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Macht Stress dumm? - Tagung an der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen

04.10.2001


Intelligenz ist nur bedingt eine unveränderliche Mitgift der Natur. Seit dem "großen IQ-Test" von Günther Jauch wissen wir, dass entgegen der herrschenden Meinung Blondinen oft mehr und Bauchtänzerinnen oft weniger davon haben. Intelligenz ist jedoch nicht nur trainierbar, sondern auch von der körperlichen Verfassung beeinflusst. Wie sich Intelligenz mindern und steigern lässt, stellen namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am 6. Oktober 2001 von 1000 bis 1600 Uhr bei einer öffentlichen Tagung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Erlangen-Nürnberg (Schwabachanlage 6, 91054 Erlangen) vor. Die Teilnahme ist kostenlos.

Versuchspersonen schwitzen in der Sauna. Danach sind sie entspannt, friedlich, aber geistig unter ihrem gewohnten Niveau. Ihr Intelligenzquotient (IQ) hat gelitten. Selbst durch ausgiebiges Trinken am nächsten Tag erreicht er noch nicht den Stand vor dem Saunabesuch. Davon wird auf der Tagung der Ernährungswissenschaftler Günter Wagner aus Bad Nauheim berichten. Auch der Verzicht aufs Frühstück, Bluthochdruck und selbstverständlich Störungen des Hirnstoffwechsels und der Hirndurchblutung setzen die Intelligenz herab. Stress führt ebenfalls zu Intelligenzverlust, wie der bei Gewalt gegen Kinder und bei Terrorismus oft als Fernsehinterview-Partner zu Rate gezogene Profiler Adolf Gallwitz von der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen berichten wird. Bei Entführungen werden durch die abnehmende Leistungsfähigkeit der Geiselnehmer deren Aktionen für die Polizei zunehmend berechenbarer.

Neue Einflussmöglichkeiten legt gerade die biologische Seite der Intelligenz nahe, die mit medizinischen Mitteln gesteigert werden kann. Dabei geht es primär natürlich nicht um die Leistungssteigerung gesunder Menschen, sondern um Erhalt und Steigerung von Intelligenz bei erkrankten Personen. Der Erlanger Psychiater Prof. Dr. Joachim Demling wird einen Überblick über die heute bei Demenzen als wirksam anerkannten Medikamente geben. Selbstverständlich fehlen daneben nicht die in Erlangen mitentwickelten nichtmedikamentösen Maßnahmen zur Steigerung der Intelligenz wie das Gehirn-Jogging, mit denen sich der Psychiater Dr. Samuel Elstner und die Medizinpsychologen PD Dr. Elmar Gräßel und Dr. Siegfried Lehrl befassen. Denn genauso wie man seinen Körper mit Sport fit und gesund hält, kann man auch seinen Geist mit Gehirn-Jogging trainieren.

Voraussetzung für Untersuchungen der Intelligenz ist ihre Messbarkeit. Deshalb werden auf der Tagung unter anderem die Erlanger Tests für Intelligenz und Demenz vorgestellt, die zu den meist gebrauchten in der deutschsprachigen Medizin gehören. Die psychisch kleinste Einheit der Intelligenz, die kognitive Elementarzeit, beträgt übrigens 14 Millisekunden, wie der Erlanger Psychiater Prof. Dr. Roland Kalb durch aufwendige Messungen herausfand.

Die Tagung ist von der Landesärztekammer als ärztliche Fortbildungsveranstaltung anerkannt. Sie bietet zudem ein paralleles Programm für Arzthelferinnen, Beschäftigungstherapeuten und Gehirntrainer.

M.A. Thomas Wenzel | idw
Weitere Informationen:
http://www.psych.med.uni-erlangen.de/

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