Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biosprit aus der Region

21.09.2007
ttz Bremerhaven initiiert mit Rockstedter Brennerei Modellvorhaben zur Herstellung von Bioethanol aus nachwachsenden Rohstoffen

Am ttz Bremerhaven startete in diesem Monat auf Initiative von Dr. Gerhard Schories, technischer Leiter des Bereiches Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement des ttz, ein Modellvorhaben zur Herstellung von Bioethanol im Raum Rothenburg.

Gemeinsam mit der Brennerei Rockstedt verfolgt er das Ziel, Bioethanol im regionalen Konzept nachhaltig, kosteneffizient und ohne Entstehung von Abfallprodukten herzustellen. Der Prozess zur Produktion des Biokraftstoffs soll während des Projektzeitraumes von zwei Jahren verbessert werden. Schon jetzt sind Folgeprojekte zum Einsatz des Biosprits in der Region geplant.

Bremerhaven, September 2007. Bioethanol produziert aus nachwachsenden Rohstoffen kann kurzfristig dazu beitragen, den Ausstoß von klimarelevantem CO2 aus Kraftfahrzeugen deutlich zu reduzieren. Der neuartige PKW-Kraftstoff E85 (ein Gemisch von 85 Prozent Bioethanol und 15 Prozent Benzin) kann nach Umrüstung der Motorentechnik von vielen Benzinfahrzeugen als Kraftstoff alternativ zum herkömmlichen Benzin eingesetzt werden. Immer mehr Automobilhersteller bieten bereits E 85-taugliche Neufahrzeuge an, das nun auch im Raum Rothenburg hergestellt wird.

... mehr zu:
»Bioethanol »Biosprit »Brennerei »Rohstoff

"Das Projekt soll aufzeigen, dass Bioethanol in kleinen und mittelgroßen landwirtschaftlichen Brennereien konkurrenzfähig zu Großanlagen produziert werden kann. Zentrale Aspekte sind dabei die Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsprinzipien und der regionale Charakter", erläutert Projektleiter Wolfgang Schulz vom ttz Bremerhaven. Für ihn bedeutet Nachhaltigkeit vor allem geschlossene Stoffkreisläufe und Energiebilanzen. Für die Brennerei in Rockstedt hat das zahlreiche Auswirkungen: die nachwachsenden Rohstoffe zur Herstellung des Bioethanols kommen aus der Region. Auch die Energie zum Betrieb der Brennerei wird aus Rohstoffen produziert, die Landwirte in der Region anbauen. Dafür nutzen sie in der Regel Flächen, die normalerweise brach liegen und nicht für die Lebensmittel- oder Futtermittelproduktion verwendet werden. Die sogenannte Schlempe, die Rückstände nach der Destillation, wird von Viehzüchtern in der Landwirtschaft als Futtermittel eingesetzt. Denkbar wäre auch, sie als Düngemittel oder für den Betrieb einer benachbarten Biogasanlage zu nutzen, welche Energielieferant für die Brennerei ist. Das erzeugte Bioethanol soll letztlich direkt in der Region vertrieben werden. Im Rahmen des Projektes wird nun der Brennprozess im Detail bilanziert und hinsichtlich der technischen Konfiguration und Betriebsweise weiter optimiert, so dass die Energiekosten, die derzeit etwa ein Drittel der Produktionskosten ausmachen, weiter reduziert werden können.

Neben dem Ziel bei der Produktion von Bioethanol komplett auf fossile Energieträger zu verzichten und somit den Ausstoß von klimarelevantem CO2 beim Herstellungsprozess zu verringern, geht es auch um das wirtschaftliche Überleben landwirtschaftlicher Brennereien. "Davon gibt es in Deutschland rund achthundert. Mindestens hundert erfüllen die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Einsatz des Rockstedter Modells", erläutert Schories. So kann dezentral, nachhaltig und kostengünstig Biosprit produziert werden. Dank der Nutzung von Reststoffen aus der Region und den geringen Transportkosten haben die kleinen Anlagen klare Vorteile gegenüber Großanlagen, die ihre Rohstoffe und den Biosprit oft über große Distanzen transportieren müssen. "Auf Ethanolimporte zum Beispiel aus Südamerika kann durch diese Konzeption zukünftig verzichtet werden. Außerdem können so Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen gesichert werden", so Schories weiter.

Das Projekt wird von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., dem Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit rund 84 Tausend Euro gefördert. Projektpartner sind neben dem ttz Bremerhaven als Koordinator, die Brennerei Rockstedt GmbH &Co. KG und die JHK Anlagenbau und Service GmbH & Co. KG aus Bremerhaven.

Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie, Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement.

Anke Janssen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Berichte zu: Bioethanol Biosprit Brennerei Rohstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Neues Verfahren zur Inprozesskontrolle in der Warmumformung
18.08.2017 | Fachhochschule Südwestfalen

nachricht Forschungsprojekt zu optimierten Oberflächen von Metallpulver-Spritzguss-Werkzeugen
17.08.2017 | Hochschule Pforzheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik