Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Plasma vom Fass

05.07.2001


Aus Spraydosen und Kühlschränken sind chlorierte und fluorierte Kohlenwasserstoffe weitgehend verdrängt, doch in der Industrie und auf Sondermülldeponien bereiten sie weiter Kopfzerbrechen. Wie können die alten Lösemittel vollständig unschädlich gemacht werden, ohne die Umwelt zu belasten? Einige Verfahren sind etabliert, doch jedes hat seine spezifischen Probleme und Grenzen. Aktivkohlefilter verlagern das Problem nur, denn bei der Regenerierung fallen sie - wenn auch konzentriert - wieder an. Brenner mit katalytischer Nachbehandlung können nur dann wirtschaftlich betrieben werden, wenn der Schadstoff auch brennt. Ein neues Verfahren wird am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal bei Karlsruhe entwickelt: das Plasmafass. Der Reaktorprototyp besteht aus einer elliptischen Metallkammer von rund 70 Zentimetern Durchmesser. In der einen Brennlinie werden Mikrowellen eingestrahlt und in der anderen zünden sie das etwa einen Meter lange Plasma.


»Im täglichen Leben sind wir sehr oft von Plasmen umgeben«, be-hauptet Dr. Mathias Kaiser, Leiter des Projekts. »Denken Sie nur an Leuchtstoffröhren! Bei der elektrischen Entladung im Gas entsteht nicht nur Licht, sondern auch diese wilde Mischung aus Atomen, Elektronen und verschiedenen Gas-Ionen. Im Plasmafass hingegen besitzt dieser vierte Aggregatszustand der Materie eine etwa 10 000-mal höher Dichte.« Plasmen existieren nur so lange, wie Energie in sie investiert wird - schaltet man den Strom ab, wird es dunkel. Das Plasma im Fass erzeugen Mikrowellen mit der gleichen Frequenz wie im heimischen Herd. Dabei treten jedoch nur Temperaturen zwischen 40 und 100 °C auf, wie sie auch für Leuchtstoffröhren typisch sind. Daraus ergeben sich zwei wesentliche Vorteile, wie Kaiser weiter ausführt: »Zum einen besteht die Anlage aus kostengünstigen Serienteilen, und die Vorschriften für die Emission der Strahlung können leicht eingehalten werden. Zum anderen geht nicht viel Wärme verloren, denn ein »kaltes Plasma« heizt auch den Gasstrom nicht sonderlich auf.«

Die hochenergetischen Teilchen im Plasma zersetzen den Schadstoff. Im Idealfall bleibt vom gasförmigen Lösemittel nur noch Wasserdampf und Kohlendioxid übrig. Eventuell entstehende Salz- oder Flusssäure kann mit einem konventionellen Gaswäscher neutralisiert werden - zum Nutzen von Geldbeutel und Umwelt.


Dr. Mathias Kaiser | Fraunhofer-Gesellschaft

Weitere Berichte zu: Fass Lösemittel Mikrowelle Plasma Schadstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Smarte Rollstühle, vorausschauende Prothesen
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik