom bereitet die Entwicklung eines humanoiden Roboters mit bisher unerreichten Erkennungs- und Interaktionsfähigkeiten vor. Der als Prototyp geplante “RobotCub”, dessen Entwicklungskosten von 8,5 Mio Euro von der EU-Kommission finanziert werden, wird die Grösse eines zweieinhalbjährigen Kindes haben. Er soll im Jahr 2009 seine ersten Geh- und Greifbewegungen machen. An dem Projekt sind Fachleute für Nanotechnologie, Robotertechnik und Neurologie der Universitäten von Genua, Ferrara, Lissabon, Lausanne, Salford, Uppsala, Tokyo, Zürich, Pisa und Boston beteiligt.
Ausgangspunkt ist die Arbeit eines Doktorantenteams am Polytechnikum von Mailand, das eine aus verschiedenen organischen Stoffen zusammengesetzte Retina entwickelt hat. Deren Farbwahrnehmung kommt der des menschlichen Auges sehr viel näher als die herkömmlichen auf Silizium basierenden Sensortechniken. Roberto Cingolani, wissenschaftlicher Leiter des IIT, ist überzeugt: “Auf längere Sicht wird das zunächst auf Roboter beschränkte Kunstprodukt zu einem auch beim Menschen einsetzbaren Implantat führen. Die neue Generation humanoider Roboter, die sich durch hohe Bewegungs-, Wahrnehmungs-, Gleichgewichts- und Tastfähigkeiten auszeichnet, macht deshalb eine multidisziplinäre Mannschaft aus hochqualifizierten Wissenschaftlern und extrem wettbewerbsfähigen Technologien erforderlich. Doch der Aufwand wird sich bezahlt machen, da es zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten in der Informations- und Medizintechnik, aber auch in der Raumfahrt- und Automobilindustrie geben wird.”
In der Anfangsphase wird das Denkzentrum des RobotCub noch mit der herkömmlichen Chip-Elektronik ausgestattet sein. Anschliessend soll ein mit tierischen Nervenzellen und Microsynapsen aufgerüstetes Hybridhirn die Schnittstelle zur Aussenwelt ersetzen. “Durch den Einsatz von möglichst elastischen Materialien wird ein dem Menschen weitgehend ähnliches Körpergewebe entstehen, das eine sensiblere Interaktion und sanftere Bewegungsabläufe ermöglicht”, erklärt Cingolani.”RobotCub wird auch in der Lage sein, seine Verhaltensweisen an Erfahrungswerte anzupassen und seine Haut selber zu regenerieren.”
Die neun an dem Vorhaben beteiligten Forschungseinheiten sind telematisch miteinander vernetzt und stehen dadurch in ständigem Erfahrungsaustausch. “Es handelt sich um eine offene Plattform, an der alle mitwirken können, die die Fähigkeiten des RobotCub verbessern und zu patentreifen Anwendungen entwickeln wollen”, bestätigt Projektleiter Giulio Sandini. Zur Besetzung des wissenschaflichen Überwachungsausschusses werden derzeit Fachleute aus internationalen Forschungseinrichtungen wie Mit (Usa), Cnrs (Frankreich) und Fraunhofer (Deutschland) rekrutiert.




