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Jahrestagung europäischer Transfusionsmediziner: Wird Blut zur knappen Ressource?

17.09.2008
Blut kann man nicht in der Apotheke kaufen - die weit reichenden Konsequenzen dieser simplen Feststellung diskutieren vom 16. bis zum 19. September rund 1.200 Teilnehmer der Jahrestagung deutscher und europäischer Transfusionsmediziner im Kongresszentrum Düsseldorf.

Wie können Medizin, Gesellschaft und Politik die Blutversorgung in unserem Land sicherstellen, in dem die Bevölkerung immer älter und behandlungsbedürftiger wird, der Bedarf an Blutprodukten also steigt, während sich die Ressource "junge gesunde Blutspender" verknappt?

Muss man die Spenderwerbung intensivieren, die Bestimmungen für Blutspenden verändern oder ist das so genannte Blood Cell Engineering ein Ausweg? Die Züchtung von roten Blutkörperchen und Blutplättchen aus Stammzellen ist zwar noch Zukunftsmusik, kann aber bereits heute beeindruckende wissenschaftliche Fortschritte vorweisen.

Wissenschaftler aus Greifswald werden zum Einfluss der Altersentwicklung in Deutschland eine Untersuchung aus Mecklenburg-Vorpommern vorlegen, die als Szenario für die Blutversorgung Europas in den kommenden 15 Jahren dienen kann. Sie haben errechnet, wie rasant die Zahl potenzieller Blutspender weiter abnimmt und wie enorm der Bedarf an Blut durch die Altersstruktur unserer Bevölkerung bereits zugenommen hat und weiter ansteigen wird. Angesichts des demographischen Wandels in unserem Land wird diese Entwicklung bald Folgen haben. Besonders benötigt wird Blut bei der zunehmend erfolgreichen Behandlung bösartiger Erkrankungen, die mit dem Lebensalter ansteigen sowie bei großen Herz- und Gefäßoperationen, die schon heute bei über 80-jährigen Patienten vorgenommen werden.

Die Transfusionsmedizin konzentriert sich aber nicht nur auf Blutspenden, sondern befasst sich auch mit Behandlungen bei Blutverlust (Unfälle), bei Blutarmut (Anämie) oder anderen Erkrankungen des Blutes, z. B. Störungen der Blutgerinnung. Dazu gehören die Diagnose und Therapie einer erhöhten Thromboseneigung, die vor allem für schwangere Frauen gefährlich ist. Gerade auf diesem Gebiet hat sich das Düsseldorfer Institut einen Namen gemacht. Die Düsseldorfer Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Thrombosegefährdung Schwangerer von 1:1500 auf 1:20, also über 70-fach ansteigt, wenn bestimmte genetische Mutationen kombiniert vorliegen. Die daraus resultierenden Konsequenzen werden auf dem Kongress diskutiert. Beispielsweise müssen die Fragen beantwortet werden: Wer muss überhaupt untersucht werden? Wer sollte prophylaktisch womit, wie lange und wie intensiv behandelt werden?

Weitere Schwerpunktthemen beim Kongress sind: StammzelIbiologie, Blutstillungssystem und Körperabwehr bei Infektionen, gentechnische Verfahren, therapeutische Blutwäschen (Apheresen), Diagnostik und Management bei Blutungen sowie risikoangepasste Behandlung und Steuerung bei der Übertragung von Blutprodukten (Hämotherapie).

Der Kongress wird ausgerichtet von der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI), Kongresspräsident ist Prof. Dr. Rüdiger E. Scharf, Direktor des Instituts für Hämostaseologie und Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf.

Kontakt:
Prof. Dr. Rüdiger E. Scharf,
Kongresspräsident,
Direktor des Instituts für Hämostaseologie und Transfusionsmedizin,
Tel.: 0221 / 81-17344.
Für die Dauer des Kongresses: 0174 / 322 0602

Susanne Dopheide | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-duesseldorf.de
http://www.dgti.de
http://www.uniklinik-duesseldorf.de/transfusionsmedizin

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