Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Viadrina-Preis 2001 an Günter Grass verliehen

13.07.2001


Bewegender Auftakt für 10-Jahresfeier der Universität an der deutsch-polnischen Grenze

Mit dem Viadrina-Preis 2001 der Europa-Universität Frankfurt (Oder) wurde am heutigen Freitag der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Günter Grass geehrt. Die Auftaktveranstaltung zu den Feierlichkeiten der Viadrina anlässlich ihres 10. Geburtstages am 15. Juli wurde zu einem bewegenden Appell des Geehrten und des Laudatoren Adam Michnik, die deutsch-polnischen Beziehungen immer im geschichtlichen Kontext mit Blick in die Zukunft zu leben. Der vom ehemaligen Herausgeber und Chefredakteur der "Märkischen Oderzeitung", Claus Detjen, dem Vorsitzenden des Kuratoriums des Förderkreises der Universität, gestiftete Preis wird an herausragende Persönlichkeiten für besondere Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung vergeben. Günter Grass ist nach Karl Dedecius und Adam Michnik der dritte Preisträger.
Eingangs hatte Uni-Präsidentin Prof. Gesine Schwan darauf verwiesen, dass trotz allen Engagements selbst an der Viadrina die deutsch-polnische und europäische Gemeinsamkeit nicht immer und zu allen Zeiten so vorbildlich gelebt werden, wie man sich das wünsche und als Ziel vor Augen habe. "Die Kraft, die geistige Anstrengung und der lange Atem, den wir dafür brauchen, - sie werden uns durch Zeremonien wie diese Preisverleihung geschenkt ...", und dankte Grass für die Annahme des Preises. Angesichts der großen Preise, mit denen Grass bereits geehrt worden sei, hätte es die Universität kaum gewagt anzufragen, wäre es nicht um der Sache willen, für die diese Universität steht, gewesen, betonte sie. Grenzüberschreitend, mit dem Kern deutsch-polnischer Zusammenarbeit geht die Viadrina seit nunmehr 10 Jahren einen internationalen Weg, hat ein Drittel Studierende aus dem Nachbarland Polen und insgesamt 46 Nationen unter den rund 3650 Studierenden.

... mehr zu:
»Viadrina-Preis

Preisstifter Claus Detjen dankte Grass im Namen des Kuratoriums des Förderkreises. "Die Ehrung ist hier an der Grenze, die noch gepanzert ist mit Vorbehalten und Wahrnehmungsverwirrungen, ein Dank an Sie. Denn die Öffnung der Grenze für die Erweiterung der Europäischen Union wäre nicht möglich, wenn nicht schon viele Jahre zuvor Günter Grass in Polen Köpfe bewegt und Sinne geöffnet hätte. Die Viadrina als wichtigsten Ort gemeinsamen Lebens und Lernens junger Deutscher und Polen gäbe es nicht, wenn nicht die Viadrina-Preisträger Karl Dedecius, Adam Michnik und Günter Grass geistige Mauern aufgebrochen hätten, lange bevor die Mauer in Berlin fiel."
In der Laudatio zur Preisverleihung betonte Adam Michnik, Historiker, Publizist und Chefredakteur der "Gazeta Wyborcza: "Diese Universität, die Frankfurt an der Oder mit Slubice verbindet, ist ein Ort des Wunders. Ab jetzt sollten wir auch das Wunder an der Oder feiern. Der Ort, der über Jahrzehnte mit einem Stacheldraht geteilt war, ist heute ein Symbol der Annäherung." Auch Grass, der große deutsche Schriftsteller, Vertriebener aus Danzig sei ein symbolischer Preisträger. Er sei ein ... Kosmopolit, der jede Form des engen Nationalismus verachte. "Die Haltung von Grass, eines ohne Erwiderung in das eigene Volk verliebten Schriftstellers, eines barmherzigen Autors gnadenloser Kritik am Nazismus, eines unerbittlichen Kämpfers für den Frieden, eines kompromisslosen Anwalts der Philosophie des Kompromisses in der Politik, eines besessenen Verfolgers totalitärer Obsessionen - ist mir sehr nah", so Michnik. Er wünsche sich sehr, dass Polen und Deutsche die Bücher von Grass sorgfältig lesen. Sie seien eine große Lektion des Humanismus und der Selbstironie, des gesunden Menschenverstandes und des moralischen Nonkonformismus.
Günter Grass ging in seiner Dankesrede auf seine Herkunft ein als Kind einer kaschubischen Mutter und eines deutschstämmigen Vaters, auf Stationen seines Lebens und geschichtliche Ereignisse, die das deutsch-polnische Verhältnis beeinflussten. "Das erwünschte gutnachbarliche Verhältnis wird sich nicht allein durch wohlmeinende Reden beschwören lassen. Es verlangt Tatkraft und Brückenschläge, die nicht nur aus rhetorischem Stützwerk bestehen. Zum Beispiel wird sich das hässliche Wort ’Beutekunst’ nur dann entkräften lassen, wenn Deutsche und Polen bereit sind, von nationalen Besitzansprüchen abzusehen und gemeinsam - um konkret zu werden - ein Museum bauen, in dem die umstrittenen Bilder, Skulpturen ...ihren bleibenden Ort finden." Grass schlug vor, ein solches Museum in Grenznähe, womöglich beiderseits der Oder und - warum nicht - den Fluss überbrückend, Gestalt annehmen zu lassen. Die Viadrina, ihre Professoren und Studenten könnten an einem solch brückenschlagenden Objekt mitbauen, so Grass. "Ein kühner Entwurf ist gefragt! Ich sehe das Bauwerk vor mir: den großen Bogen über den Fluss. So stellt sich eine Stück zukünftiges Europa dar." Er käme mit Freude zur Einweihung dieses den Grenzfluss überwölbenden Brückenschlags.

Bereits am Vorabend der Preisverleihung war Günter Grass im überfüllten Hörsaal der Universität nach einer öffentliche Lesung aus "Mein Jahrhundert" mit lang anhaltendem Applaus gefeiert worden.

Annette Bauer | idw

Weitere Berichte zu: Viadrina-Preis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"
22.09.2017 | BusinessForum21

nachricht Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg
22.09.2017 | DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie