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Prekarität, Unterschicht, Ausgrenzung

02.05.2007
Internationale Konferenz zur sozialen Frage im 21. Jahrhundert am 4. Mai an der Universität Jena

Die Angst geht um in Deutschland. Die soziale Angst - in neuer Dimension. Die Mehrheit der Bürger in einem der reichsten Länder der Welt befürchtet laut Umfrage eines renommierten Forschungsinstituts finanzielle Einschränkungen und in der Folge einen Statusverlust.

Fast zwei Drittel machen die gesellschaftlichen Veränderungen Angst. 61 Prozent sehen keine gesellschaftliche Mitte mehr, sondern nur noch oben und unten. In die reichen Gesellschaften des Westens sei am Beginn des 21. Jahrhunderts die soziale Unsicherheit zurückgekehrt, konstatiert Prof. Dr. Klaus Dörre von der Universität Jena. "Die Erwerbsarbeit hat für eine große Zahl von Menschen aufgehört, die Basis ihrer Lebensplanung zu sein, weil immer mehr Menschen in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen arbeiten", macht der Jenaer Inhaber des Lehrstuhls für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie deutlich.

Genau diesem Gefühl der Unsicherheit widmet sich die wissenschaftliche Tagung "Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts - Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung" am 4. Mai an der Jenaer Universität; ab 9.00 Uhr in der Universitäts-Aula (Fürstengraben 1). Gefördert von mehreren Stiftungen, der Landes- sowie der Bundeszentrale für Politische Bildung und dem Sonderforschungsbereich 580 "Gesellschaftliche Entwicklung nach dem Systemumbruch" werden dazu mehr als 180 Wissenschaftler aus ganz Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich, aber auch Interessierte aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften sowie Studenten erwartet. In fünf Gruppen, deren Arbeit in die abschließende Podiumsdiskussion "Moderne Politik gegen soziale Ausgrenzung" mündet, wollen sie den Ursachen dieser Entwicklung nachspüren.

Als prominentesten Referenten avisierte der Jenaer Soziologe seinen französischen Kollegen Robert Castel. Der habe mit seinem bahnbrechenden Werk "Metamorphosen der sozialen Frage" die internationale Debatte um die Wiederkehr sozialer Unsicherheit entscheidend geprägt. Die Jenaer Konferenz biete eine der seltenen Gelegenheiten in Deutschland, sich im direkten Gespräch mit ihm und seinen Thesen auseinanderzusetzen.

Als die soziale Frage in der heutigen Gesellschaft bezeichnet Prof. Dörre die Unsicherheit der Beschäftigungsverhältnisse und damit einhergehende "massive Abstiegsängste" in der Mitte der Gesellschaft. "Noch vor einem halben Jahr kannte das Wort 'Prekarität' niemand, heute ist es in aller Munde", zeigt er die Entwicklung auf. Man jubele über sinkende Arbeitslosenzahlen, verschweige aber, dass sie zunehmend auf befristeten Arbeitsverhältnissen, solchen mit niedrigen Löhnen, Mini- und Gelegenheitsjobs basieren. Auch die abhängige Selbstständigkeit zähle dazu. "Viele Unternehmen wälzen die Risiken auf die Beschäftigten ab und diese spielen sogar mit, weil sie Angst haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. In vielen Branchen hat der Sog nach unten bereits begonnen", sagt Dörre.

Die Prekarisierung von Arbeits- und Lebensverhältnissen wirke sich logischerweise auch auf die Gesellschaft aus. In welchem Maße und auch auf welche Weise sie die Beziehung der Geschlechter berührt, ob tatsächlich eine neue Unterschicht entsteht und wo mögliche Steuerungsversuche seitens der Politik ansetzen könnten und sollten, sind weitere Fragen, auf die die Jenaer Konferenz nach Antworten suchen will.

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Dörre
Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 2
07743 Jena
Tel.: 03641 / 945520
E-Mail: klaus.doerre[at]uni-jena.de

Uschi Lenk | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/KonferenzCastel.html

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