Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einzigartig: Lernfabrik für globale Produktion am KIT

22.02.2016

Immer mehr Produkte entstehen nicht mehr nur an einem Standort, sondern in weltweit verteilten Fabriken, die eng in einem Netzwerk zusammenarbeiten. Unternehmen müssen ihre Prozesse an diese neue Arbeitsaufteilung anpassen und Mitarbeiter entsprechend vorbereiten. Um diese, aber auch Studierende während ihrer Ausbildung praxisnah für diese Veränderungen zu qualifizieren, eröffnet das Karlsruher Institut für Technologie eine Lernfabrik zum Thema Globale Produktion. Das Besondere: Es ist bisher die weltweit einzige mit diesem Schwerpunkt.

„Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.“ So lautet ein Zitat von Konfuzius. „Für die Lehre bedeutet das: Studierende können Erlerntes besser behalten, wenn sie die Theorie direkt mit der Praxis verknüpfen können“, sagt Professorin Gisela Lanza, Mitglied der kollegialen Institutsleitung des wbk Instituts für Produktionstechnik, das die Lernfabrik aufgebaut hat und betreibt. „Deshalb gewinnen Lernfabriken an Hochschulen immer mehr an Bedeutung.“


Die Lernfabrik am wbk Institut für Technologie bereitet Studierende und Unternehmen praxisnah auf die Produktion in weltweit verteilten Netzwerken vor

wbk

Diese bilden Teile oder komplette Produktionsabläufe eines Unternehmens so real wie möglich ab, mit Montagestationen und -arbeitsplätzen sowie Steuerelementen. „So können Studierende berufliche Handlungskompetenz entwickeln und in einer realitätsnahen Umgebung lernen, Herausforderungen in der Produktion selbstorganisiert zu lösen“, so Lanza.

Bisher bestehende Lernfabriken thematisieren vor allem generelle Aspekte der Produktion, wie etwa Lean Management oder Ressourceneffizienz. Die Lernfabrik am wbk befasst sich jedoch als bisher weltweit einzige mit Herausforderungen, die charakteristisch für die Produktion in globalen Netzwerken sind.

So geht es zum einen darum, wie sich einzelne Standorte voneinander unterscheiden, etwa hinsichtlich technischer Ausstattung, Automatisierungsgrad, Kostenstruktur oder Mitarbeiterqualifikation. Zum anderen soll die Lernfabrik veranschaulichen, wie Akteure in einem globalen Produktionsnetzwerk mit der vorhandenen Komplexität umgehen und Kompetenzen strategisch günstig auf die einzelnen Standorte verteilen können.

Die Lernfabrik am wbk besteht aus mehreren Montagestationen, an denen ein Elektromotor mit Getriebe entsteht. Die Auswahl des Produkts, das die Studierenden während der Kurse fertigen sollen, setzt strikte Bedingungen für den Aufbau der Lernfabrik, wie Emanuel Moser, wissenschaftlicher Mitarbeiter am wbk, sagt: „Um ein reales Szenario zu schaffen, mussten wir ein Produkt aussuchen, das mit möglichst wenig Aufwand und Kosten in mehreren Varianten hergestellt werden kann und einen globalen Absatzmarkt hat. Sowohl aus Produkt- als auch aus Produktionssicht eignet sich der ausgewählte Elektromotor hervorragend.“

Denn dieser lasse sich leicht zusammenbauen und demontieren. Gleichzeitig können die Montagestationen manuell oder automatisiert gestaltet werden. Diese sind in der Lernfabrik am wbk dementsprechend skalierbar: Die Studierenden können die manuellen und halbautomatischen Stationen sowie die vollautomatischen, flexiblen Roboter so einstellen, dass sie unterschiedliche Varianten produzieren und verschiedene Automatisierungsgrade umsetzen können.

„Beim Aufbau und der Umsetzung haben uns unsere Partnerunter-nehmen Bosch, Pilz, Bosch Rexroth, Balluff und Schunk sehr gehol-fen“, sagt Moser. „Neben der materiellen Unterstützung in Form von Komponenten, Maschinen und Sensoren gaben sie uns wertvollen Input, um die Umsetzung der Lernfabrik so realitätsnah wie möglich zu gestalten.“

Praktische Ausbildung mit theoretischen Inhalten verbinden

Das wbk integriert die Lernfabrik ab dem kommenden Wintersemester in den Studienplan der Masterstudiengänge Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen am KIT. In den Kursen sollen die Studierenden eine lauffähige Produktion des Elektromotors planen und betreiben. Das am wbk realisierte System ist dabei nur ein Teil eines globalen Produktionsnetzwerks, die Produktionsprozesse der Fabrik in China sind virtuell in die Kurse eingebaut, als ob sie real existieren würden.

So müssen die Studierenden lokale Bedingungen wie etwa Qualifikation der Mitarbeiter, Löhne, Mieten oder rechtliche und politische Voraussetzungen in der Produktionsplanung berücksichtigen und deren Auswirkungen auf beispielsweise Liefertreue, Produktivität oder Qualitätsraten untersuchen. Während der Kurse stellen die Kursleiter die Teilnehmer immer wieder vor in der Realität typische Herausforderungen, die diese selbstständig lösen sollen, wie etwa Materialfehler, Maschinenausfälle oder unregelmäßige Kundennachfragen.

Die theoretischen Grundlagen, um die Aufgaben zu lösen erlernen die Studierenden selbstständig in einem E-Learning-Kurs: In sechs aufeinander aufbauenden Modulen vermittelt ihnen dieser die nötigen Kenntnisse über Standort- und Prozessfaktoren, Produktionssteuerung, Qualitätsmanagement, Lieferantenentwicklung, Mensch-Roboter-Kollaboration und Sicherheitstechnik sowie Planung von Produktionsnetzwerken. Lern- und Praxisphasen wechseln sich kontinuierlich ab und die Lerneinheiten bereiten die Studierenden auf die jeweils folgenden Anwendungsphasen vor.

In diesen übernehmen sie die Rollen von Mechanikern, Logistikern, Managern, Kunden oder Beobachtern und gestalten den Produktionsprozess entsprechend der vom wbk gestellten Aufgabe um. Die Kursleiter beraten die Teilnehmer und helfen ihnen, wenn sie nicht weiterkommen. Um die Studierenden bestmöglich zu betreuen und intensiv mit ihnen zusammenzuarbeiten, ist die Teilnehmerzahl begrenzt. „So können wir das Verständnis für selbstständiges Handeln in globalen Produktionsnetzwerken besser vermitteln und fördern“, erläutert Moser. Das pädagogische Konzept entwickelte das wbk in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik sowie dem Zentrum für Mediales Lernen des KIT.

Vor der ersten Lernveranstaltung zeigte das wbk Mitte Februar sein Konzept Mitgliedern der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik. „Die Veranstaltung hat gezeigt, dass auch Industrie- und Forschungseinrichtungen die Lernfabrik für ihre berufliche Fortbildung nutzen können“, so Moser. Deshalb möchte das wbk in Zukunft Trainings- und Weiterbildungsseminare auch für Industrieunternehmen anbieten, um sie auf die Anforderungen einer Produktion in globalen Netzwerken vorzubereiten. „Qualifizierte Mitarbeiter sind wichtig für den Erfolg der globalen Produktion. Deshalb ist es förderlich, dass sie sich in einem realistischen Wirtschaftsszenario auf Herausforderungen und Chancen vorbereiten können“, sagt Gisela Lanza.

Weiterer Kontakt:

Margarete Lehné, Presse, Kommunikation und Marketing, Tel.: +49 721 608-48121, Fax: +49 721 608-45681, Margarete.lehne@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Weitere Informationen:

http://www.kit.edu

Monika Landgraf | Karlsruher Institut für Technologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer erstmals in diesem Jahr gestiegen
28.06.2016 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI-Konsumindikator: Privater Konsum verliert an Dynamik
23.06.2016 | Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mainz-based physicists find missing link between glass formation and crystallization

Densified regions with drastically reduced internal motion either act as crystal precursors or cluster and frustrate all further dynamics

Glasses are neither fluids nor crystals. They are amorphous solids and one of the big puzzles in condensed matter physics. For decades, the question of how...

Im Focus: Erste Gentherapie einer erblichen Augenerkrankung in Deutschland gestartet

Gemeinsame Presseinformation der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Universitätsklinikums Tübingen - Naturwissenschaftler und Mediziner aus Tübingen, München und New York haben zusammen eine gentherapeutische Behandlung von Patienten mit kompletter Farbenblindheit entwickelt. Diese Behandlung, die im Rahmen einer sogenannten Phase I/II Sicherheitsstudie durchgeführt wird, ist die erste Gentherapie einer erblichen Augenerkrankung in Deutschland und die weltweit erste Gentherapiebehandlung für Patienten mit kompletter Farbenblindheit.

Patienten mit kompletter Farbenblindheit leiden von Geburt an nicht nur unter dem Unvermögen Farben zu unterscheiden, sondern auch unter einer hohen...

Im Focus: Mit Gold und Diamanten das Erbgut entschlüsseln

Wissenschaftler der Universität Stuttgart entdecken neue Wege für DNA-Dechiffrierung

Forscherinnen und Forscher des Sonderforschungsbereichs (SFB) 716 der Universität Stuttgart haben möglicherweise einen Weg gefunden, genetische Informationen...

Im Focus: Thousands on one chip: New Method to study Proteins

Since the completion of the human genome an important goal has been to elucidate the function of the now known proteins: a new molecular method enables the investigation of the function for thousands of proteins in parallel. Applying this new method, an international team of researchers with leading participation of the Technical University of Munich (TUM) was able to identify hundreds of previously unknown interactions among proteins.

The human genome and those of most common crops have been decoded for many years. Soon it will be possible to sequence your personal genome for less than 1000...

Im Focus: Blick durch die Wolken: Augmented Reality ermöglicht Hubschraubereinsätze bei schlechter Sicht

Nebel, Schneesturm, Windböen – schlechtes Wetter macht die Einsätze von Rettungshubschraubern oft hoch riskant, mitunter sogar unmöglich. Ein neues Helmsichtgerät, das Forscher der Technischen Universität München (TUM) entwickelt haben, kann Piloten künftig helfen, auch bei extrem schlechter Sicht Hindernisse frühzeitig wahrzunehmen: Die dafür nötigen Informationen werden im Bordrechner erstellt und in eine Datenbrille eingespielt. Eine neue Studie beweist, dass diese erweiterte Realität, in Fachjargon Augmented Reality, die Leistung von Piloten steigert.

Dicke Wolken hängen über dem Tegernsee. Die Sichtweite beträgt nur wenige hundert Meter. Normalerweise dürfte ein Hubschrauber bei diesem Wetter nicht starten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Quantum technologies to revolutionise 21st century - Nobel Laureates discuss at Lindau

30.06.2016 | Event News

International Conference ‘GEO BON’ Wants to Close Knowledge Gaps in Global Biodiversity

28.06.2016 | Event News

ERES 2016: The largest conference in the European real estate industry

09.06.2016 | Event News

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Abberior Instruments lizenziert STED-Technologie der nächsten Generation

01.07.2016 | Energie und Elektrotechnik

Welche Daten braucht es zur Rettung der Artenvielfalt? Internationale Konferenz in Leipzig

01.07.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Smart Innovation: Geschwindigkeit erfordert Leichtigkeit

01.07.2016 | Veranstaltungsnachrichten