Kryokonservierung – Neue Perspektiven für die Tier- und Pflanzenzucht

So können beispielsweise Embryonen seltener Rassen tiefgekühlt werden und dadurch über Jahrzehnte für die Wissenschaft zur Verfügung stehen.

Kryokonservierung beschreibt den Prozess des Abkühlens und Lagerns von Zellen, Geweben und Organen bei sehr tiefen Temperaturen, um deren Lebensfähigkeit und Funktionalität zu erhalten. Häufig wird das biologische Material in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius aufbewahrt.

Bei derart tiefen Temperaturen stellen biologische Systeme ihre Stoffwechselvorgänge vollständig ein und befinden sich in einer Art Kältestarre. Das bedeutet, dass Prozesse wie Alterung, Zellwachstum und -teilung für die Dauer der Unterkühlung unterbrochen sind. Es handelt sich aber dennoch um „lebende“ Proben, die über Jahre, Jahrzehnte bis Jahrhunderte gelagert werden können.

Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts entdeckten Wissenschaftler, dass Geflügelspermien tiefe Temperaturen überlebten, wenn dem Einfriermedium Glycerol zugesetzt wurde. Diese Entdeckung war der Beginn der Kryokonservierung in der Nutztierzucht. Heute werden für Zuchtprogramme von Nutztieren überwiegend kryokonservierte Spermien eingesetzt, die weltweit versandt werden können. Der für die Tiere sehr belastende Transport ist dann nicht mehr notwendig.

Vermutlich wird die Kryokonservierung auch in Artenschutzprogrammen für Wildtiere in Zukunft eine noch größere Rolle spielen als sinnvolle Ergänzung zur Haltung von lebenden Herden. Auch bei der Erhaltung der gefährdeten Pflanzenvielfalt kann das Verfahren helfen.

Weltweit sind bereits etwa 75 Prozent der genetischen Vielfalt an Kulturpflanzen verloren gegangen. In einem neuen Projekt soll nun in Leipzig eine Pflanzenkryobank aufgebaut werden. Sie ist vor allem für gezüchtete Sorten und Arten interessant, deren Saatgut sich dauerhaft schlecht lagern lässt.

Media Contact

Heike Kreutz www.aid.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Atomkern mit Laserlicht angeregt

Dieser lange erhoffte Durchbruch ermöglicht neuartige Atomuhren und öffnet die Tür zur Beantwortung fundamentaler Fragen der Physik. Forschenden ist ein herausragender Quantensprung gelungen – sprichwörtlich und ganz real: Nach jahrzehntelanger…

Wie das Immunsystem von harmlosen Partikeln lernt

Unsere Lunge ist täglich den unterschiedlichsten Partikeln ausgesetzt – ungefährlichen genauso wie krankmachenden. Mit jedem Erreger passt das Immunsystem seine Antwort an. Selbst harmlose Partikel tragen dazu bei, die Immunantwort…

Forschende nutzen ChatGPT für Choreographien mit Flugrobotern

Robotik und ChatGPT miteinander verbinden… Prof. Angela Schoellig von der Technischen Universität München (TUM) hat gezeigt, dass Large Language Models in der Robotik sicher eingesetzt werden können. ChatGPT entwickelt Choreographien…

Partner & Förderer