Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zahl der Depressionen wird bis 2020 deutlich ansteigen

26.09.2007
4. Europäischer Depressionstag am 4. Oktober 2007 wirbt für bessere Akzeptanz und Versorgung

Nach Schätzungen der UNO leiden weltweit rund 450 Millionen Menschen an einer Erkrankung der Nerven oder der Psyche. In Deutschland sind derzeit rund vier Millionen von einer Depression betroffen, weitere zehn Millionen werden bis zum 65. Lebensjahr eine Depression erlitten haben. Oftmals werden diese Erkrankungen nicht ernst genommen und gar nicht, falsch oder zu spät behandelt.

Die European Depression Association (EDA) ruft in diesem Jahr zum vierten Mal für Donnerstag, den 4. Oktober 2007, den Europäischen Depressionstag (EDD) aus.

Die Koordination in Deutschland hat Prof. Dr. Detlef Dietrich, Stellvertretender Leiter der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) übernommen. "Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 die Depression in den industrialisierten Ländern die weltweit führende Krankheitsursache neben den Herz-Gefäß-Erkrankungen sein wird", sagt Professor Dietrich. Ebenso sei gravierend, dass 90 Prozent der rund 11.000 jährlichen Suizide in Deutschland auf psychische Erkrankungen zurückzuführen seien, hiervon in der Mehrzahl depressive Störungen. Ein Zusammenhang zwischen brüchigen Beziehungen, Einsamkeit und Depressionen wird von Experten seit einiger Zeit beobachtet.

Andererseits sind Depressionen mit sozialem Rückzug und zunehmender Vereinsamung verbunden. Auch der Zerfall sozialer Strukturen trägt dazu bei, dass die Zahl der Depressionspatienten ansteigt. Das Ziel der European Depression Association ist es deshalb, die Aufmerksamkeit für diese Erkrankung bei Patienten, Angehörigen, Ärzten, Pflegekräften und öffentlichen Entscheidungsträgern zu erhöhen sowie Informationsdefizite abzubauen. Es gebe wirksame Therapien, wie zum Beispiel die Pharmako- oder die Psychotherapie, womit Betroffenen gezielt geholfen werden könne.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens an einer Depression zu erkranken, beträgt etwa fünf bis 15 Prozent. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Auffällig ist auch das hohe Suizidrisiko: Etwa zehn bis 15 Prozent der Patienten mit rezidivierenden schweren Depressionen sterben durch Selbsttötung. Deshalb ist es wichtig, die Probleme depressiver Menschen unbedingt ernst zu nehmen und so schnell wie möglich professionelle Hilfe aufzusuchen. "Wird eine Depression rechtzeitig erkannt und behandelt, kann in der Regel auch ein Suizid verhindert werden. Doch obwohl mit Medikamenten, wie Antidepressiva oder psychotherapeutischen Maßnahmen, wirksame Therapien zur Verfügung stehen, wird nur eine Minderheit der depressiv Erkrankten optimal behandelt", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig, Sprecher des Kompetenznetzes Depression/Suizidalität sowie Vorstandsvorsitzender des Deutschen Bündnis gegen Depression.

Typische Symptome einer Depression: eine traurige Verstimmung, Freudlosigkeit, Interesselosigkeit, Schlafstörungen, Angst und Selbsttötungsgedanken. Denken und innerer Antrieb sind gehemmt. Auch körperliche Symptome können auf eine Depression hinweisen. Bei einigen Patienten wechseln sich depressive Phasen mit manischen ab. Dann sind die Betroffenen in unangemessen gehobener Stimmung, ihr Antrieb ist gesteigert, sie überschätzen sich und sind enthemmt. Untersuchungen zeigten, dass im Vorfeld von Depressionen gehäuft krisenhafte Ereignisse, wie der Verlust einer geliebten Person oder anhaltende Konflikte, aufgetreten waren. Diese Faktoren scheinen allerdings nicht allein Depressionen auszulösen, sondern führen eher zu einer unspezifischen Stressreaktion und im Zusammenhang mit weiteren Risikofaktoren nicht selten zu einer Depression.

Die EDA hat es sich zum Ziel gesetzt, den jährlich stattfindenden Depressionstag in ganz Europa zu etablieren. Mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten soll am EDD auf die Bedeutung depressiver Störungen hingewiesen und die Öffentlichkeit dafür sensibilisiert werden.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Detlef Dietrich
Medizinische Hochschule Hannover
Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie
Tel.: 0511-532-6749 oder -6748
E-Mail: Dietrich.Detlef@mhh-hannover.de
www.depressionday.com
Kathrin Winkler, M.A.
Kompetenznetz Depression
Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0341-97 24 586
E-Mail: kathrin.winkler@medizin.uni-leipzig.de

Kathrin Winkler | idw
Weitere Informationen:
http://www.depressionday.com
http://www.kompetenznetz-depression.de
http://www.buendnis-depression.de

Weitere Berichte zu: Depressionstag Psychiatrie Psychotherapie Suizid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal
18.08.2017 | Bergische Universität Wuppertal

nachricht Einblicke ins menschliche Denken
17.08.2017 | Universität Potsdam

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie