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Damit Druckmaschinen schwingungsfrei arbeiten

10.07.2001


TU Chemnitz entwickelt Verfahren zur Berechnung von Schwingungen

Wenn eine Zeitung oder ein Buch mit verwischten Farben oder unschönen Streifen zum verärgerten Leser kommt, sind nicht selten Schwingungen der Druckmaschinen Schuld, die während der Produktion auftreten können. Erstmals ist es einem Doktoranden der TU Chemnitz gelungen, ein Modell für Offsetdruckmaschinen zu entwickeln, das solche ungewollten dynamischen Eigenschaften vorausberechnen kann.

Xingliang Gao aus China hat unter Leitung von Prof. Dr. Hans Dresig an der hiesigen Professur Maschinendynamik und Schwingungslehre eine Dissertation vorgelegt, die nicht nur einzelne Bauteile, sondern das dynamische Verhalten des gesamten bis zu 80 Meter langen und 2000 Tonnen schweren Gestells einer Offsetdruckmaschine samt Fundament und Druckeinheiten analysiert hat. Es gelang Herrn Gao, ein Simulationsverfahren zu entwickeln, das Auskunft darüber gibt, wie standfest und in welcher Größe Druckmaschinen aufgebaut sein müssen, damit sie weitgehend schwingungsfrei arbeiten. Zudem kann es helfen, die mitunter erschütternde Wirkung solcher Druckkolosse auf die Umwelt zu reduzieren. Im umgekehrten Fall sollen auch Schwingungen, die zum Beispiel durch andere Maschinen von außen einwirken, so gering wie möglich gehalten werden.

Bei den Industriepartnern Koenig & Bauer AG und MAN Roland Druckmaschinen AG wird das Verfahren bereits eingesetzt. Beide deutschen Unternehmen gehören zu den weltweit führenden Druckmaschinen-Herstellern und haben die Arbeit Xingliang Gaos finanziell unterstützt. Bei Koenig & Bauer dient das durch Messergebnisse abgesicherte Simulationsmodell "als Grundlage für die Darstellung aller möglichen Schwingungsprozesse einer Druckmaschine", so der Abteilungsleiter Messtechnik, Dr. Eberhard Glöckner. Bereits die ersten Berichte des chinesischen Nachwuchswissenschaftlers der TU Chemnitz hätten den Hersteller der bis zu zehn Meter hohen Zeitungsdruckmaschinen in die Lage versetzt, "die mitunter gewaltigen Schwingungen zu minimieren." Auch MAN Roland Druckmaschinen wendet das neue Berechnungsmodell bereits an, bevor Xingliang Gao seine Doktorarbeit überhaupt verteidigt hat. "Die Arbeit nützt uns wirklich", bestätigt Dr. Holger Wiese als Leiter der Abteilung Technische Berechnung bei MAN Roland. Die Herstellerfirma von Bogendruckmaschinen, die im Buchdruck zum Einsatz kommen, möchte besonders äußere Erregungsquellen ausschließen, die sich negativ auf den Druckprozess auswirken könnten. "Bisher mussten wir auf unser Erfahrungswissen vertrauen, das eher aus dem Bauch heraus kam. Dank des neuen Berechnungsverfahrens können wir mit viel größerer Sicherheit Grenzwerte ermitteln und unsere Maschinen entsprechend aufstellen", so Dr. Wiese.

Xingliang Gao ist der erste Chinese, der in der Fakultät für Maschinenbau und Verfahrenstechnik der Technischen Universität seine Dissertation geschrieben hat. Am 9. Juli 2001 verteidigte er seine Arbeit mit sehr gutem Abschluss und ist nun Doktor der Ingenieurwissenschaften. Insgesamt kommen in diesem Jahr 44 Prozent der etwa 200 Promotionsstudenten der TU Chemnitz aus dem Ausland. Bundesweit liegt der Anteil der Bildungsausländer nur bei etwa sieben Prozent.

Hinweise für Fotografen und Kamerateams: Am 11. Juli 2001 stehen Ihnen Dr. Xingliang Gao und Prof. Hans Dresig um 11 Uhr im Institut für Print- und Medientechnik, Reichenhainer Str. 70, Halle G (hinter Rühlmann-Bau), Zimmer G 7, für Aufnahmen zur Verfügung.

Weitere Informationen gibt Prof. Dr. Hans Dresig unter (0371) 531 12 49.

Alexander Friebel | idw

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