Medizin Gesundheit

Kernspinresonanz: Die Tomographie wird mobil

Bei Verdacht auf Bänderriss oder Hirntumor leistet die Kernspintomographie unersetzbare Dienste in der medizinischen Diagnostik. Für die Entwicklung des Verfahrens wurde daher auch im letzten Jahr der Nobelpreis für Medizin verliehen. Doch die Untersuchung ist teuer, denn ein ortsfester supraleitender Magnet, hochempfindliche Elektronik und hochqualifiziertes Bedienungspersonal erfordern den Weg in das Krankenhaus. Forschern an der RWTH Aachen ist es gelungen, den Kernspintomographen auf die Größe eines Koffers zu verkleinern. Damit sinken die Kosten, das Gerät kann zum Einsatzort gebracht werden und es eröffnen sich eine Vielzahl neuer Anwendungsfelder. Insbesondere profitiert die zerstörungsfreie Materialprüfung von der neuen Entwicklung: Der teure Reifentest auf der Rennstrecke kann zum Teil durch Labormessungen mit dem mobilen Kernspintomographen ersetzt werden; die Aushärtung des Klebstoffs an der neueingesetzten Windschutzscheibe kann in der Werkstatt begutachtet werden, die Sicherheit der Gasleitung aus Polyethylen und der Schweißnähte kann vor Ort überprüft werden, und der Erhaltungsgrad von Kunstgegenständen wie Papier und Fresken kann ermittelt werden.

Das als NMR-MOUSE® (registrierte Marke der RWTH Aachen) bezeichnete Gerät wurde von Prof. Dr. Bernhard Blümich und seinen Mitarbeitern am Institut für Technische Chemie und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen konzipiert. In einer interdisziplinären Forschergruppe aus Chemikern, Elektrotechnikern, Maschinenbauern und Medizinern wurde es mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu einem offenen und mobilen Kernspintomographen erweitert. Erste Bilder von Gelenken und faserverstärkten Luftfederbälgen beweisen, dass brauchbare Bilder in wenigen Minuten gemessen werden können. Gemessen am ungebremsten Erfolg der medizinischen Kernspintomographie deuten die Zeichen auf eine große Zukunft für den kleinen mobilen Kernspintomographen. Ermöglicht wurde diese Innovation letztendlich durch die für die RWTH Aachen charakteristische interdisziplinäre Struktur mit seiner anerkannt hohen Kompetenz sowohl in den Ingenieurwissenschaften als auch in den Naturwissenschaften.



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