Medizin Gesundheit

Künstliche Gesichtsteile aus dem Computer

In einem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekt wird nun in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums Münster (UKM) in Kooperation mit der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Fachklinik Hornheide sowie dem Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam die rechnergestützte Konstruktion und Fertigung von Epithesen („künstliche Gesichtsteile“) untersucht. Die komplizierte und aufwändige Versorgung von Patienten mit Gesichtsdefekten infolge von Tumorbehandlungen soll dadurch weiter verbessert werden.

Hintergrund des Projekts: Infolge der sich ändernden Altersstruktur der Bevölkerung und der allgemein zu beobachtenden Zunahme tumoröser Erkrankungen kommt es zu steigenden Fallzahlen bei Patienten mit teilweise schwer entstellenden Gesichtsdefekten. Es besteht die Notwendigkeit, die Betroffenen im Anschluss an den Eingriff möglichst rasch und wohnortnah prothetisch zu versorgen. Dies ist sowohl im Hinblick auf die medizinische Prognose als auch auf die Erhöhung der Lebensqualität wichtig.

Die Gestaltung der Epithese, eines künstlichen Gesichtsteils zur Versorgung von Defekten, wird dabei bislang praktisch ausschließlich in Handarbeit durchgeführt. Hier kann die Einbindung von optischen 3D-Messtechniken und CAD/CAM-Techniken einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie eine räumliche Trennung von Abformung und Epithesenfertigung ermöglicht.

An der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums Münster wird an einer rechnergestützten Epithesen-Konstruktion geforscht, die auf der optischen, dreidimensionalen Vermessung der Gesichtsoberfläche basiert. „Diese Technik bietet den Vorteil, dass ihre Anwendung berührungslos und ohne Strahlenbelastung erfolgt“, erklärt Privat-Dozent Dr. Dieter Dirksen, Leiter des Bereichs Werkstoffkunde und Technologie der Poliklinik am UKM.

In dem Projekt wird insbesondere auch der für das Erscheinungsbild wichtige Aspekt der optimalen Wiedergabe der Hautfarben in der Epithese untersucht. Ziel ist es, in Zukunft eine optische Abformung am Patienten auch wohnortnah durchführen zu können, während die eigentliche Epithesengestaltung weiterhin in spezialisierten Fachkliniken erfolgt. Das Projekt wird mit 180.000 Euro über die Dauer von drei Jahren von der Deutschen Krebshilfe gefördert.



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