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Zahl der Depressionen wird bis 2020 deutlich ansteigen

04.10.2007 - 04.10.2007
4. Europäischer Depressionstag am 4. Oktober 2007 wirbt für bessere Akzeptanz und Versorgung

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Nach Schätzungen der UNO leiden weltweit rund 450 Millionen Menschen an einer Erkrankung der Nerven oder der Psyche. In Deutschland sind derzeit rund vier Millionen von einer Depression betroffen, weitere zehn Millionen werden bis zum 65. Lebensjahr eine Depression erlitten haben. Oftmals werden diese Erkrankungen nicht ernst genommen und gar nicht, falsch oder zu spät behandelt.


Die European Depression Association (EDA) ruft in diesem Jahr zum vierten Mal für Donnerstag, den 4. Oktober 2007, den Europäischen Depressionstag (EDD) aus.
Die Koordination in Deutschland hat Prof. Dr. Detlef Dietrich, Stellvertretender Leiter der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) übernommen. "Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 die Depression in den industrialisierten Ländern die weltweit führende Krankheitsursache neben den Herz-Gefäß-Erkrankungen sein wird", sagt Professor Dietrich. Ebenso sei gravierend, dass 90 Prozent der rund 11.000 jährlichen Suizide in Deutschland auf psychische Erkrankungen zurückzuführen seien, hiervon in der Mehrzahl depressive Störungen. Ein Zusammenhang zwischen brüchigen Beziehungen, Einsamkeit und Depressionen wird von Experten seit einiger Zeit beobachtet.

Andererseits sind Depressionen mit sozialem Rückzug und zunehmender Vereinsamung verbunden. Auch der Zerfall sozialer Strukturen trägt dazu bei, dass die Zahl der Depressionspatienten ansteigt. Das Ziel der European Depression Association ist es deshalb, die Aufmerksamkeit für diese Erkrankung bei Patienten, Angehörigen, Ärzten, Pflegekräften und öffentlichen Entscheidungsträgern zu erhöhen sowie Informationsdefizite abzubauen. Es gebe wirksame Therapien, wie zum Beispiel die Pharmako- oder die Psychotherapie, womit Betroffenen gezielt geholfen werden könne.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens an einer Depression zu erkranken, beträgt etwa fünf bis 15 Prozent. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Auffällig ist auch das hohe Suizidrisiko: Etwa zehn bis 15 Prozent der Patienten mit rezidivierenden schweren Depressionen sterben durch Selbsttötung. Deshalb ist es wichtig, die Probleme depressiver Menschen unbedingt ernst zu nehmen und so schnell wie möglich professionelle Hilfe aufzusuchen. "Wird eine Depression rechtzeitig erkannt und behandelt, kann in der Regel auch ein Suizid verhindert werden. Doch obwohl mit Medikamenten, wie Antidepressiva oder psychotherapeutischen Maßnahmen, wirksame Therapien zur Verfügung stehen, wird nur eine Minderheit der depressiv Erkrankten optimal behandelt", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig, Sprecher des Kompetenznetzes Depression/Suizidalität sowie Vorstandsvorsitzender des Deutschen Bündnis gegen Depression.

Typische Symptome einer Depression: eine traurige Verstimmung, Freudlosigkeit, Interesselosigkeit, Schlafstörungen, Angst und Selbsttötungsgedanken. Denken und innerer Antrieb sind gehemmt. Auch körperliche Symptome können auf eine Depression hinweisen. Bei einigen Patienten wechseln sich depressive Phasen mit manischen ab. Dann sind die Betroffenen in unangemessen gehobener Stimmung, ihr Antrieb ist gesteigert, sie überschätzen sich und sind enthemmt. Untersuchungen zeigten, dass im Vorfeld von Depressionen gehäuft krisenhafte Ereignisse, wie der Verlust einer geliebten Person oder anhaltende Konflikte, aufgetreten waren. Diese Faktoren scheinen allerdings nicht allein Depressionen auszulösen, sondern führen eher zu einer unspezifischen Stressreaktion und im Zusammenhang mit weiteren Risikofaktoren nicht selten zu einer Depression.

Die EDA hat es sich zum Ziel gesetzt, den jährlich stattfindenden Depressionstag in ganz Europa zu etablieren. Mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten soll am EDD auf die Bedeutung depressiver Störungen hingewiesen und die Öffentlichkeit dafür sensibilisiert werden.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Detlef Dietrich
Medizinische Hochschule Hannover
Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie
Tel.: 0511-532-6749 oder -6748
E-Mail: Dietrich.Detlef@mhh-hannover.de
www.depressionday.com

Kathrin Winkler, M.A.
Kompetenznetz Depression
Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0341-97 24 586
E-Mail: kathrin.winkler@medizin.uni-leipzig.de

Kathrin Winkler | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.depressionday.com
www.kompetenznetz-depression.de
www.buendnis-depression.de

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