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BfN lässt
Grundlagen für den Schutz des ehemaligen Grenzstreifen ermitteln
Gila Altmann: Einmalige Chance für einen länderübergreifenden Biotopverbund
Bonn, den 11. April 2001: Im Bereich der ehemaligen innerdeutschen
Grenze ist auf einer Länge von fast 1.400 Kilometern ein zusammenhängendes
System von Lebensräumen entstanden, das von vielen Eingriffen und
Nutzungen nahezu unberührt geblieben ist. Diese Flächen sind heute zu
wichtigen Lebensräumen vieler gefährdeter Tier- und Pflanzenarten
geworden. "Mit der Naturschutz-Nutzung kann entlag der früheren
Grenze, ein modellhaftes, länderübergreifendes Biotop-Verbundsystem entstehen. Damit kann der ehemalige Todesstreifen zur Lebensader für
Pflanzen und Tiere werden", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im
Bundesumweltministerium, Gila Altmann, anlässlich des Förderbescheides an
den Projektträger Bund Naturschutz in Bayern. "Dieses Projekt kann zu
einem Meilenstein für den europäischen Naturschutz werden, weil solche
Flächen in Europa sehr selten geworden sind", so Altmann. "In der
Vergangenheit hat es auf Länderebene schon Aktivitäten zum Schutz des
Grünen Bandes gegeben, die nun über die Landesgrenzen hinweg
vervollständigt werden," erklärte die Staatssekretärin.
"Das Engagement
des Bundesamtes für Naturschutz war erforderlich, weil das "Grüne Band"
als Ganzes einem Nutzungsdruck ausgesetzt ist und darauf geachtet werden
muss, dass seine ökologischen Qualität nicht gefährdet wird," sagte der
Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Dr. Hartmut
Vogtmann. Einzelne Teilgebiete der ehemaligen Grenze sind als Naturschutzgebiete
ausgewiesen oder werden bereits als
Naturschutzgroßprojekte des Bundes gefördert. "Wir müssen prüfen, ob
dieser Schutz hinreichend ist," so Vogtmann. Um eine umfassende und
genauere Übersicht über die aktuelle Situation zu erhalten, in der sich
dieses einmalige Verbundsystem befindet, fördert das BfN eine aktuelle
Bestandserhebung des "Grünen Bandes", die 2002 abgeschlossen sein soll.
In der Studie soll in einer länderübergreifenden Gesamtschau ermittelt werden
Die Untersuchungen werden vom Bund Naturschutz in Bayern e.V. in enger Abstimmung mit den beteiligten Bundesländern sowie dem Bundesumweltministerium und dem BfN durchgeführt.
Eine öffentlichkeitswirksame Darstellung der Ergebnisse am Ende des Vorhabens soll neue Impulse zu Schutz und Entwicklung des "Grünen Bandes" geben.
Hintergrundinformationen zum "Grünen Band"
Im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze konnte sich als Folge jahrzehntelanger Nutzungsruhe und Abgeschiedenheit auf einer Länge von fast 1400 Kilometer (genau 1393 km) ein zusammenhängendes System von Biotopen im Bereich der ehemaligen Grenzanlagen entwickeln. Damit handelt es sich um den längsten Wald- und Offenland-Biotopverbund Mitteleuropas. Das Gebiet umfasst den Brachebereich des früheren "Todesstreifen" (ca. 50 - 200 m Breite zwischen Kolonnenweg und ehemaliger Staatsgrenze) und vielerorts auch benachbarte, von Nutzungsintensivierung seit ca. 50 Jahren verschonte Komplexbiotope sowohl in den alten wie neuen Bundesländen.
Bislang wurden entlang des ehemaligen Grenzstreifens 174
Naturschutzgebiete ausgewiesen. In Kontrast dazu stehen Eingriffe in
erster Linie durch landwirtschaftliche Nutzung, die auf ca. 15 Prozent der
Länge des Grünen Bandes zur Verringerung der Breite des Brachestreifens
oder zu dessen Zerstörung führten, sowie die auf der Basis des
Mauergrundstücksgesetze von 1996 stattfindende Rückübertragung von Flächen
an Privatbesitzer und die Veräußerung von Bundes-Flächen.
Die hohe
naturschutzfachliche Bedeutung liegt vor allem darin, dass dieses
Biotopverbundsystem großflächig und in vielen Bereichen noch
vergleichsweise ununterbrochen ausgebildet ist. In armen Agrarlandschaften
ist das Grüne Band oft die einzige intakte Landschaftsstruktur, an die
Renaturierungsmaßnahmen angeknüpft werden können.
Wertbestimmend sind Arten, die im Brachestreifen vorkommen
(Charaktervogel z.B. das Braunkehlchen) und Arten, die sich in Bereichen
nahe der ehemaligen Grenze (bis ca. 5 km Entfernung) infolge der
Abgeschiedenheit und oft extensiven Landnutzung ansiedeln konnten wie z.B.
Schwarzstorch, Kranich und Fischotter. Im Bereich der Landesgrenzen
Bayer/Thüringen/Sachsen wurden insgesamt 131 Brutvogelarten (darunter 59
"Rote Liste Arten"), 40 Libellenarten (davon 26 Rote Liste) und über 600
Pflanzenarten (120 Rote Liste) kartiert.
Je nach Ausgangssituation und
Lage entstanden im "Todesstreifen" auf ehemaligen Ackerstandorten oftmals
über Jahrzehnte stabile Altgrasfluren und halboffene Gebüschsukzessionen.
An diesen Stellen sorgten auch in unregelmäßigen Abständen Maßnahmen der
Grenztruppen zur Freihaltung des Sichtfeldes für frühe Sukzessionsstadien
z.B. auf nährstoffarmen Kalk- oder Sandböden. Innerhalb größerer
Waldgebieten bildeten sich naturnahe Vorwaldstadien und v.a. in feuchten,
schwer zugänglichen Abschnitten entstanden völlig unbeeinflusste
Feuchtbrachen. Von Bedeutung für den hohen naturschutzfachlichen Wert ist
sicher auch der Umstand, dass diese Flächen für vier Jahrzehnte von
direktem Dünger- und Pestizideintrag verschont blieben und diesbezüglich
ein Niveau wie kurz nach dem zweiten Weltkrieg aufweisen.
Die hohe
Wertigkeit entsteht aber nicht nur durch den eigentlichen Brachestreifen
am früheren Grenzzaun, sondern auch durch benachbart liegende Biotope.
Diese sind oft mehrere Kilometer tief, in der eigentlichen Grenze
vorgelagerte Sperrzone im Osten gelegen. Die durch Grenznähe bedingte
periphere Lage im Westen (unterbrochene Verkehrswege, sehr unregelmäßiger
Verlauf der Grenze) führte dazu, dass sich im Umfeld der Grenze relativ
viele großräumige Biotope wie naturnahe Flusstäler oder kaum genutzte
Waldbereiche in beiden deutschen Staaten erhalten haben bzw. von der
allgemeinen Nutzungsintensivierung verschont blieben. Brutvorkommen des
Schwarzstorches sind z.B. kennzeichnend für diese abgelegenen, stillen
Bereiche in Zwickeln und Ausbuchtungen des Verlaufs der ehemaligen
Staatsgrenze. Die durch die Grenzziehung entstandenen und heute als
Totalreservat mit Betretungsverbot geschützten Kernbereiche im Naturpark
Drömling (Großschutzprojekt des Bundes) an der Landesgrenze Niedersachsen/
Sachsen-Anhalt sind hierfür ein typisches Beispiel.
Franz August Emde | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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