Biowissenschaften Chemie

Antikörper für alle Proteine des Menschen!

HUPO unterstützt ein von der DGPF initiiertes Großprojekt in der Proteomforschung

Die Deutsche Gesellschaft für Proteomforschung (DGPF) plant – unterstützt von HUPO (Human Proteomics Organisation) – ein internationales Großprojekt zur Herstellung von Antikörpern für alle Proteine des menschlichen Organismus. Die DGPF wird die Aktivitäten zu diesem Vorhaben in Europa vorantreiben. Die Antikörper sollen in einer gemeinsamen Arbeit von Forschungseinrichtungen in mehreren europäischen Ländern produziert und in einer Antikörperbank verfügbar gemacht werden. Der Finanzaufwand für das Projekt – etwa 80 Millionen Euro – soll jeweils zur Hälfte aus Mitteln der Öffentlichen Hand (z. B. durch einen Antrag auf Förderung innerhalb des 6. EU-Rahmenprogramms) und aus Beiträgen der europäischen pharmazeutischen Industrie getragen werden.

Die Industriesponsoren erhalten freien Zugriff auf die Antikörperbank. Antikörper sind von speziellen Zellen des Immunsystems gebildete Proteine, die ins Blut abgegeben werden. Sie binden eingedrungene Fremdkörper, wie zum Beispiel Bakterien und Viren, die dann durch das Immunsystem eliminiert werden können. Für die Entwicklung neuer Diagnosetests und Pharmawirkstoffe sind Antikörper ein wichtiger Baustein, ihre umfassende Verfügbarkeit wird die Forschung in vielen Bereichen erleichtern und beschleunigen.

Die Human Proteomics Organisation wurde in Anlehnung an HUGO, die Human Genome Organisation, vor etwa einem Jahr gegründet. Sie vereinigt Vertreter aus Industrie, Hochschule und Regierungen mit dem Ziel umfassender Proteomfoschung. Beim letzten HUPO-Meeting in Bethesda, USA, wurde eine Reihe von Projektplänen beschlossen: Neben der Antikörperinitiative steht die Identifikation seltener Proteine in menschlichem Blut auf dem HUPO-Wunschzettel, außerdem der Aufbau von Zell-Simulationsmodellen, die Verstärkung der Bioinformatik und die Entwicklung neuer Techniken zur Identifizierung von Proteinen und ihrer Wechselwirkungen.

Die Deutsche Gesellschaft für Proteomforschung e. V. (DGPF) wurde im November 2001 in Martinsried bei München gegründet. Die DGPF versteht sich als Plattform, um die in Deutschland an verschiedenen Standorten und im Rahmen unterschiedlicher Programme angelaufenen Proteomik-Aktivitäten unter einem Dach zusammenzuführen. Darüber hinaus soll sie die Proteomforschung durch national und international abgestimmte Initiativen voranbringen. Durch eine übergreifende Koordination soll eine Bündelung und optimale Nutzung der nationalen Forschungskapazitäten herbeigeführt werden, um im weltweiten Wettbewerb an führender Stelle bestehen zu können.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Proteomforschung e. V.
Dr. Christian Kleinhammer
Tel: 089 / 18 97 90 07
C.Kleinhammer@dgpf.org



Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar