Aktienmarkt: Zinserhöhungsängste überlagern positive Unternehmensdaten
Nach dem erneuten Scheitern an der 4.150-Punkte-Marke Ende April hat der Deutsche Aktienindex (DAX) zum wiederholten Male den Rückwärtsgang eingelegt. Neben der angeschlagenen Markttechnik trug vor allem die schwache Verfassung der Leitbörse USA zur Abwärtstendenz bei. Auch die überdurchschnittlich guten Quartalsergebnisse der US-Unternehmen und eine in der Summe bisher ebenfalls überzeugende Berichtssaison in Deutschland konnten die Talfahrt nicht verhindern.
Die mehrheitlich über den Erwartungen ausgefallenen US-Konjunkturdaten entfalteten ebenfalls keine positive Wirkung, sondern erfuhren im Gegenteil sogar eine negative Interpretation, da sich die Kapitalmärkte innerhalb kürzester Zeit auf ein neues Zinsszenario einstellen mussten. Während bis vor wenigen Wochen ein Großteil der Marktteilnehmer keine Zinsanhebung seitens der US-Notenbank im laufenden Jahr erwartete, preisen die Terminmärkte mittlerweile schon für Juni eine Leitzinserhöhung um bis zu 50 Basispunkte ein. Dies verdeutlicht, dass sich die Kapitalmärkte bereits weitgehend auf die veränderte Zinswelt eingestellt haben, was den Anpassungsdruck zukünftig sukzessive reduzieren dürfte.
Auch der gegenwärtig stark thematisierte Ölpreisanstieg sollte sich nicht als dauerhafter Belastungsfaktor erweisen. Äußerungen aus OPEC-Kreisen deuten gegenwärtig auf eine steigende Bereitschaft zu einer Erhöhung der Förderquoten hin. Dies sollte eine Entlastung an der Ölpreisfront begünstigen und könnte kurzfristig zu einer deutlichen Sentimentverbesserung beitragen. Nach und nach dürfte sich der Blick dann wieder auf fundamentale Kennziffern richten, die unverändert Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte signalisieren.
Die jüngsten Konjunkturdaten deuten auf eine Fortsetzung des globalen Erholungszyklus hin. Positiv hervorzuheben ist insbesondere, dass neben der weiterhin stark expandierenden US-Wirtschaft auch die Wachstumsraten in Deutschland und Frankreich zuletzt überraschend gut ausfielen. Dies gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich die weltwirtschaftlichen Impulse mit der erwarteten Verzögerung nun auch in der Eurozone niederschlagen. Das Szenario einer moderaten Konjunkturerholung in Euroland hat damit weiter an Wahrscheinlichkeit gewonnen, woraus sich entsprechend positive Rückkopplungen auf Unternehmensebene ergeben sollten. Dies dürfte die eingeleitete Wende zu positiven Gewinnrevisionen bekräftigen und für entsprechend positive Impulse im weiteren Jahresverlauf sorgen. Besonders ausgeprägt sollte dieser Trend bei den zuletzt verstärkt unter Druck geratenen zyklischen Sektoren Transport &Logistik, Technologie und Industrie sein, die sich damit weiterhin als Schwerpunkt der Aktienanlage anbieten.




