Maschinenbau

Druckluft hilft bei umweltschonender Bomben-Beseitigung

Um das Kampfmittel werden kreisförmig perforierte Kunststoffrohre auf dem Grund der Ostsee verlegt. Die Löcher in den Rohren haben eine definierte Größe und einen bestimmten Abstand, um die Schutzwirkung des Luftblasenvorhangs optimal entfalten zu können. Sind alle Vorbereitungen zur Sprengung abgeschlossen, wird der Kompressor gestartet und Luft eingeblasen.

Blasen aus Druckluft absorbieren Explosionsenergie

Nach einigen Minuten ist dann vom Grund der Ostsee bis zur Wasseroberfläche aufsteigend ein Blasenvorhang um den Sprengpunkt aufgebaut. Es wird gezündet. Die Explosionsenergie nimmt nun bevorzugt den Weg des geringsten Widerstandes innerhalb des Blasenvorhangs in Richtung Wasseroberfläche. Das Ergebnis ist eine „sanfte“ besonders die Tierwelt in der Ostsee schonende Sprengung.

Im Gegensatz zu Sprengungen in der Atmosphäre, pflanzen sich bei konventionellen Unterwassersprengungen die entstehenden Druck- und Schallwellen nahezu ungebremst fort. Die Ursache liegt darin, dass in Medien wie Wasser die sich nicht verdichten lassen, ausdehnende Gase bei der Sprengung nur sehr geringe Kompressionsarbeit verrichten können, während bei der atmosphärischen Sprengung die Gasdruckwelle die umgebende Luft verdrängt (komprimiert) und dadurch abgeschwächt wird. Die Folge ist, dass sich der Schall ungebremst im Meerwasser mit einer Schallgeschwindigkeit von ca. 1500 m/s (abhängig von Salzgehalt, Wassertiefe, Wassertemperatur) ausbreitet, während die Schallgeschwindigkeit in der Atmosphäre nur 334 m/s beträgt.

Aufgrund dieser physikalischen Gesetze sind ungeschützte (ohne Blasenvorhang) Unterwassersprengungen mit größerer Sprengkraft (ab 250 Kg TNT) in einem Radius von 4 km für Mensch und Meeressäuger meistens tödlich und bewirken Hörschäden bis zu einer Entfernung bis 30 km. Ein mit Druckluft betriebener Blasenvorhang wirkt auf die Detonation wie ein Puffer und adsorbiert die Druck- und Schallwelle effektiv bzw. leitet viel Sprengenergie an die Wasseroberfläche und damit in die Luft ab.

Vorhang aus Druckluftblaseen als Verfahren bewährt

Das Prinzip des Blasenvorhanges wird bereits seit Jahrzehnten zur Seesanierung, zur Verhinderung von Salzwassereinträgen, zur Eisfreihaltung, als Wellenbrecher und als Druckluftölsperre sowie als Schallschutz bei Unterwasserrammarbeiten wirksam eingesetzt.

Die Firma Hydrotechnik hat laut Angaben zusammen mit dem Innenministerium Schleswig Holstein eine Versuchsreihe durchgeführt, welche die Wirksamkeit des Luftblasenvorhangs belegt. Die Schadwirkung, besonders auf die Tierwelt im Wasser, werde bei der Sprengung einer 250 kg Altlast mindestens um den Faktor 20 verringert. Das Lübecker Unternehmen hat sich auf Spezialwasserbautechnik ausgerichtet. Zur Durchführung einer Versuchsreihe mieteten die Lübecker einen Compair C 210 TS NA Turbo Screw Kompressor bei Peter Gay in Bremen.



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