Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jungenbrunnen für Hirschfigur

09.05.2002


Dr. Erwin Keefer, Peter Heinrich, Dr. Dirce Marzoli, Prof. Dr. Dr. Ekbert Hering, Prof. Dr. Uwe Berger (vlnr.)


Die Hirschfigur in der Verpackung


An der FH Aalen wird ein vorkeltisches Schnitzwerk des Landesmuseums Stuttgart berührungslos reproduziert.

Aus der Zeit, in der antike Autoren zum ersten Mal von Menschen jenseits der Alpen berichteten, die sie den Kelten oder Galliern zuordneten, stammen in Süddeutschland viereckige, mit Wall und Graben befestigte Anlagen, die die Archäologen als Viereckschanzen bezeichnen. In einer solchen wurde 1977 in Schmiden bei Waiblingen ein 20 Meter tiefer Schacht entdeckt. Auf dessen Grund sind neben Tonscherben ein aus Eichenholz geschnitzter Hirsch und zwei Böcke erhalten geblieben, die über 2000 Jahre alt sind.

Eben diese Hirschfigur fand vom Württembergischen Landesmuseum Stuttgart ihren Weg an die FH Aalen. Dort soll das kostbare Stück tomographisch vermessen und stereolithographisch reproduziert werden. Und das auf eine möglichst schonende Weise. "Denn eigentlich soll die in Europa einmalige Figur gar nicht bewegt werden", erklärt Dr. Erwin Keefer vom Landesmuseum. Für die Großausstellung "Menschen Zeiten Räume", die Ende Herbst diesen Jahres im Gropiusbau in Berlin eröffnet wird, möchte der Archäologe aber eine Ausnahme machen. "Für diese Zeit benötigen wir in unseren Ausstellungsräumen natürlich eine hochwertige Replik", so Keefer, "deren Herstellungsprozess das Original auf keinen Fall beschädigen darf."

An ein Abgießen der Form ist deshalb nicht zu denken. Prof. Dr. Uwe Berger von der Fachhochschule Aalen wird zur Reproduktion der Hirschfigur daher ein generatives Verfahren einsetzen, das aus einem Verbundprojekt der Fertigungstechnik und der Mechatronik hervorgegangen ist, zu neudeutsch Rapid Product Development heißt und nur an der FH Aalen praktiziert wird. Dieses Verfahren ist nicht nur äußerst schnell: binnen fünf Tage kann ein Modell hergestellt werden, wofür sonst drei bis vier Wochen benötigt werden. Das Verfahren ist auch äußerst präzise: bis auf einen Zehntelmillimeter genau wird das Original reproduziert. Darüber hinaus wird nicht nur die Oberfläche vermessen, sondern auch der innere Aufbau der Vorlage visualisiert.

Die rund 70 cm lange Hirschfigur wird im Computertomographen in drei Blöcken rundum gescannt. Dass sich die Figur dabei aus Feuchtigkeitsgründen noch in der Styroporverpackung befindet, tut dem Verfahren keinen Abbruch. Diese wird von den eingesetzten Röntgenstrahlen nahezu beugungslos durchdrungen. Die gewonnenen Daten werden dann in den Stereolithographen gespeist, der aus ihnen Schicht für Schicht ein Abbild des hölzernen Hirsches aus flüssigem Harz generiert, das von einem Laserstrahl getrocknet wird.

Für das Landesmuseum trägt das Verfahren der Fachhochschule Aalen zudem den Vorteil in sich, dass die einmal gewonnen Daten von der Struktur des Hirsches auch dazu verwendet werden können, kleinere Nachbildungen zu erzeugen, die dann im hauseigenen Museumsshop in limitierter Auflage verkauft werden sollen.

"Die Hirschfigur ist für uns der Einstieg in die Zusammenarbeit mit der FH Aalen", bemerkt Dr. Dirce Marzoli: "Gut möglich, dass wir in Bälde auch die beiden erhaltenen Böcke vorbeibringen." Der Archäologin schwebt vor, den Museumsbesuchern vermittels des Herstellungsverfahrens der Repliken auch das Innenleben der vorkeltischen Figuren zu präsentieren, während sie gespannt das erste Röntgenbild des Holzhirsches auf dem Monitor betrachtet.

Derweil sieht Dr. Erwin Keefer weitere Kooperationsmöglichkeiten mit der Fachhochschule bei der Erforschung prähistorischer Metallverarbeitung. Von der Technik der Computertomographie verspricht sich der Leiter der archäologischen Abteilung im Landesmuseum genauere Auskünfte über die Qualität Jahrtausende alter Gussverfahren und Schmiedetechniken bei der Herstellung von Beilen in der Bronzezeit.

Dr. Marc Dressler | idw

Weitere Berichte zu: Hirschfigur Original

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Sprühtrocknung: Wirkstoffe passgenau verkapseln
01.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

nachricht Smarte Sensoren steuern Industrieprozesse von morgen
31.08.2017 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik